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Langjährige Freundschaft beenden? Dunning-Kruger Effekt

Nomad

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Hallo zusammen,

ich bin neu hier und habe mich registriert, weil ich einfach eine Meinung Außenstehender zu der Situation mit meinem besten Freund brauche. Ich hoffe ich bin mit diesem Thema hier richtig, ansonsten tut es mir wirklich sehr leid und ich bitte um Löschung.

Kurz zu mir: ich leide an Depressionen und ner Menge Ängste mit psychosomatischen Beschwerden, die mich einfach lähmen, je nach Intensität und Tag. Ich bin 20 Jahre jung.

Vorsicht, sehr langer Text folgt:

Mein bester Freund, 21, kenne ich schon seit der 5. Klasse, also jetzt locker 10 Jahre. Wir haben unsere Jugend und auch das erwachsen werden zusammen durchlebt, alle Höhen und Tiefen miteinander geteilt. Er ist bzw. war so ein fester Teil meines Lebens. 2016 bin ich für meine Ausbildung in die Stadt gezogen, bin aber trotzdem oft noch in die Heimat gefahren, um ihn zu sehen. Damals hatte es mich schon genervt, dass er zu faul war, mich besuchen zu kommen, obwohl ich fast jedes Wochenende bei ihm war, als er für ein halbes Jahr weggezogen war. Es hat ihn nicht im Ansatz interessiert, wie meine Wohnung aussieht, ob ich vielleicht Hilfe beim Umzug brauche etc.

Ab da hat die Freundschaft eigentlich schon gebröckelt, da ich das Gefühl hat, ihn würde es alles gar nicht interessieren, hauptsache ich komme zu seiner Bespassung regelmäßig vorbei. Ab dem Punkt habe ich auch kein Alk. mehr konsumiert, da mich das psychisch immer so fertig gemacht hat. Erst dann habe ich gemerkt, dass saufen und feiern eigentlich unser einziges, gemeinsames Hobby war. Was anderes macht er ja auch nicht, ich schon, aber für meine Hobbies konnte ich ihn nie begeistern.

Irgendwann im Winter 2016 habe ich meine jetzige Partnerin kennengelernt, in der Stadt wohlgemerkt, und natürlich wollte ich dann erstmal mehr Zeit mit ihr verbringen. Ihr kennt es ja, aufregende neue Liebe und so. Ab dann war ich eben nicht mehr jedes Wochenende in der Heimat, weil ich mich in der Stadt und in meiner Wohnung langsam auch wohlgefühlt hatte. Das war übrigens 4 Monate nach meinem Umzug und er war immer noch kein einziges Mal bei mir. Als ich ihn von meiner neuen Liebe erzählt habe kam nur ein sch. auf Partnerschaft wer braucht schon sowas und und DIE ist dir jetzt wichtiger als dein Bruder?. Er hat sich null für mich gefreut, hat sich gar nicht interessiert dafür, wer sie überhaupt ist. Selbst als ich mal in der Heimat war und ich ihm meine Freundin vorstellen wollte, hat er sich dafür nicht interessiert, mit ihr nicht mal geredet und wollte uns nur wieder schnellstmöglich loswerden. Als er vergeben war, habe ich mit seiner Freundin gut verstanden und es war für mich völlig ok, dass sie nun öfter dabei ist. Für ihn war es unakzeptabel, dass sie mitkommt und er wollte dann auch nichts mit mir machen, quasi eine Drohung, falls ich sie doch mitbringe. Ich lasse mich nicht auf solche Spielchen ein und habe an dem Tag was mit meiner Freundin gemacht, statt mit demjenigen, der mich unter psychischen Druck setzt. Für ihn war das Hochverrat und es folgten Nachrichten voller Beleidigungen und Abwertungen.

Meine Probleme, die ich eigentlich sehr gut im Griff hatte, wurden immer schlimmer wegen ihm und ich brauchte wieder Therapie und Anti Depressiva, um nicht die ganze Zeit so niedergeschlagen zu sein.

Im Sommer 2017 hatte ich dann also den Kontakt sehr stark beschränkt, was ihn auch recht wenig interessiert hat.

