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Keine Perspektive im Leben - was hilft mir noch?

Ich bin grad echt am Boden und hoffe hier auf ein paar aufbauende Nachrichten...

Meine derzeitige Situation habe ich in meinem Tagebuch umrissen. Sitze zu Hause, bin nach wie vor arbeitsunfähig, Maßnahme zur Teilhabe am Arb.leben beendet, Hartz-Antrag läuft + ALG 1 Antrag, da ich wohl bald gekündigt werde. Anwalt eingeschaltet, der Abfindung für mich raushauen wird, die mich von meinen aktuellen Schulden entledigen wird.

Ambulantes betreutes Wohnen hab ich vor kurzem beantragt und läuft GsD. Die nette Dame hilft mir, mich im Amtsdjungel zurecht zu finden und versucht mit mir Perspektiven zu entwickeln.

Liebeskummer ziept auch immer mal wieder und eben diese Perspektivlosigkeit, die sich in mir breit macht. Weiss nicht, in wie weit ich noch leistungsfähig bin. Hatte gehofft, das wärend der Maßnahme festzustellen, - war mir aber nicht möglich. Bin zu labil gewesen, durch mein Privatleben.

Gibt es hier Menschen unter euch, die in einer ähnlichen Situation wie ich waren und wieder Fuß fassen konnten im Leben? Die nun wieder gestärkt ihren Weg gehen?

Ich hoffe so sehr auf positive Rückmeldung, weil mir zwischendrin immer wieder die Puste ausgeht und ich mir ein Leben unter diesen Bedingungen nicht vorstellen kann und wenn es arg kommt, eben auch nicht will.

Danke für´s Lesen

06.04.2013 10:33 • #1


Hallo Charybdis,

ich habe eine Freundin, die schon lange an einer rezidivierenden Depression erkrankt ist. Die Perspektivlosigkeit war eines ihrer schlimmsten Probleme. Jetzt sieht sie durch eine stundenweise Beschäftigung wieder Licht am Horizont (das nicht nur der entgegenkommende Zug ist ... ). Das hat sich so positiv auch auf ihre körperliche Befindlichkeit ausgewirkt, dass beispielsweise ihr extremes Morgentief stark abgemildert ist. Gib die Hoffnung nicht auf, auch Deine Situation bessert sich bestimmt.

KG
auferstehung

06.04.2013 12:51 • #2


Danke Dir sehr für die Antwort, Auferstehung

So wie bei Deiner Freundin wird es wohl hoffentlich auch bei mir mal aussehen. Bis dahin werde ich mich darin üben müssen mit den "Fragezeichen zu leben".

Manches Mal glaube ich, dass ich in der letzten Zeit zu viel loslassen musste... Immer wieder in meinem Kopf, "Ich weiss nicht, wie ich so leben soll."

"Radikale Akzeptanz" wird ja gern in Fachkreisen geraten. Auch das ist eine große Lernaufgabe für mich. Wie ich dahin kommen soll ist mir schleierhaft. Oder ist es einfach und ich denk es mir nur schwer?

Wie dem auch sei, muss mich jetzt aufraffen, einkaufen, was ohne Auto in dieser Servicewüste, in der ich lebe, immer wieder eine Herausforderung ist. Entweder Fußmarsch oder Bahnfahrt.

Nochmals Danke und lieben Gruß

06.04.2013 13:14 • #3


"Radikale Akzeptanz" – wenn ich das schon immer höre, geht mir das Messer in der Tasche auf. Bei mir war die Depression anders gelagert – sie war rein endogen und äußerte sich vor allem in einer entsetzlichen körperlichen Befindlichkeit, aus der dann die Verzweiflung eine Folge war. Ich wünsche immer solchen Psychiatern, Psychologen u. Ä., sie mögen mal einige Tage dieses fürchterliche Körpergefühl erleben bzw. erleiden – dann würden sie solche "klugen" Sprüche nicht mehr machen.

LG
auferstehung

07.04.2013 09:49 • #4


Zitat von auferstehung:
... und äußerte sich vor allem in einer entsetzlichen körperlichen Befindlichkeit, aus der dann die Verzweiflung eine Folge war.


