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Idealisierung und Abwertung

Suerah

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Wisst ihr eine gute Methode mit der ich mein Schwarz Weiß Denken abschwächen kann? Es ist jedes mal dasselbe. Eigentlich hab ich dieses Denken zwischen den Extremen nicht mehr so ausgeprägt wie früher, mittlerweile gibt es für mich bei vielen Dingen durchaus Grautöne. Allerdings ist es bei Personen dafür umso schlimmer. Es gibt für mich nur gute oder böse Leute und je nach Verhalten der jeweiligen Person switcht das ständig hin und her. Bei der kleinsten Enttäuschung, sei es ein kritischer Kommentar oder längeres Nichtzurückschreiben einer Nachricht oder ähnliches, fühl ich mich sofort verletzt und empfinde Wut, Hass, Trauer und Einsamkeit. Die Person wird dann aufs übelste abgewertet. Da ich unter einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung leide empfinde ich diese Emotionen sehr intensiv sodass ich Heulkrämpfe bekomme, aggressiv werde und gerne mal in den Streit gehe, wobei die Personen bei der Überreaktion die Welt nicht mehr verstehen und es die Situation oftmals nur noch schlimmer macht.
Nachtragend bin ich jedoch nicht. Kommt von dieser Person dann wieder was Positives, eine Entschuldigung oder Erklärung für das vorherige Verhalten oder generell eine nette Geste, sagt dass sie mich gern hat oder macht mir irgendwie ein Kompliment, ist sie wieder in der Schublade 'gut' und ich denk mir, ach sie/er ist doch ein/e gute/r Freund/in und hab sie/ihn dann wieder lieb und ich bin glücklich. Mein Bekanntenkreis ist also einer ständigen Idealisierung und Abwertung ausgesetzt. Das ist nicht nur für mich anstrengend, sondern auch für andere und gefährdet so meine Freundschaften.
Wie kann ich dieses Verhalten und Denken beenden oder zumindest abschwächen sodass ich mich selbst nicht mehr so verletzt fühle und wütend werde?

03.04.2018 08:16 • #1


bernd77

bernd77

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Zitat von Suerah:
Wisst ihr eine gute Methode mit der ich mein Schwarz Weiß Denken abschwächen kann?


Also eine Methode ist mir nicht bekannt aber vielleicht können wir anders vorgehen. Du bist was du denkst. Alles entsteht in dir selbst. Der Schlüssel könnte sein, dass Du dich selbst nicht so wichtig nimmst. Im Grunde geht es nämlich nicht um die anderen sondern um dich im Verhältnis zu den anderen. Wenn Du dich selbst weniger in Frage stellt, suchst du am anderen auch keinen Maßstab und dein Verhalten zu spiegeln.

Vielleicht ist es für dich ein tröstlicher Gedanke, dass Menschen, die dich zurückweisen, mit dir oft überhaupt kein Problem haben. Sie sind nur zu sehr mit sich beschäftigt und haben ebenfalls ihr Päckchen zu tragen.

Desweiteren solltest du deine Ansprüche an Dich selbst zurückschrauben. Du wertest jemand ab, der dich nicht mag? Na und?

So gesehen gibt es nun drei Möglichkeiten:

- Du hinterfragst und reflektierst dich weiter. Nimmst damit aber in Kauf, dass du nie zu einem Ende kommst.
- Du lässt alles wie es ist und baust dein Selbstbewusstsein weiter aus
- Du versuchst es mit Verständnis und Nächstenliebe. Du sagst bewusst "Stop", wenn du abwertest und kommst bewusst nicht in die Spirale.

Ich hoffe das war alles verständlich..Frag ruhig, wenn ich mich irgendwie zu komisch ausgedrückt habe.

04.04.2018 17:14 • x 1 #2


Suerah


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Vielen Dank für deine Antwort.
Ich glaub ich hab ganz gut verstanden was du meinst. Um nicht ständig abzuwerten muss ich verhindern mich verletzt zu fühlen und enttäuscht zu sein. Durch meine Angst vor Ablehnung und meinen Wunsch nach ständiger Aufmerksamkeit und Fürsorge verlange ich wirklich zu viel von den anderen. Ich erwarte dass jeder immer an mich denkt und für mich da ist ohne daran zu denken dass auch andere Probleme zu bewältigen haben oder schlicht und einfach keine Zeit haben wegen Beruf und Familie. Außerdem möchte sicher jeder auch einfach mal seine Ruhe und ein wenig Privatsphäre was jedem eigentlich auch zusteht. Das hat ja alles nichts mit mir zu tun.
Aber obwohl mein Verstand das alles weiß, kann ich das Abwerten und das einsortieren in die Schublade 'böse' nicht verhindern und nimm alles sehr persönlich. Mittlerweile kann ich mich zumindest so zusammen reissen dass ich nicht beleidigt reagiere, diskutiere oder in den Streit gehe. Oftmals hab ich auch den Gedanken diese Freundschaft zu beenden weil ich keinen Sinn mehr drin sehe und nicht mehr verletzt werden möchte. Aber wie gesagt, ich halte mich da schon sehr zurück. Ich weiß ja eigentlich dass derjenige nichts falsch gemacht hat und dass allein mein Denken das Problem ist.
Dass es Leute gibt die mich nicht mögen stört mich nicht. Ich mag schließlich auch nicht jeden und sowas ist völlig normal. Solche Leute werte ich auch nicht ab weil sie mir egal sind. Unschön ist nur wenn jemand den ich gern hab mich nicht mag. Das ist hart aber auch ganz normal. Damit umzugehen muss ich noch lernen.
Du hast Recht damit wenn du sagst dass ich mit einem gesunden Selbstwertgefühl emotional nicht mehr so von anderen abhängig bin. Momentan ist es leider noch so dass ich mich extrem an der Meinung anderer messe. Zeichne ich zum Beispiel ein Bild und jemand sagt dass es ihm nicht gefällt (einfach nur weil es nicht sein Stil ist) bin ich beleidigt und hab das Gefühl nichts zu können. Kritisiert jemand meine Kleidung meine Frisur oder ähnliches fühl ich mich plötzlich furchtbar hässlich und schäme mich so dass ich kaum außer Haus gehen möchte. Dass ein stärkeres Selbstbewusstsein da helfen kann kann ich mir gut vorstellen und ich arbeite auch daran.
Und wenn ich diesen Gedankenstopp anwende und mir immer vor Augen halte dass ein vermeintlich ablehnendes Verhalten nichts mit mir zu tun hat sondern ganz andere Gründe haben kann kann das automatische Abwerten besser werden?
Vielleicht sollte ich aber auch nicht vergessen was meine Freunde schon alles für mich getan haben. Und dass sie meine Launen aushalten und immernoch zu mir stehen ist ja eigentlich eh der beste Beweis dafür wie gern sie mich haben.

05.04.2018 13:18 • #3