Zusammengeschweißt hat uns dann der Tod eines gemeinsamen Freundes, der April 2018 von uns ging. Da sagte er mir, er liebe mich und wüsste gar nicht, was er machen würde, wenn ich sterbe. Davon ließ ich mich natürlich beeindrucken, er lernte dann auch endlich mal meine Freundin vernünftig kennen und ich war so glücklich!

Den Monat darauf unternahmen wir dann was zu dritt (er, meine Freundin und ich). Wir sind extra den weiten Weg angereist, um einen schönen Abend zu haben. Plötzlich wollte er unbedingt in die Diskothek, ich habe ihm gesagt, dass ich darauf keine Lust habe. Was macht er? Ruft jemand anderes an und schmeißt uns raus, nach gerade mal einer Stunde. Da stand das erste Mal für mich fest, dass ich diesen Menschen nie wieder sehen möchte, so verletzt hat mich das. Dann ging es wieder los, er fragte mich JEDES Wochenende, ob ich Zeit habe. Wenn ich nein sagte, wurde ich abgewertet und musste mich ständig rechtfertigen. Ich habe es aber nicht übers Herz gebracht, ihm die Freundschaft zu kündigen, es tat zu sehr weh und ehrlich gesagt, hatte ich auch Angst vor seiner Reaktion.

Also wieder Kontakt beschränkt. In den Zeiten, wo wir keinen Kontakt zueinander hatten, ging es mir so viel besser und ich konnte gute Therapieerfolge erzielen.

Also habe ich mich im Herbst wieder mit ihm getroffen und wir haben so ein tiefgründiges Gespräch über unser Leben und unsere Freundschaft geführt, dass ich wirklich das Gefühl hatte, er würde sein Verhalten ändern.
Ich habe ihm endlich gestanden, welche Probleme und Krankheiten mich plagen. Es fiel mir sehr schwer, weil er immer sehr abfällig über psychische Krankheiten spricht und er das schlichtweg alles nicht versteht. Es fühlte sich in diesem Moment aber richtig an und ich war sehr froh, dass endlich losgeworden zu sein, ehrlich gesagt auch in der Hoffnung, dass er dann versteht, wie verletzend sein Verhalten eigentlich für mich ist. Und tatsächlich fand wieder eine Änderung statt: ich musste mich nicht mehr rechtfertigen, warum ich keinen Alk. mehr trinke, ich musste mich nicht mehr rechtfertigen, wenn ich am Wochenende einfach keine Kraft für eine Verabredungen hatte, er war fast jedes Wochenende bei mir.


Nur dieses Wochenende wurde ich eines besseren belehrt. Er meinte er komme in die Stadt und ob ich nicht Zeit hätte. Ich sagte ich müsse noch Geschenke kaufen und für Weihnachten vieles vorbereiten, ich weiß also nicht, ob es überhaupt was wird, es könnte wenn überhaupt sehr spät werden. Für ihn war es ok, ich sollte mich nur melden. Hatte ihm dann gesagt, dass ich mich wahrscheinlich erst gegen 23 Uhr melde. Alles gut. Kurz nach 23 Uhr bekomme ich Nachrichten voller Vorwürfe und Beleidigungen. Was mir einfalle nicht abzusagen, ob ich keinen Anstand hätte, was mit mir kaputt ist. Ich rief ihn an um zu erklären, dass wir das doch besprochen hatten und GEGEN 23 Uhr eben nicht PUNKT 23 Uhr bedeutet. Das hat ihn dann doch beruhigt und er meinte er kommt gleich vorbei. Stunden vergingen und er kam nicht, also fragte ich einfach kurz nach, ob alles gut ist und warum er nicht mehr vorbeigekommen ist. Wieder Beleidigungen, Vorwürfe und irgendwann hat er mich nur noch ignoriert, was ich echt hasse im Streit.

Dieser Mensch ist einfach nicht in der Lage sein Verhalten zu reflektieren und sich ein Fehlverhalten einzugestehen, das war schon immer so, er entschuldigt sich auch nie und das hat mich schon immer so extrem genervt.

