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Lebensqualität trotz Krankheit steigern - Erhaltungsmodus

maya60

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Hallo Zusammen,

ich bin 58 Jahre alt und so lange hat es gedauert, angefangen von Kindheitszeiten (in meinem Tagebuch steht genaueres dazu) bis ich meine Dauerüberreizung und Dauererschöpfung, die zur chronischen Depression wurde, mithilfe von Diagnosen, medikamentöser und psychotherapeutischer Unterstützung und viel viel Verhaltensanpassung soweit los wurde, dass ich meistens von Lebensqualität im Alltag reden kann.

Natürlich würde vermutlich jeder, der auf einmal von gesund und beschwerdefrei plötzlich in mein heutiges Befinden versetzt würde, damit zum Arzt rennen, denn gesund und beschwerdefrei war und bin ich nicht.
Aber dankbar entlastet von schweren Depressionen zu Einzelsymptomen leichter bis mittlerer Ausprägung, mal mehr, mal weniger.

Ich halte es nach 10 Jahren Optimierung der Medikamenten- und Verhaltensanpassung soweit wie möglich für realistisch, dankbar und akzeptierend davon auszugehen: Viel besser wird´s nicht. Und das ist kein bisschen resignativ, weil es nämlich schon viel besser geworden ist.Und ganz langsam und achtsam geht´s auch weiter damit.

Aber chronisch krank zu bleiben habe ich mittlerweile angenommen und bin stabil genug, um wieder über den Krankheitstellerrand mich umzuschauen und ganz ganz vorsichtig Neues zu beginnen.


Darum interessiert mich, meinen jetzigen gesundheitlichen Zustand zu erhalten, ohne Druck und Perfektionismus. Dazu gehören ganz klar wolkige Tage und sonnige Tage, auch mal zu dunkle Tage und solche dunkleren Tage sind bei mir immer anders als bei gesunden Menschen: schneller eintretend, tiefer schmerzend, länger nachwirkend, kraftzehrender.

Und dennoch: Auch soviel Linderung und Ausgeglichenheit im Vergleich zu früher.


Wem geht es hier ähnlich? Austausch fände ich spannend.

01.03.2019 15:00 • x 1 #1


Frederick1

Frederick1

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liebe maya,

erstmal ein ganz herzliches Willkommen hier im Forum. Du mein lieber Hund heißt auch Maya, und so kann ich mir deinen Namen gut merken. Selbst leide ich auch schon seit mehreren Jahren an dieser Depression, mal mehr, mal weniger.aber ich musste es auch ganz schwer lernen, trotzdem zu mir und meinem ganzen Leben zu stehen.

Mich auch versöhnen, und das hat mich irgendwo ruhiger gemacht, die Depression mit allen ihren negativen Seiten so gut es mir möglich ist, anzunehmen.

Doch durch meine Depressionen wurde ich mit der Zeit barmherziger und gütiger zu mir selbst und anderen Menschen.

Aber das ich noch immer meine Psychopharmaka brauche, das nervt mich schon noch.

In Amerika sind die schon so weit, alle Probleme der Menschen mit Psychopharmaka zu lösen. Da wird dem Leben ausgewichen, alles vereinfacht, auch die Behandlung der Menschen, die Hilfe.

Natürlich haben diese Tabletten auch was Gutes. Damit uns unsere Depression nicht noch mehr beherrscht, einschränkt.

Unsere innere Zerrissenheit wird dadurch etwas ausgeglichen. Und wir können so ein einigermaßen Leben leben, wenn auch mit gewissen Einschränkungen.

Auf der anderen Seite müssen wir Menschen immer normal funktionieren. Wir sollen vor unseren eigenen starken Emotionen geschützt werden. Doch ohne Emotion werde ich als Mensch zu einer Maschine, die nur noch funktionieren soll. Selbst habe ich nach langem Suchen endlich einen guten Arzt für mich finden dürfen, der mir echt hilft.

Andere, habe ich auch schon erlebt, verschreiben nur noch Tabletten, rechnen das aber ziemlich hoch ab.

Und wenn ich sage ich habe Angst, wird mir gleich eingeredet, ich hätte eine Angststörung.

Doch Angst gehört doch auch zu uns Menschen. Und meine eigene Auseinandersetzung mit meiner Angst kann mir doch selbst sagen, das ich mit einer falschen Lebenseinstellung durch mein Leben gehe.

