Krankschreiben, kündigen oder weitermachen? Depression. Hilfe!

sad_me

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Hallo ihr,

ich weiß gerade absolut nicht mehr weiter mit meinem Leben. Weiß gar nicht wo ich anfangen soll ...

Ich mache seit 3 Monaten ein Praktikum, wurde offiziell aber auf unbestimmte Zeit fest eingestellt, damit ich nebenbei noch 400 Euro verdienen kann und versichert bin etc.

Der Job ist total interessant und spannend und ich könnte mir gut vorstellen etwas in der Richtung in Zukunft zu machen. Eigentlich bin ich Grafikerin, habe es studiert und mich seit 4 Jahren von Praktikum zu 400-Euro-Job, zu Praktikum usw. gehangelt und leider keinen festen Job in dem Bereich bekommen. Das Praktikum im Moment geht in eine andere Richtung, aber das nur nebenbei ...

Nun ist es so, dass ich vor ca. 2 Wochen am Magen erkrankte und eine Woche richtig flach lag. Durch diese ganze Sache ging es mir dann auf einmal psychisch auch wieder total schlecht, weil ich mich so einsam und alleine fühlte. Als ich dann wieder gesund war, konnte ich trotzdem nicht wieder zur Arbeit gehen, weil ich dort starke Probleme habe mich zu konzentrieren, wenn der Chef da ist. Ich habe soziale Ängste, die ich dachte einigermaßen unter Kontrolle zu haben, aber seit ich dort bin, habe ich gemerkt, dass ich mich da wohl getäuscht hatte.
Ich sitze mit dem Chef in einem Büro, so dass er mich ständig im Blick hat. Ich bin so dermaßen angespannt, wenn er da ist und es fällt mir schwer mich zu konzentrieren. Wenn ich nach Hause komme, bin ich jedes Mal fix und fertig und muss teilweise erstmal meine ganze Anspannung raus weinen. Ich habe auch ununterbrochen Angst einen Fehler zu machen oder für irgendwas zu lange zu brauchen und wenn ich telefonieren muss, fängt mein Herz an zu klopfen und ich schiebe es auf, so lange es geht.
Wenn ich alleine im Büro bin, kann ich ganz gut arbeiten und bin viel konzentrierter, aber das kommt eben höchstens 1 mal in der Woche vor. Sobald ich weiß, dass mein Chef gleich wieder kommt, werde ich nervös.

Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich war nun 2 Wochen krank geschrieben, müsste morgen wieder hin, hätte ein Gespräch mit dem Chef, aber ich habe so eine Angst. Es ist schon so spät und ich kann nicht schlafen wegen der ganzen Sache.

Am Wochenende war ich bei meinem Freund, haben eine Fernbeziehung. Ich dachte, das würde mir vielleicht ein wenig Kraft geben und mich ablenken, aber dort habe ich gemerkt, dass ich echt wieder depressiv bin. Ich hatte überhaupt keine Freude und war gar nicht bei ihm mit dem Kopf, habe nichts gefühlt, hatte zu nichts Lust ...
Ich habe auch schon wieder diese typischen Gedanken, die ich sonst immer hatte, wenn ich depressiv wurde ...

Ich denke, ich schaffe es nicht, morgen zur Arbeit zu gehen. Ich habe es die 2 Wochen nicht mal geschafft meinen Chef anzurufen, weil ich mich nicht traute. Ich habe ihm nur sms oder mails geschickt.
Er ist ganz alleine in der Firma und er bräuchte dringend meine Arbeitskraft, das macht mich zusätzlich fertig und setzt mich unter Druck und trotzdem: Ich kann's gerad echt nicht!

Ich überlege zu kündigen, habe aber eine Frist von 2 Monaten. Außerdem ist es für mich persönlich dann schon wieder so ein Versagen, so ein Untergang, weil ich mir geschworen hatte das durchzuziehen, egal wie schwer es wird, einfach um mir selbst zu beweisen, dass ich es schaffe, wenn ich es nur will und im Grunde würde ich das auch gerne weiter machen, weil es echt spannend ist und ich jetzt so vieles verpasse. Ich wollte wenigstens 6 Monate durchhalten und es "sauber beenden" und nun bin ich schon wieder abgestürzt, bin schwach und kaputt, ich kann nicht mehr. Ich werde bald 30 und bekomme mein Leben nicht auf die Reihe!