Am nächsten Tag schreibt er mir, ob ich nicht heute Zeit hätte. Ich fühlte mich etwas verarscht, meinte aber, dass ich eben nicht kommen kann. Dann wieder du hast doch eh nichts zu tun und verlangte wieder Rechtfertigungen. Er stellte meine Entscheidung in frage, warum ich mir überhaupt Katzen geholt habe (habe ich Anfang des Monats) und wie unnötig das wäre. Habe ihm also geschrieben, dass das meine Entscheidung ist und er darüber nicht zu urteilen hat, wie ich mein Leben lebe und was er generell jetzt für ein Problem hat. Er wusste übrigens ganz genau, dass ich keine Zeit habe, aber ihm macht es sichtlich Spaß, mich dann niedermachen zu können und sich an mir auszutoben.

Für mich ist das Fass einfach schon übergelaufen, ich kann ihn nicht mehr ab, ich empfinde nur noch Hass für ihn. Er ist einfach nur eine psychische Belastung, die ich aus meinem Leben streichen möchte.

Ich will ihm also heute schreiben, dass ich es für besser halte, wenn wir getrennte Wege gehen und ihn gar nicht erst zu Wort kommen lassen, indem ich ihn überall blockiere. Von ihm würden sowieso nur heftige Beleidigungen kommen und ich bin schon am Ende, das brauche ich wirklich nicht. Aber dieser Schritt macht mir Angst, seine Reaktion darauf macht mir Angst, er hat mich psychisch einfach komplett im Griff und setzt mich so extrem unter Druck. Ausserdem verletzt mich dieser Schritt auch, mir ist schon den ganzen Tag übel. Es fühlt sich nicht richtig an, aber ich kann einfach nicht mehr mit ihm. Wirklich nicht, ich habe ihm genug Chancen gegeben.

Auch wenn er immer sagt, wie sehr er mich lieben würde und wie wichtig ich ihm bin, ich glaube ihm das auch, aber solange er so respektlos und herablassend ist, sehe ich einfach keine Zukunft für eine Freundschaft mit ihm.

Stichwort Dunning-Kruger Effekt, googled das gerne mal, das trifft genau auf ihn zu. Er fühlt sich so überlegen und intelligent, dabei hat er aber ein so einfaches Weltbild. Er ist S. und homophob, er ist diskriminierend ggü Behinderten und alten Leuten und generell alles, was von der Norm abweicht.

Aber meine Frage: wie würdet ihr Handeln? Wäre es richtig von mir, ihn direkt zu blockieren oder sollte ich ihm die Chance geben, dazu noch was zu sagen?

Dazu anmerken möchte ich, dass ich sonst keine Freunde habe. Nur noch einen guten Freund, der aber am Wochenende sehr stark über mich abgelästert hat mit ihm. Diese Freundschaft ist aber nicht so intensiv, weshalb ich da einfach den Kontakt stillschweigend abbrechen werde, auch wenn es etwas verletzt. Irgendwann finde ich dann mal richtige Freunde, die einem gut tun.

Entschuldigt diesen langen Text, aber ich musste es mir einfach von der Seele schreiben, bestimmt sind auch viele unnötige Details dabei. Aber ich hoffe, so könnt ihr euch ein gutes Bild von der gesamten Situation machen.

Danke schon mal für eure Antworten und ein frohes Fest wünsche ich euch.

24.12.2018 13:19 • #1


hardymei

hardymei

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Moin.

Okay, Dunning-Kruger hab ich jetzt eben gegoogelt, und vielleicht bin ich völlig daneben, aber ..... ich kann da keinen zwingenden Zusammenhang erkennen. Aber egal soweit.

Ganz spontan fiel mir beim Lesen deines Posts ein ... "beende diese Freundschaft". Doch bevor ich diese Worte als fremden subjektiven Ratschlag stehen ließe, möchte ich statt dessen konkret fragen nach deiner Angst vor seiner Reaktion. Kannst du das ein bißchen näher ausführen?

24.12.2018 13:34 • x 1 #2


Nomad


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Zitat von hardymei:
Moin.

Okay, Dunning-Kruger hab ich jetzt eben gegoogelt, und vielleicht bin ich völlig daneben, aber ..... ich kann da keinen zwingenden Zusammenhang erkennen. Aber egal soweit.

