Liebe Djamila, ganz lieben Dank für deine Offenheit und dafür, dass du hier so mutig und wichtig dieses so schmerzliche aber auch so häufige Thema angesprochen hast!

Entwicklungstrauma durch die Eltern! Und die folgenden lebenslangen Leiden.
Mir war klar, dass du genau wie ich schlimme Familienerfahrungen hast, das wussten wir ja voneinander schon vorher, weil wir uns ja schonmal darüber ausgetauscht haben und über unsere Kinder.
Du musstest da raus aus deiner Familie und für deine Geschwister tut es mir bitter und sehr leid - und ich musste auch da raus aus meiner Familie!
Darum richtete sich meine Antwort auch nicht an dich, sondern an diesen Referenten im Video. Von ihm fand ich kam es doch recht lax rüber und Aussagen wie: "Man braucht seine Eltern als Erwachsener nicht mehr" fand ich gefühllos. Ich verstand seine Kernbotschaft, aber drumherum waren für diese so zentrale Bindung doch einige Sätze, die ich zu lapidar und pauschal fand.
Das fiel mir auch im ersten Vortrag zur Traumatherapie auf. Er spricht ganz viel absolut Wichtiges dazu an und kann wunderbar erklären, auch zur so zentralen Körperarbeit und auch, dass es bei frühkindlichen Traumata um Überlebensstrategien geht und dadurch Entwicklungsgtraumata entstehen, die die ganzen folgenden Entwicklungsphasen wesentlich anders formen und so schwer therapeutisch zu erreichen sind, weil die Überlebensreflexe Angriff, Flucht oder Totstellen/Erstarren im ältesten Hirnteil, im Stammhirn angesiedelt sind und daher kognitiv und emotional, also von den höheren und jüngeren Hirnteilen, nicht ohne weiteres bearbeitbar seien.
Das sind ganz ganz wichtige Erkenntnisse zur Traumatherapie.
Nur, dass er da auch wieder viel zu pauschal ist. Nicht alle sind dauerhaft angststarr und bindungsunfähig und unter Dauerstress. Da gibt es viele viele Abstufungen. Oft sind es bestimmte Trigger, die den Reflex anschmeißen, dazwischen lebt es sich anders und entspannter.
Es gibt sehr wohl viel erfolgreiche Traumatherapie und zwar sehr wohl über Kognitive Umstrukturierung und über Achtsamkeits- und -Selbstfürsorge und Selbstliebe-Bewusstseinsübungen. Und Körperarbeit!
Das autonome Nervensystem lässt sich zwar nicht beeinflussen, aber ein Entwicklungs- oder Schocktrauma hat nicht nur Wirkungen im Stammhirm, sondern zieht Kreise in den Emotionen, in den Glaubenssätzen und Vermeidungsstrategien. Ebenso wie die Kognition und die Emotionen Sicherheit signalisieren können und dann die Überlebensreflexe nicht anspringen.
Man kann das Hirn nicht so schematisch unterteilen und nur das Stammhirn behandeln und gleichsetzen dann in der Therapie mit echter Verbindung zu anderen Menschen, denn die umfasst den ganzen Menschen.
Und die kann dann nach ihm nur der Therapeut bieten, na prima!
Traumatherapie umfasst den ganzen Menschen.
Ich fand den Vortrag in einigem sehr sehr gut, aber zu einseitig. Und auch zu pauschal, denn was individuell Sicherheit gibt, um zu entspannen, das kann sehr unterschiedlich sein.
Außerdem, meine Psychotherapeutinnen sagten und sagen mir, mein Schreiben und meine Spiritualität seien pure Traumaarbeit und er sagt so pauschal: Rückzug, nein. Und pathologisiert das sogar noch, dabei habe ich nie Kontaktprobleme gehabt und sicherlich Bindungsstörungen in meiner Herkunftsfamilie, aber ansonsten immer mit meinen Partnern gelebt und keine Berührungsängste gehabt, es sei denn, ich war überreizt.
Ich finde es schade, wenn Fachleute nur eine Methode als wirksam bezeichnen, vor allem, wenn Psychotherapie bei Heilpraktikern gar nicht von der Krankenkasse übernommen werden, oder? Kann sein, dass doch!?
Liebe Grüße! maya