...ich bin auch nicht klassisch depressiv. Im Laufe der Krankheitsgeschichte wurden mir immer wieder andere Diagnosen gestellt. Mittlerweilen laufe ich bei meiner Neuro-Tante unter Borderline, zuvor bescheinigte man mir in der Klinik od. psychosomat. Reha eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, PTBS u.ä. Irgendwann in der Vergangenheit spürte ich mal Erleichterung, dass man das, was in mir los ist einkategorisieren kann, mittlerweilen möchte ich einfach nur einen Weg finden, den es sich zu gehen lohnt und der mir ein akzeptables Lebensgefühl vermittelt. Von dem zuvor kindlichen Wunsch "immer glücklich zu sein", bin ich schon lange abgerückt und habe ihn als blosses Wunschdenken erkannt. Wer ist schon immer glücklich?
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Ich wünsche immer solchen Psychiatern, Psychologen u. Ä., sie mögen mal einige Tage dieses fürchterliche Körpergefühl erleben bzw. erleiden – dann würden sie solche "klugen" Sprüche nicht mehr machen.


Ja, so ist es mir auch oft gegangen, wenn ich deutlich spürte, dass hier ein Mensch vor mir sitzt, der aus Lehrbüchern schwafelt und diese Gefühle, Gedanken und Aussetzer, die die Erkrankung mit sich bringt nur theoretisch erfasst hat.

Im Grunde hat mir auch niemand zu radikaler Akzeptanz geraten. Ich bin derzeit ohne Therapeut unterwegs. Habe letztes Jahr meine fünfte Therapie, innerhalb der vergangenen 20 Jahre, beendet, wollte nicht mehr verlängern, da ich mich stabil genug fühlte im Alleingang mein Leben zu meistern. Jetzt bereue ich das zutiefst, da ich in besagter Zeit wohl noch auf Wolke 7 der frischen Verliebtheit schwebte und mich geradezu grossartig gefühlt habe.

Derzeit versuche ich mir wieder durch Internetrecherche selbst zu helfen und bin dabei auf besagte "radikale Akzeptanz" gestossen. Man könnte auch versuchen zu verinnerlichen, - "Es ist, wie es ist.", "Liebe, was ist." und so weiter und so fort.

Fakt ist einfach, mir ist der "Ar... aus der Hose gefallen", als ich ein zuvor immer gelebtes co-abhängiges Leben aufgegeben habe und nun komplett auf mich allein gestellt bin. Ich bin in einem Suchthaushalt gross geworden und habe es verinnerlicht, für den süchtigen Part mein Leben zu opfern. Auch mein derzeitiger "Spielgefährte" ist Substanzabhängig. Die "kranken Antennen" greifen nach wie vor bei der Partnerwahl, beschissenerweise

Gestern NM ging es mir erstaunlich gut. Meine Tochter kam mich besuchen, wir haben ne Weile Scrabble gespielt, sind danach zu Fuß einkaufen gewesen und haben zum Abschluss zusammen Pizza gegessen. Später hab ich glücklich und allein im Bett gelegen und war erstaunt über das Gefühl der Zufriedenheit, das mich durchströmte.

Es gibt die positiven Momente in meinem Leben, an denen muss ich mich langhangeln und schauen, wie es weiter geht....

Falls sich wer die Mühe gemacht hat, das alles zu lesen - Danke! Es tut mir gut zu wissen, dass es da Draussen Menschen gibt, die Anteil nehmen

Lieben Dank auch Dir nochmals, Auferstehung ....für Deine erneute Antwort.

Alles Gute

07.04.2013 10:43 • x 1 #5


Liebe Charybdis,

natürlich lese ich Deine Beiträge weiterhin mit großem Interesse. Ich kann Deine Befindlichkeit nur leider nicht so nachfühlen, weil bei mir wirklich keine externen Faktoren eine Rolle gespielt haben, sondern schlichtweg der Botenstoffwechsel im Gehirn entgleist ist. Ein Professor (der einzige in meiner langen Leidenszeit – ich war fast 2 Jahre schwerkrank –, der die Sache richtig gesehen hat) hat mir schon 2011 gesagt, dass mir eine Psychotherapie zwar nicht schaden könne, aber auch nicht helfen würde. Die einzige Möglichkeit sei, den Hirnstoffwechsel durch ein Medikament, auf das ich ansprechen würde, wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das hat leider auch nicht funktioniert (nicht mal mit Lithium), so dass mir nur die Möglichkeit der Elektrokrampftherapie blieb, die mir dann buchstäblich das Leben gerettet hat.