Ganz spontan fiel mir beim Lesen deines Posts ein ... "beende diese Freundschaft". Doch bevor ich diese Worte als fremden subjektiven Ratschlag stehen ließe, möchte ich statt dessen konkret fragen nach deiner Angst vor seiner Reaktion. Kannst du das ein bißchen näher ausführen?


Hallo und danke erstmal für deine Antwort.

Der Zusammenhang besteht darin, dass er sich mir ggü. völlig überlegen fühlt. Ich verstehe sowieso nichts, er ist unfehlbar, der Fehler liegt immer an mir. Er reflektiert nicht und entschuldigt sich auch nicht.

Ich habe einfach Angst, dass er dann platzt vor Wut und mich verbal so extrem fertig macht, dass ich psychisch einfach zusammenbrechen würde. Dieses Risiko besteht durchaus, weil er es nie einsehen könnte, was mir einfiele, dass ich die Freundschaft wegen sowas einfach wegschmeiße. Für ihn ist das alles kein Thema, er denkt halt nur an sich. Davor habe ich Angst, weshalb ich ihn einfach direkt überall blockieren würde, um seine Reaktion gar nicht erst zu erleben.
Achso zum Verständnis: ich würde es schriftlich beenden. Persönlich könnte ich das nie, weil ich dann weinen würde und weinen ist für ihn Schwäche (weil Männer weinen nicht, laut ihm) und ich so Angst habe, dass er auch handgreiflich wird oder mich auslacht.

24.12.2018 13:39 • #3


hardymei

hardymei

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Den Begriff "handgreiflich" hab ich befürchtet ..... sehr schwierig.

Schon bei deinem ersten langen Post schwang das ja ungeschrieben, aber drohend zwischen den Zeilen mit, bei der Beschreibung deines ehemals besten Freundes.

Also, zunächst einmal möchte ich nur betonen, daß Weinen für einen Mann natürlich kein Zeichen von Schwäche ist, das weißt du selbst ja ganz genau. Soll nur nochmal deutlich geschrieben sein.

Und weiter glaube ich auch tatsächlich, daß du im Grunde deines Wesens die für dich richtige Antwort bei dieser Misere kennst - jedenfalls wie ich sie subjektiv empfinde: Freundschaft beenden. Schön und gut, einfach gesagt, super.
Und jetzt, hardymei? Tja, da verließen sie ihn .....

Wie gesagt, echt schwierig.

Sei jetzt nicht maßlos enttäuscht, daß kein Fingerschnippen kommt und dein Problem ist gelöst. Ich muß das erst nochmal durchdenken, und schreibe zeitnah einen nächsten Kommentar. Jedenfalls will ich nicht auf die Schnelle irgendwelche platten Ratschläge loslassen .....

Ich meld mich.

24.12.2018 13:55 • x 1 #4


Nomad


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Zitat von hardymei:
Den Begriff "handgreiflich" hab ich befürchtet ..... sehr schwierig.

Schon bei deinem ersten langen Post schwang das ja ungeschrieben, aber drohend zwischen den Zeilen mit, bei der Beschreibung deines ehemals besten Freundes.

Also, zunächst einmal möchte ich nur betonen, daß Weinen für einen Mann natürlich kein Zeichen von Schwäche ist, das weißt du selbst ja ganz genau. Soll nur nochmal deutlich geschrieben sein.

Und weiter glaube ich auch tatsächlich, daß du im Grunde deines Wesens die für dich richtige Antwort bei dieser Misere kennst - jedenfalls wie ich sie subjektiv empfinde: Freundschaft beenden. Schön und gut, einfach gesagt, super.
Und jetzt, hardymei? Tja, da verließen sie ihn .....

Wie gesagt, echt schwierig.

Sei jetzt nicht maßlos enttäuscht, daß kein Fingerschnippen kommt und dein Problem ist gelöst. Ich muß das erst nochmal durchdenken, und schreibe zeitnah einen nächsten Kommentar. Jedenfalls will ich nicht auf die Schnelle irgendwelche platten Ratschläge loslassen .....

Ich meld mich.