Aber als Mensch sollst du gerade auch im Arbeitsleben möglichst immer perfekt sein, absolut keinen Fehler machen, immer gut da stehen vor den Menschen.

Aber ich muss es lernen, mich mit meiner Begrenztheit, den Brüchen in meinem Leben, mich so gut ich es kann, zu versöhnen.

Und in einer Welt, wo wir alles positiv sehen sollen, hat die Traurigkeit de Depression keinen Platz.

Aber Trauer gehört wie mein Tod doch zu meinem Leben dazu.

Ohne meine Depression hätte ich manches nicht verstanden und gelernt. Trotzdem hoffe ich auch jeden Tag auf Besserung.


in guten Gedanken für dich,


viele liebe Grüße,


Frederick

01.03.2019 18:36 • x 3 #2


maya60

maya60


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Hallo Frederick, danke für dein Willkommen!

Depressionen und Burnout haben ja in den letzten Jahrzehnten so zugenommen, sogar schon bei Kindern, dass klar wird, dass es was mit unserer heutigen Lebens- und Arbeitsform zu tun hat.

Stresserkrankungen waren nie zuvor solch ein Thema und das, obwohl die Lebensbedingungen unserer Vorfahren mit Krieg, Armut, Tod und Gewalt viel härter waren.

Der menschliche Organismus ist für ein hartes Leben gemacht, die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte ging es täglich ums Überleben.

Darum ist völlig klar, dass trotz aller wirklich tollen Errungenschaften unserer Zivilisation (Strom, Heizung, Wasseranschlüsse, Medizin, Technik uvm) wir es jetzt irgendwie übertreiben mit der Selbstoptimierung und uns wie auch unsere Umwelt zerstören.

Jede Zeit hat ihre Bedrohungen. Unsere Vorfahren lebten viel lebensgefährlicher als wir, kürzer und im ständigen Überlebenskampf.

Unsere heutige Bedrohung scheint mir zu sein, unsere Leistungsgrenzen zu beachten.

Maschinen zu nutzen, aber keine selber zu sein.

Ich brauche meine Medikamente, weil mein Hirnstoffwechsel (ADHS) nicht ganz rund läuft und Erschöpfungsdepression die Folge davon ist.

Wir sitzen alle in einem Boott mit Navi und Heizung und Nahrung und Sicherheit- die heutigen Stresserkrankungen quer durch alle Berufe, Altersgruppen und sozialen Gruppen sind unsere heutige Herausforderung.

Nicht gegeneinander, sondern miteinander!

01.03.2019 19:09 • x 1 #3


maya60

maya60


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Erhaltungsmodus: Krank, aber mit Lebensqualität

Depression ist eine Erkrankung, die erstmal nicht chronisch ist. Es gibt eine depressive Episode und wenn sie beendet ist, hoffen alle, dass sie niemals wiederkommt.
Sie sehen sie allerdings schon als Warnschuss und bleiben vorsichtig, um einen Rückfall zu vermeiden. Oder nach einer Weile ohne Rückfall leben sie wieder wie zuvor.

Andere erleben erneute depressive Episoden und ihr Leben ändert sich dadurch noch mehr; sie hoffen, dass jede Episode die letzte ist.

Weitere erleben zyklisch Depressionen, z.B. im Winter oder hormonell beeinflusst oder durch die Form der Depression.

Und bei manchen wird die Depression chronisch. Ich gehöre zu dieser Gruppe. Und ich vermute, in der Rückschau, dass ich spätestens seit Jugendzeiten immer leichte bis mittlere Depressionen hatte, es bloß gar nicht anders kannte.

Im Nachhinein weiß ich, dass meine ständige Dauerüberreizung durch ADHS mich in eine Dauererschöpfung und dann in eine Erschöpfungsdepression brachte, was ich fast 50 Jahre meines Lebens so erlebte, bis ich dann die Diagnosen bekam.

Wenn Jemand von Kindheitszeiten an Diabetiker ist oder Rheumatiker, wächst er damit auf und in diese Lebensbesonderheit hinein.
Wenn jemand mitten im Leben plötzlich herzkrank wird oder durch einen Unfall krank oder behindert, ändert sich sein Leben.