Was soll ich nur tun?? Bis jetzt war ich nur bei meiner Hausärztin, weil es ja zuerst um meinen Magen ging. Bei meiner Neurologin muss ich wahrscheinlich wieder viele Wochen warten, bis ich einen Termin bekomme. Spontan nehmen die einen nicht dran. Ich wurde in der Vergangenheit schon zweimal wieder weggeschickt ...

Ich habe übrigens schon eine Verhaltenstherapie gemacht und ein Soziales Kompetenztraining in der Gruppe, was mir auch ein wenig geholfen hat, aber im Moment mache ich nichts. Nehme nur Sertralin. Am Freitag habe ich einen Termin bei einer Therapeutin, aber das ist noch so lange hin. :(

Muss man eigentlich mit dem Arbeitgeber persönlich sprechen bzw. ihn anrufen oder ist es okay, wenn man nur eine Mail schreibt??

09.11.2010 01:55 • #1


mag

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Hallo Sadme,

du solltest mit deiner Hausärztin über deine Probleme sprechen, damit sie dich eventuell Arbeitsunfähigkeit schreibt, denn selbst kündigen ist nicht die Lösung. Da würden dann weitere Probleme auf dich zukommen.

Es nützt dir nichts, weiter arbeiten zu gehen, das macht dich nur noch fertiger. Man denkt immer, es geht vorüber und schleppt sich dann monatelang zum Arbeitsplatz, kenne ich aus eigener Erfahrung.
Zitat:
Muss man eigentlich mit dem Arbeitgeber persönlich sprechen bzw. ihn anrufen oder ist es okay, wenn man nur eine Mail schreibt??
Bei einer Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit ist das in Ordnung. Am ersten Tag sollte man den AG schon zu Arbeitsbeginn informieren, dass man krank ist. Die Arbeitsunfähigkeit sollte schon zeitnah beim AG sein (in der Regel muß dem AG die Arbeitsunfähigkeit am ersten Arbeitstag bzw. bis zum dritten Arbeitstag vorliegen).

09.11.2010 09:37 • #2



Hallo sad_me,

Krankschreiben, kündigen oder weitermachen? Depression. Hilfe!

x 3#3


sad_me

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Hallo mag,

vielen Dank für deine Antwort.

Die Hausärztin hat mich nun weiter krankgeschrieben, bis einschließlich Freitag. Sie sagt, ich sollte in eine Klinik gehen. Das macht mir solche Angst. Vielleicht bekomme ich es doch noch selbst auf die Reihe, aber dann hätte ich ja heute zur Arbeit gehen können. Stelle ich mich nur an? So eine Klinik würde mich so völlig aus dem Leben reißen. Dann kann ich ja nicht mal mehr jobben. Was, wenn ich danach gar nicht mehr ins Leben finde?

Du meinst, wenn ich selbst kündige, bekomme ich Probleme wegen dem ALG, oder? Ich denke nicht, dass ich mich arbeitslos melden würde. Habe ja noch den 400-Euro-Job, bei dem ich jetzt zwar auch 2 Wochen nicht mehr war, aber ich könnte wieder hin, denke ich. Klar, reicht das nicht zum Leben, tut es jetzt aber auch nicht, da ich ja nur ein Praktikantengehalt bekomme. Ich werde leider noch von meinen Eltern unterstützt. Gibt es noch weitere Nachteile, wenn ich kündigen würde?
Es ist halt so blöd. Ich weiß nicht mehr was ich meinem Chef sagen soll. Immer denke ich, dass ich wieder kommen kann und dann melde ich mich doch wieder weiter krank.

09.11.2010 19:01 • #3


sad_me

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Wie ist es eigentlich mit dem Arbeitszeugnis: Darf da etwas über den Kündigungsgrund drinstehen oder über Krankheitszeiten?

09.11.2010 19:03 • #4


mag

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Hallo sad_me,

Zitat:
Stelle ich mich nur an?
du stellst dich mit Sicherheit nicht an, diese Zweifel sind so typisch.

Zitat:
So eine Klinik würde mich so völlig aus dem Leben reißen.
Wenn eine Klinik dir guttun würde, wäre es doch ein Versuch wert.

Zitat:
Dann kann ich ja nicht mal mehr jobben
Wenn du bei deinem 400-Euro-Job gemeldet bist, steht dir auch hier Krankengeld zu. Das müßte eigentlich in deinem Vertrag stehen.

Zitat:
Was, wenn ich danach gar nicht mehr ins Leben finde?
Warum solltest du nicht wieder gesund werden. So wie es jetzt ist, ist es für dich doch auch nicht gut und die Klinik wäre eine Chance.