Dazu anmerken möchte ich, dass er mir ggü. noch nie handgreiflich geworden ist, anderen aber schon. Sobald er sehr wütend wird, hat er sich einfach nicht unter Kontrolle und das möchte ich gerne vermeiden.

Ich danke dir und freue mich schon auf deinen Ratschlag.

24.12.2018 13:59 • x 1 #5


florica

florica

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Hallo auch,

hast Du denn noch deine Freundin? Und wenn ja, was sagt sie denn dazu?

Ich würde auch nach dem lesen sagen beende es. Und schreibe ihm auch warum.
Aber ok mich hat auch deine Erzählung beeinflusst (homophob, er ist diskriminierend ggü Behinderten und alten Leuten und generell alles, was von der Norm abweicht. ) das wäre auch jemand mit dem ich nicht befreundet sein möchte.

Aber das Du Angst vor seiner Wut hast verstehe ich auch gut. Allerdings vielleicht kannst Du ihm schreiben, dir geht es momentan auch nicht so gut - du möchtest ihn bitten wenn er noch etwas antworten möchte, dann bitte per Brief, weil du dann den Brief lesen kannst wenn es dir an dem Tag gut geht. Per Telefon oder persönlich würde bei dir momentan leider nicht gehen.

24.12.2018 14:09 • x 2 #6


Nomad


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Zitat von florica:
Hallo auch,

hast Du denn noch deine Freundin? Und wenn ja, was sagt sie denn dazu?

Ich würde auch nach dem lesen sagen beende es. Und schreibe ihm auch warum.
Aber ok mich hat auch deine Erzählung beeinflusst (homophob, er ist diskriminierend ggü Behinderten und alten Leuten und generell alles, was von der Norm abweicht. ) das wäre auch jemand mit dem ich nicht befreundet sein möchte.

Aber das Du Angst vor seiner Wut hast verstehe ich auch gut. Allerdings vielleicht kannst Du ihm schreiben, dir geht es momentan auch nicht so gut - du möchtest ihn bitten wenn er noch etwas antworten möchte, dann bitte per Brief, weil du dann den Brief lesen kannst wenn es dir an dem Tag gut geht. Per Telefon oder persönlich würde bei dir momentan leider nicht gehen.


Danke für deine Antwort.

Wir sind vom Dorf und im Endeffekt habe ich früher genauso gedacht wie er. Aber ich bin halt auch erwachsen geworden und seine Abneigungen passen einfach nicht mehr zu meinen Prinzipien, das ist halt auch ein weiterer Punkt, weswegen unsere Freundschaft bröckelt.

Ich glaube nicht, dass er darauf Rücksicht nehmen würden, wie es mir geht. Wenn er was zu sagen hat, dann sagt er es auch, unabhängig davon, wie sich die andere Person fühlt. Mir wäre es ehrlich gesagt auch lieber, dass er mich verprügelt, statt dass er mich mit Worten verletzt. Sein Stolz würde es nicht zulassen, mir einen Brief zu schreiben oder mir hinterher zu rennen. Daher würde ich ihm glaube ich gar nicht erst die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme einräumen. Falls er wider Erwarten doch was zu sagen hat, kennt er ja meine Adresse und würde bestimmt auch von selber auf die Idee kommen, mir was zu schreiben - anbieten möchte ich es ihm aber nicht wirklich.

Und ja, meine Freundin habe ich noch. Wie haben oft darüber geredet, aber sie ist immer der Meinung, ihn als Freund unbedingt zu behalten, da ich ja sonst keine habe. Ich denke nicht, dass sie wirklich nachvollziehen kann, wie es mir damit geht. Außerdem kann sie ihn auch nicht wirklich ausstehen.

24.12.2018 14:22 • #7


hardymei

hardymei

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Ganz ernsthaft: Respekt!
Wenn ich mir vorzustellen versuche, in deiner Lage zu sein, hätte ich den größeren Schiß vor körperlicher Gewalt, als vor psychischem Schmerz ..... aber wenn ich es richtig verstehe, dann wäre es für dich mehr als Schmerz, eher ein Martyrium.
Von daher könnte ich es verstehen .....