Jahrzehntelang nicht gewusst zu haben, was mit einem selber nicht stimmt und aufgrund von automatischer Selbstregulation mit besonderen Maßnahmen verhindert zu haben, aus dem Alltag zu fallen, sich immer nach der "Normalität" gestreckt zu haben, ewig zerrissen zwischen Interessen, Begabungen und unverständlichem Ausgebremstwerden gesundheitlich und dann mit fast 50 Jahren endlich zu verstehen, was los war und ist, hat von allem etwas.

Die Annahme der Krankheiten ist zum einen sogar eine Erleichterung, denn das konnte einfach nicht sein, dass ein Leben dauerhaft so schmerzhaft und erschöpfend sein konnte, obwohl um mich herum es niemandem so ging und ich doch privilegiert lebte, weder in Armut, noch in Chancenlosigkeit, noch in Krieg und Unfrieden.

Wem es lange schlecht geht, der ist sogar erleichtert, endlich zu wissen, warum.

Das ist nun, was die Depressionen betrifft, 13 Jahre her, was ADHS betrifft, 10 Jahre her.

Und dennoch versuchte ich zunächst, mit Medikamenten und Psychotherapien und Verhaltensänderungen, die Depression ein für allemal zu überwinden.
Denn ich wusste ja noch gar nicht, wie lange und wie sehr ich drinsteckte. Ich hatte als Erwachsene jedes Jahrzehnt etwa einen depressiven Zusammenbruch, den ich mit Psychotherapien behandelte, was aber nie überdauernd half und die Medikamente machten früher viel zu sediert und zu platt, sie waren noch nicht soweit entwickelt wie jetzt. Pflanzliche Mittel waren viel zu schwach.

Dass ich zwischen den Zusammenbrüchen nie ohne Depressionen war, wusste ich ja nicht. Was bei mir als gesund galt, war es vermutlich gar nicht. Schon hart! Kein Arzt oder Therapeut erkannte das.

Seit ich die ADHS-Diagnose hatte, wusste ich dann, dass ich mit dieser Krankheit würde leben müssen und auch mit den daraus folgenden Depressionen.

Aber ich ließ immer noch nicht nach, mich weiterhin nach der "Normalität" zu strecken. Ich dachte, wenn ich nur genug Medikamente und Psychotherapien und Verhaltensanpassung hätte, dann würde ich "normal" leben können, sozusagen wären dann meine Krankheitsdefizite kompensiert.

Stimmte nicht.

Diese ganzen Behandlungs-Maßnahmen habe ich als zentrale und wichtige erhebliche Linderung erfahren und ich sehe sie heute wie sehr gute Krücken. Sie sind sicherlich nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Und damit bekam das Annehmen meiner Krankheiten eine neue Dimension, die fast 10 Jahre brauchte, um mein Leben zu werden so optimal wie möglich. Ich musste mich und meine Biografie und meine Krankheitsbiografie neu entdecken. Etwas ganz anderes und ganz Neues betreten und mich darin einrichten. Und meine Vergangenheit neu schreiben.

02.03.2019 18:16 • x 2 #4


maya60

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P.S.: Mir geht es bei diesem Thread nicht einfach "nur" um die Annahme der Depression. Bevor sie chronisch oder chronisch wiederkehrend ist, ist es richtig und wichtig, an Heilung zu glauben und das auch anzustreben. Weil die Depression eben allermeistens keine chronische Erkrankung ist.

Mir geht es aber auch nicht "nur" um die Annahme einer chronischen Depression.
Denn niemand, auch ich nicht, kann seine Depression innerlich annehmen, solange sie unerträglich ist. Bevor sie so medikamentös und psychotherapeutisch und verhaltensangepasst stabilisiert ist, dass sich mit ihr leben lässt, wird und muss weitere Linderung das Ziel sein.

Was ich mit diesem Thread als Horizont aufzeigen will, ist: Nur Mut, auch mit chronischer Depression und auch wenn es wie bei mir auch lange dauert, gibt es noch ein Leben, das viel mehr ist als leiden und überstehen und dahinvegetieren.

Da gibt es ein Leben, das sich dann irgendwann nicht mehr nur um die Depression drehen muss, weil sie so quält, sondern es gibt dann auch wieder das Leben daneben und das ist wirklich Leben.

Darüber wollte ich mich in diesem Thread austauschen.

02.03.2019 19:41 • x 2 #5




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