LG
auferstehung

07.04.2013 17:04 • x 1 #6


Hallo Charybdis,

Ich bin seit 30 Jahren schwerst Alk.. Vor ca 2 Jahren fand ich endlich einen Weg aus diesem Dilemma. Nachdem viele, viele Therapien und Entgiftungen versagt haben. Ich fand den Weg des Zen. Meinen erfolgreichen Weg aus Depression und Sucht. Ich möchte jetzt nicht näher auf das Thema Zen eingehen.

Nur ein paar Worte zu "radikale Akzeptanz".
Das Verständnis der radikalen Akzeptanz basiert auf einem aus dem Zen-Buddhismus inspirierten therapeutischen Ansatz, der dialektisch-behavioralen Therapie.

Radikale Akzeptanz ermöglicht das Erleben und Erfahren dessen, was gerade ist, SO WIE ES IST. Sie entspricht der inneren Haltung "ES IST WIE ES IST". Eine Zweieinhalbtausend Jahre alte buddhistische Weisheit. Sie verdrängt nicht, auch nicht den Schmerz und nicht die Angst. Sie nimmt an, bedingungslos, im Bewusstsein nichts ändern zu wollen. Radikale Akzeptanz ist die Haltung, die uns rettet, wenn wir vor einem Problem stehen, das nicht gelöst werden kann, einer Situation, die unveränderbar ist.

Zitat von Charybdis:
"Radikale Akzeptanz" wird ja gern in Fachkreisen geraten. Auch das ist eine große Lernaufgabe für mich. Wie ich dahin kommen soll ist mir schleierhaft.

Du hast ja bereits begonnen indem du versuchst dir durch Informationen selbst zu helfen.
Vielleicht liest du mal ein bisschen über "buddhistische Psychotherapie". Das wäre ein Weg dahin. Dazu musst du dich aber nicht mit dem Buddhismus auseinander setzen.

Ohne Radikale Akzeptanz würde ich schon lange wieder an der Flasche hängen und würde mich tot saufen. Ich übe mich täglich in Achtsamkeit und Meditation.
Ich habe gelernt und bin mir voll bewusst: Bevor man eine Situation ändern kann, muss man sie akzeptieren. Wenn wir eine negative Situation nicht akzeptieren, sondern uns dagegen auflehnen, werden wir sie niemals verarbeiten können. Alleine das Akzeptieren schafft die Möglichkeit der Lösung für den Konflikt.

Soviel mal für jetzt..............

Liebe Grüße,
Harald


@auferstehung

Zitat von auferstehung:
"Radikale Akzeptanz" – wenn ich das schon immer höre, geht mir das Messer in der Tasche auf.

Nun ja. Der eine denkt so, der andere eben so. Auch dies ist wie es ist.
Mir hat "radikale Akzeptanz" vielleicht das Leben gerettet. So wie dir die Elektrokrampftherapie.

Liebe Grüße,
Harald

08.04.2013 11:20 • x 1 #7


Auch wenn der Begriff Radikale Akzeptanz, wie ich gerade gelernt habe, seine Wurzeln im Buddhismus hat, hätte ich meinen Zustand nie akzeptieren können, denn das war kein Leben mehr, sondern nur noch ein Dahinvegetieren..

LG
auferstehung

08.04.2013 14:21 • x 1 #8


Hallo Auferstehung

Ich hoff, Du hast meine zuvor geschriebenen Worte nicht so aufgefasst, dass ich wegen unterschiedlicher Krankheitslage nicht weiter mit Dir schreiben will. So isses nicht. Wollte nur meine Situation schildern.

Es freut mich sehr für Dich, dass Du einen Weg gefunden hast, der Dein Leiden lindert. Wenn Dein Leben nun durch die besagte Therapieform erleichtert und verbessert wird, dann ist doch schon ein großer Teil erreicht. Sehr schön

Liebe Grüße an Dich von mir :)

10.04.2013 07:24 • #9


Lieber Harald,

Deine Zeilen zu lesen hat mich so sehr und zutiefst gefreut, dass ich selbst erstaunt darüber bin...