Tja, was ist mir dazu eingefallen ... nicht wirklich berauschendes. Zum einen denke ich, das Beenden der Freundschaft ist die grundlegende Entscheidung, und deren Ausdruck wäre auch für mich ein Brief. Dessen Inhalt allerdings ist ja sehr abhängig von deinen Kenntnissen über den Charakter deines Freundes, wie auch von deinen Gefühlen der Trauer und des Verlustes.
Ich habe dazu lediglich eine vielleicht etwas abstruse Idee, die die Leser in diesem Thread auch gerne zerpflücken dürfen ....

Und zwar denke ich daran, daß du den Freund quasi als gerne dominierend beschrieben hast, und vielleicht könntest du ihm ja SEINEN Verlust ein bißchen abschwächen - und damit vielleicht auch seine Wut - wenn du dich sozusagen erklärst, daß du dich seinen Wertvorstellungen immer mehr entfernt fühlst, ihm also quasi eine Art "Sieg" zugestehst.

Ich weiß, klingt echt bescheuert, aber ... nun ja.

Was ich offen gestanden nicht so recht verstehe, ist die Haltung deiner Freundin. Das laß ich jetzt aber einfach mal so stehen.

24.12.2018 14:56 • x 1 #8


Nomad


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Zitat von hardymei:
Ganz ernsthaft: Respekt!
Wenn ich mir vorzustellen versuche, in deiner Lage zu sein, hätte ich den größeren Schiß vor körperlicher Gewalt, als vor psychischem Schmerz ..... aber wenn ich es richtig verstehe, dann wäre es für dich mehr als Schmerz, eher ein Martyrium.
Von daher könnte ich es verstehen .....

Tja, was ist mir dazu eingefallen ... nicht wirklich berauschendes. Zum einen denke ich, das Beenden der Freundschaft ist die grundlegende Entscheidung, und deren Ausdruck wäre auch für mich ein Brief. Dessen Inhalt allerdings ist ja sehr abhängig von deinen Kenntnissen über den Charakter deines Freundes, wie auch von deinen Gefühlen der Trauer und des Verlustes.
Ich habe dazu lediglich eine vielleicht etwas abstruse Idee, die die Leser in diesem Thread auch gerne zerpflücken dürfen ....

Und zwar denke ich daran, daß du den Freund quasi als gerne dominierend beschrieben hast, und vielleicht könntest du ihm ja SEINEN Verlust ein bißchen abschwächen - und damit vielleicht auch seine Wut - wenn du dich sozusagen erklärst, daß du dich seinen Wertvorstellungen immer mehr entfernt fühlst, ihm also quasi eine Art "Sieg" zugestehst.

Ich weiß, klingt echt bescheuert, aber ... nun ja.

Was ich offen gestanden nicht so recht verstehe, ist die Haltung deiner Freundin. Das laß ich jetzt aber einfach mal so stehen.


Ein Wort von einem Menschen, der einem einst so nahe stand, kann viel vernichtender sein als 10 Schläge ins Gesicht. So ist das bei mir zumindest, mit Worten kann man mich viel leichter verletzen.

Genau daran habe ich auch gedacht, also ihm einen Sieg zugestehen. Allerdings würde ich ihm somit unterstellen, mich mit Absicht die ganze Zeit niederzumachen. Ich weiß eben nicht, ob es für ihn das ist, was es für mich ist. Und ehrlich gesagt, ist es mir nun auch mal egal, wie er sich fühlt. Ich habe jahrelang zurückgesteckt für ihn, nun muss ich auch mal an mich denken.

Meine Freundin ist der Meinung, es ist besser so ein Freund zu haben, als gar keinen. Das sehe ich halt anders. Oder was genau kannst du nicht nachvollziehen? Frag gerne. Und danke.