Zitat:
Du meinst, wenn ich selbst kündige, bekomme ich Probleme wegen dem ALG, oder? Ich denke nicht, dass ich mich arbeitslos melden würde
Das wäre nicht gut, du mußt auch an deine Zukunft denken, wenn du dich nicht arbeitslos meldest, bist du nicht mehr sozialversichert. Nur der 400-Euro-Job ist ja nicht gerade eine Sicherheit.

Zitat:
Ich weiß nicht mehr was ich meinem Chef sagen soll.
Du bist nicht verpflichtet, ihm über deine Erkrankung zu berichten. Da reicht es aus, wenn du ihm sagst, dass du über deine Erkrankung nicht reden willst.

09.11.2010 19:34 • #5


byron

Hallo sad_me,

auch wenn die Details bei mir anders liegen, kann ich immerhin verdammt gut nachempfinden, wie es ist, mit einem "Job" zu hadern, den man einfach nicht (oder nicht mehr) kann. Wenn sich zudem keine anderen beruflichen Alternativen aufzeigen, entsteht ein ganz übles Sackgassen-Gefühl, das alles zwangsläufig nur noch schlimmer macht. Man weiß irgendwann gar nicht mehr, was richtig oder falsch ist, ... man kann keine vernünftige Entscheidung treffen, ... und letztlich versumpft man immer mehr in diesem Dilemma.

Nur drei spontane Gedanken zu deinen Beiträgen:

1.: Falls du letztlich mal ganz bewußt kündigen solltest oder dich -wie auch immer- entscheiden solltest, den Job zu beenden, dann ist das kein Versagen! Es kann mutig und weise sein, etwas abzubrechen (auch wenn man sich vorher das Ziel gesteckt hatte, es durchzustehen!) - und es kann blind und dumm sein, etwas durchzustehen und aushalten zu wollen, nur aus einem längst lebensuntauglichen Prinzip heraus oder weil man sich etwas inzwischen unmöglich gewordenes beweisen will. Die Situationen ändern sich, wir selbst ändern uns, ... also kann eine Kurskorrektur angesagter sein, als geradlinig ins Leere zu steuern. Es kann sinnvoll sein, sich selbst gegenüber Durchhaltekraft beweisen zu wollen. Es kann aber auch sinnvoll sein, zu erkennen, wann einen etwas zu überfordern oder fast Schaden zuzufügen beginnt. - Versuch einfach, beides zu differenzieren und so objektiv wie möglich zu betrachten und rauszuhorchen, was bei dir Sache ist ...

2.: Ähnlich würde ich eine stationäre Therapie o.ä. sehen: natürlich reißt dich so was erst mal aus allem raus. Aber sie kann auch der Grundstein dafür sein, anschließend endlich mit ausreichender Kraft durchzustarten. Einfach mal durchgrübeln, was dein Gefühl dazu sagt ...

3.: Ich kann's aus der Ferne natürlich nicht beurteilen, aber beim Lesen dachte ich "eigentlich kann sie doch fast nur noch alles auf eine Karte setzen: in die Offensive gehen und den Chef ins Boot holen!". Wäre das völlig undenkbar? - Klar, das kann gewaltig schief gehen, je nach dem, was der Chef für ein Mensch ist. Aber mal provokativ gefragt: was soll denn noch übler werden ...? Auf der anderen Seite, also *falls* der Chef klasse ist, würdest du mindestens Verständnis gewinnen (womöglich sogar Unterstützung?), du würdest wesentlich unbelasteter am Schreibtisch sitzen, usw. usw. Ich könnte mir vorstellen, dass sich dadurch gewaltig was lösen würde!

Aber bitte: der letzte Punkt ist kein Ratschlag und keine Empfehlung! Er ist halt riskant, weil es keinen Weg zurück gibt, falls das "schief geht". Aber als letzte Option, wenn man sich eh ziemlich sicher ist "das wird hier nichts mehr", ist es immerhin ein Versuch, der sogar womöglich vieles wieder einrenken kann... - Aber auch das kannst nur du einschätzen.

Liebe Grüße,
byron

09.11.2010 22:24 • #6


GastAccount

Zitat von sad_me:
Wie ist es eigentlich mit dem Arbeitszeugnis: Darf da etwas über den Kündigungsgrund drinstehen oder über Krankheitszeiten?

Beides nein. Es darf davon nichts drin stehen.

10.11.2010 11:42 • #7

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