Das, was Du vom Zen beschreibst, scheint zu meinem persönlichen Weg zu gehören. Schon viele Jahre gibt es immer wieder Zeichen für mich, die darauf hindeuten. Ich geh jetzt mal in Deinem verlinkten Threat lesen und lass Dir derweil herzliche Grüße da und werd mich sicherlich wieder melden


Noch ein großes Kompliment an Dich, an dieser Stelle. Toll, wie Du mit der Suchterkrankung umgehst

10.04.2013 07:32 • #10


Hallo Charybdis,

bei mir war es ähnlich – ich wollte Dir nur meine Lage umreißen. Es gibt tatsächlich Depressionen, die sich nur mit physikalisch-chemischen Mitteln beheben lassen und bei denen die psychologisch-psychotherapeutische Schiene keinen Nutzen bringt. Ich habe Riesenglück gehabt – nach der langen Leidenszeit, mehreren Aufenthalten in verschiedenen Kliniken und vielen vergeblichen Medikamentenversuchen ist meine Depression nicht nur gelindert, sondern ich bin wieder richtig gesund (daher auch mein Username ) .

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und bald den Durchbruch.

LG
auferstehung

10.04.2013 08:12 • #11


Zitat von auferstehung:
Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und bald den Durchbruch.


Lieben Dank für die guten Wünsche. Kann ich gut gebrauchen
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Hallo Moon :)
Freut mich, dass Du mir schreibst und von Deiner Situation berichtest...

Zitat von Moonlightwoman:
Damit meine ich, es kommt nicht nur aufs Außen an, eher im Gegenteil, obwohl ich derzeit merke, dass bei der Genesung die Außenwahrnehmung eine wesentliche Rolle spielt.

Wichtig für mich ist trotz der Krisen, die da kommen mögen: Ich kann es aushalten, es wird mich nicht umbringen und eigentlich dreht sich die Welt trotzdem weiter. Manchmal kann es auch gut tun, den Fokus nicht auf sich zu legen, der Wechsel ist wie immer die gute Mischung.

An sich selbst glauben und wenn dieses so wie bei mir Schwierigkeiten bereitet auf das hoffentlich wohltuende Umfeld hören. Andere, wohltuende Menschen können sehr hilfreich sein auf dem Weg der Selbstakzeptanz, was ich lange nicht geglaubt habe.

Das ist das, was ich zuletzt gelernt habe, um mit den schwierigen Situationen klarzukommen.


Dieses an sich selbst glauben funktioniert bei mir nicht immer, bin da zerrissen, obwohl ich ein zum Großteil wohlwollendes Umfeld habe und die meisten Menschen durchweg positiv auf mich reagieren. Ich wirke oftmals stärker als ich bin und/oder bin mir der eigenen Stärke nicht bewusst. Die lebenslang antrainierte Maske sitzt, auch wenn ich nie das Gefühl habe oder hatte, zu schauspielern.

Du schreibst, Moon, Du hast gelernt mit der schwierigen Situation klar zu kommen und ich bemerke bei mir, dass ich da noch am Anfang stehe.

Die letzten Tage hatte sich der Druck in mir verflüchtigt, den die jetzige Situation in mir auslöste, grade spüre ich ihn wieder und kenne auch die Ursache. Habe mir für den heutigen Tag zu viel vorgenommen und nun nicht den Antrieb alles zu erledigen. Meine Kinder kommen heut Abend um das Wochenende bei mir zu verbringen, was mich gleichermassen freut und belastet. Wieder mal möchte ich mehr sein, mehr tun, als mir möglich ist...

Wie Du so schön schreibst, Moon. Die Welt dreht sich weiter und ich kann es aushalten...... und ich übe mich weiterhin im Jetzt zu bleiben. In den Momenten wo ich einfach im Augenblick bin, geht es mir derzeit ziemlich gut.

Liebe Grüße, Chary

12.04.2013 15:39 • #12


Hallo, ihr Menschen da Draussen :)

Ich wollte nur kurz erzählen, dass es mir jetzt schon seit einiger Zeit sehr gut geht.

Klar, es gibt auch immer mal dunkle Momente, aber diese können meine durchweg positive Grundstimmung nicht umhauen. Ich freu mich wie Bolle darüber und möchte mit diesem Post Mut und Zuversicht vermitteln.

Von Herzen alles Gute euch

02.06.2013 13:05 • #13


Hallo du Mensch daheim,

ich freue mich immer, wenn auch positive Rückmeldungen kommen. Den einen oder anderen schlechten Tag haben ja alle mal.
Ich wünsche dir weiterhin alles Gute.

02.06.2013 14:30 • #14


Steffi
Hallo Charybdis

das freut mich ganz besonders. Du hast lange genug darauf warten müssen.

02.06.2013 15:45 • #15




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