24.12.2018 15:33 • x 1 #9


hardymei

hardymei

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Die Formulierung "Sieg zugestehen" habe ich nur zur Verdeutlichung so gewählt. Das gilt es natürlich viel subtiler auszudrücken, aber da dies auch schon dein eigener Gedanke war, wirst du das bestimmt hinkriegen.
Und dann müßte es eigentlich auch zu schaffen sein, den Gedanken fallen zu lassen, dem Freund länger andauernde Absicht zu unterstellen. Ich kenne weder dich noch deinen Freund, aber das scheint mir doch ein bißchen weit her geholt zu sein. Zwar irgendwo verständlich, daß du einen solchen Gedanken hegst, da dir ja in sensibler Hinsicht weit mehr an der Freundschaft lag, als dem Freund. Von daher versuchst du vielleicht, durchaus verständlicherweise, Schuld bei dir zu suchen, deinen großen Part an der Beendigung der Freundschaft herauszuheben, aber ich glaube einfach, das ist dann doch um zu viele Ecken gedacht. Ich bin der Meinung, daß du ein Recht hast, eine Freundschaft, die so ungleich verläuft bzw verlaufen ist, auf deine - sensible - Art zu beenden. Mit Schmerz, ja ... und Trauer, ja ... und Wehmut, ja ... aber doch gerne ohne überhöhte eigene Schuld.

Zu deiner Freundin .... okay, sie hat da ihren Standpunkt, in Ordnung. Ich fand es nur etwas seltsam, weil sie den Freund ja selbst nicht ausstehen kann, wie du geschrieben hast.


......... und jetzt fällt mir dazu grad wieder noch ein anderer Gedanke ein.
Vielleicht hat deine Freundin ein sehr tiefes Gespür für dich, deinen Charakter, dein Wesen?
Mal angenommen, sie kann den Freund unter anderem deswegen nicht ausstehen, weil er durch seine Möchtegern-Dominanz, seine Überheblichkeit und Ignoranz, es geschafft hat, dich so von ihm einnehmen zu lassen, quasi dich von ihm abhängig zu machen, daß du deine Freundschaft ganz auf ihn konzentriert hast, und deswegen "keine anderen Freunde" zu haben. Daß er dich also quasi ein Stück weit ausnutzt.
Und weiter angenommen, sie würde dich gern sehr viel selbstbewußter sehen und erleben, dann könnte sie vielleicht die Befürchtung haben, du würdest dich auch von ihr abhängig fühlen .... irgendwann. Und um das zu vermeiden, weil sie vielleicht keinen Abhängigen an der Backe haben will, sondern einen Partner und Freund auf Augenhöhe, versucht sie dich wenigstens mit einem unangenehmen anderen Freund zu teilen ......

Oh ja, ich glaube, ich sollte Science-Fiction-Lovestorys schreiben .....

24.12.2018 16:06 • x 1 #10


Nomad


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Zitat von hardymei:
Die Formulierung "Sieg zugestehen" habe ich nur zur Verdeutlichung so gewählt. Das gilt es natürlich viel subtiler auszudrücken, aber da dies auch schon dein eigener Gedanke war, wirst du das bestimmt hinkriegen.
Und dann müßte es eigentlich auch zu schaffen sein, den Gedanken fallen zu lassen, dem Freund länger andauernde Absicht zu unterstellen. Ich kenne weder dich noch deinen Freund, aber das scheint mir doch ein bißchen weit her geholt zu sein. Zwar irgendwo verständlich, daß du einen solchen Gedanken hegst, da dir ja in sensibler Hinsicht weit mehr an der Freundschaft lag, als dem Freund. Von daher versuchst du vielleicht, durchaus verständlicherweise, Schuld bei dir zu suchen, deinen großen Part an der Beendigung der Freundschaft herauszuheben, aber ich glaube einfach, das ist dann doch um zu viele Ecken gedacht. Ich bin der Meinung, daß du ein Recht hast, eine Freundschaft, die so ungleich verläuft bzw verlaufen ist, auf deine - sensible - Art zu beenden. Mit Schmerz, ja ... und Trauer, ja ... und Wehmut, ja ... aber doch gerne ohne überhöhte eigene Schuld.

Zu deiner Freundin .... okay, sie hat da ihren Standpunkt, in Ordnung. Ich fand es nur etwas seltsam, weil sie den Freund ja selbst nicht ausstehen kann, wie du geschrieben hast.


