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Immer wieder fall ich ins Loch

Gromit

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Hallo zusammen,
das ist mein erster Beitrag hier im Forum, ich hab mich gerade angemeldet. Nun, wo fang ich an: ich bin wieder mal am Limit. Soll heißen, dass ich kraftlos bin. Seit Wochen sehr viel Arbeit, extra Aufgaben, denen ich gerecht werden will. Bin seit Wochen phasenweise unkonzentriert, es passieren mir Fehler, die mich dann sehr belasten, weil ich mich deshalb schäme. Hab Angst vor meinen Fehlern. Selbstzweifel begleiten mich schon seit meiner Kindheit, ich glaube, dass ich schon damals depressive Phasen hatte, was jedoch damals nie diagnostiziert wurde.

Zu Hause hatte man zu funktionieren, Gefühle wurden abgetan oder es wurde sich darüber lustig gemacht. So hab ich viel mit mir selbst ausgemacht.
Die Arbeit war für mich immer der Bereich, aus dem ich Anerkennung geschöpft habe. Hab öfter wechseln müssen, weil sich die Firmen aufgelöst hatten oder wegen Umzugs.

Vor 11 Jahren hatte ich schon einmal ein schlimmes Tief, mit Suizidgedanken, war auch kurz stationär aufgenommen worden. Ich war dann ca. 1 Jahr bei einem Psychologen in Behandlung inkl. Tabletten. Es ging dann einige Jahre relativ gut. Vor 2 Jahren musste ich mir wieder eine neue Arbeit suchen. Bin 2x gescheitert, weil ich mich total überfordert hatte. Nun bin ich wieder an so einem Punkt, wo mir alles zu viel wird und ich Angst vor dem Scheitern hab. Ich will funktionieren, aber es fällt mir immer schwerer. Habe einen Partner, wir wohnen aber nicht zusammen. Er ist seit einiger Zeit dauerkrank. Im Sommer stand eine schlimme Diagnose im Raum, die sich zum Glück erstmal nicht bestätigt hat. Das hat mich sehr belastet. Ich denke, dass ich ihn eigentlich mental unterstützen müsste, aber ich brauche soviel Kraft für mich. Mein erwachsener Sohn ist mir eine große Stütze, aber ich will ihn nicht belasten. Meine Herkunftsfamilie ist mir eher eine Last, bin immer in Sorge um meinen Vater, dass ihm hoffentlich nichts passiert. Auch mit dem Gedanken, dass ich das dann auch noch stemmen müsste. Zu meinem Bruder hab ich kaum Kontakt, er ignoriert mich überwiegend, was mich sehr bedrückt und beschäftigt. Einen Freundeskreis habe ich nicht. Ein paar Freunde/Bekannte mit losem Kontakt. Bin meist für mich, diese Zeit brauche ich auch. Heißt aber auch, dass ich wieder viel mit mir ausmache. Ich denke viel über meine Kindheit nach, ja fast schon grübelnd. Seit einiger Zeit kämpfe ich verstärkt mit Wangenbeißen und Haut aufkratzen. Man kann direkt ablesen, wie es mir dann seelisch geht. Zum Hausarzt trau ich mich eigentlich gar nicht, weil ich glaub, dass ich ihn nerve mit meinen Symptomen und die Praxen sind eh überlastet. Ich weiß momentan nicht so richtig wo ich bei mir ansetzen kann. Wie gesagt, Therapie hatte ich ja schon, ich bin es aber auch leid, noch mal alles auf den Tisch zu packen, weil es so vielschichtig bei mir zu sein scheint. Frage mich, ob das jetzt Burnout, Depression, Post-Covid, Schilddrüse, Wechseljahre oder was anderes ist. eine körperliche Krankheit würde ich mir fast schon wünschen, so absurd das klingen mag.
Danke fürs Lesen. Würde mich über Eure Gedanken dazu freuen.

Gromit

08.11.2022 19:46 • x 1 #1


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Alexandra2

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Liebe @Gromit,
Herzlich willkommen.
Ich kann Dich gut verstehen, weil ich auch funktioniert habe, bis zum umfallen. Es ist hart. So klingen Deine Zeilen. Erschöpft und ratlos.

Es ist möglich, seinen eigenen Platz im Leben zu finden und zu behaupten. Dazu brauchte ich die Entscheidung, mich vorrangig um mich zu kümmern und weniger um andere. Wenn man es nicht gelernt hat, kann man sich trotzdem jederzeit dazu entscheiden.
Ich trudelte lange durchs Leben, weil ich nicht gewusst habe, wie ich mich in den Fokus nehmen kann. Meine Bedürfnisse lagen im Dornröschenschlaf, nie hatte sich jemand dafür interessiert. Das hat es mir schwer gemacht, für mein Wohlbefinden zu sorgen. Aber das ist auch erlernbar.
Rückzug, Ruhe. Solange es gut tut, krankmelden. Und ja, ein Facharzt kann oft besser helfen als ein Hausarzt. Wie oft ich die ärztliche Beschwichtigung erlebt habe. Lass Dir von niemanden etwas einreden oder ausreden. Deine innere Stimme zeigt Dir den Weg.
Eine Depression kann einmalig oder schwelend oder chronisch sein. Daher ist eine dezidierte Diagnose und Therapie wichtig. Und länger in Behandlung zu sein ist keine Schande, sondern notwendig. Es geht schließlich um Deine Lebensqualität - jeden Tag.
Hier findest Du Verständnis,
Liebe Grüße Alexandra

08.11.2022 21:13 • x 3 #2


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Mit180gen0

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Liebe Gromit,
herzlich willommen auch von mir.

Was du da schreibst, klingt nicht gut. Und gar nicht gut klingt, dass du da scheinbar alleine durch möchtest. Wobei du dich ja nun hier angemeldet hast, also doch nicht ganz alleine.
Eine Depression ist ja nicht nach ein paar Wochen und einem Jahr Therapie wieder weg. Sie kann einfach schlafen oder wieder kommen.

Der erste Weg ist tatsächlich erstmal der Hausarzt. Oft erfolgt auch eine Blutabnahme, um körperliche Sachen wie die Schilddrüse auszuschließen.

Und auch psychische Probleme sind nicht selten eine Krankheit. Das sollte eigentlich kein Arzt irgendwie abtun oder davon genervt sein.
Versuch es und schau, dass du dich krank schreiben lässt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es unglaublich schwer ist, einen Therapieplatz zu bekommen. Aber je eher du mit der Suche anfängst, desto schneller hast du einen.
Tipp: rufe da abends mal an. Mit Glück läuft der AB mit manchmal ganz interessanten Infos. Z.B. dass die Praxis voll ist. Das ist erstmal blöd, aber dann weißt du das schonmal und musst mit niemandem dort reden.

Vielleicht kannst du ja auch eine Reha beantragen?

08.11.2022 21:50 • x 3 #3

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