......... und jetzt fällt mir dazu grad wieder noch ein anderer Gedanke ein.
Vielleicht hat deine Freundin ein sehr tiefes Gespür für dich, deinen Charakter, dein Wesen?
Mal angenommen, sie kann den Freund unter anderem deswegen nicht ausstehen, weil er durch seine Möchtegern-Dominanz, seine Überheblichkeit und Ignoranz, es geschafft hat, dich so von ihm einnehmen zu lassen, quasi dich von ihm abhängig zu machen, daß du deine Freundschaft ganz auf ihn konzentriert hast, und deswegen "keine anderen Freunde" zu haben. Daß er dich also quasi ein Stück weit ausnutzt.
Und weiter angenommen, sie würde dich gern sehr viel selbstbewußter sehen und erleben, dann könnte sie vielleicht die Befürchtung haben, du würdest dich auch von ihr abhängig fühlen .... irgendwann. Und um das zu vermeiden, weil sie vielleicht keinen Abhängigen an der Backe haben will, sondern einen Partner und Freund auf Augenhöhe, versucht sie dich wenigstens mit einem unangenehmen anderen Freund zu teilen ......

Oh ja, ich glaube, ich sollte Science-Fiction-Lovestorys schreiben .....


Vielen Dank für deine tollen Worte.
Ja, ich denke es geht tatsächlich um die Abhängigkeit. Ist allerdings nicht böse gemeint von ihr, im Falle der Trennung will sie halt nicht, dass ich dann alleine im Leben bin. Aber das ist ja in erster Linie mein Problem. Nur um nicht alleine zu sein sich an jemanden binden, der einem alle Therapieerfolge innerhalb weniger Minute zerstört? Nein, danke.

Ich bin gerade dran den Text zu formulieren und es bricht mir mein Herz. Außerdem ist mir ganz doll übel. Hätte nie gedacht, dass es so schwer ist. Aber es gibt keine andere Lösung für uns. Das klingt so dramatisch.

24.12.2018 18:19 • x 1 #11


hardymei

hardymei

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Sehr gerne .... freut mich sehr, wenn dir meine Worte ein bißchen Auftrieb geben können. Danke schön.

Ich glaube, du bist auf einem guten Weg. Du wirkst auf mich sehr selbstreflektiert, und auch sehr empathisch. Das sind, wie ich meine, wunderbare Grundlagen, um einen offenen, authentischen Brief an den Freund zu schreiben .... so schwer das Formulieren mit Sicherheit auch ist.
Und ein bißchen Dramatik darf bei einer solchen Problemstellung ja auch sein .....

Würde mich echt freuen, wenn du die weitere Entwicklung auch weiterhin postest. Und bis dahin - trotz allem - auf jeden Fall schöne Festtage.

24.12.2018 19:34 • x 1 #12


Nomad


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Zitat von hardymei:
Sehr gerne .... freut mich sehr, wenn dir meine Worte ein bißchen Auftrieb geben können. Danke schön.

Ich glaube, du bist auf einem guten Weg. Du wirkst auf mich sehr selbstreflektiert, und auch sehr empathisch. Das sind, wie ich meine, wunderbare Grundlagen, um einen offenen, authentischen Brief an den Freund zu schreiben .... so schwer das Formulieren mit Sicherheit auch ist.
Und ein bißchen Dramatik darf bei einer solchen Problemstellung ja auch sein .....

Würde mich echt freuen, wenn du die weitere Entwicklung auch weiterhin postest. Und bis dahin - trotz allem - auf jeden Fall schöne Festtage.


Vielen Dank!
Ich habe es formuliert und abgeschickt. Fühlt sich komisch an, aber auch sehr befreiend. Ich bin sehr gespannt, ob er den Kontakt suchen wird, um darüber zu reden oder er es einfach akzeptiert und dabei belässt.

Ich halte dich auf dem Laufenden und auch dir schöne Festtage!

26.12.2018 09:53 • x 1 #13


hardymei

hardymei

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Danke schön.

An dich reichlich *Daumen hoch*, und ich bin gespannt .....

Ich habe einen Song entdeckt, den Link schreib ich auf. Keine Ahnung, ob er dir gefällt, oder ob er dir überhaupt gut tut in der momentanen Situation, aber ich finde, er beschreibt sehr gefühlvoll die - zu deinem Thema passende - Stimmung.

26.12.2018 10:49 • x 1 #14




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