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Frühpensioniert wegen Depressionen weiter Probleme

Derkleinekönig

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Bin seit fast 1,5 Jahren früh pensioniert, 58.
Dachte, wenn ich nicht mehr in die Schule muss, wird es besser werden.
Aber es ist schwierig, wenn man 30 Jahre mit Schule zu tun hatte.
Und alles in allem war ich ja gerne Sonderschullehrer.
Jetzt Hausmann, Engagement in der Kirche, Hospizgruppe, grüne Damen und Herren.
Bin nach wie vor unruhig, nicht ausgeglichen. Nervös. Kleinigkeiten bringen mich aus der Fassung.
Nehme z. Zt. keine Antidepressiva. Habe schon viele durch. Wirken nicht oder nicht mehr oder zu starke Nebenwirkungen.

Wer kennt Ähnliches?

17.11.2018 23:49 • #1


Pilsum

Pilsum

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Hallo "Derkleinekönig",

willkommen hier im Forum.
Zitat:
Dachte, wenn ich nicht mehr in die Schule muss, wird es besser werden.


Viele Menschen denken irrtümlicherweise, dass ihre Tätigkeit ein Hauptgrund für persönliche Probleme ist.
Häufig sind es jedoch andere Gründe.
Zitat:
Jetzt Hausmann, Engagement in der Kirche, Hospizgruppe, grüne Damen und Herren.
Bin nach wie vor unruhig, nicht ausgeglichen. Nervös.


Wunderbar, wenn Du Dich persönlich sozial engagierst?
Was fehlt Dir denn? Suchst Du persönliche Anerkennung?
Lebst Du allein?

Oder hast Du irgendeine Idee, warum Du Dich nicht so richtig wohl fühlst?

Viele Grüße

Bernhard

18.11.2018 23:37 • x 1 #2


Derkleinekönig


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Hallo Bernhard,
vielen Dank für die Antwort.

Ich war letztes Jahr lange in einem psychiatrischen Krankenhaus und habe mit Therapeuten und Ärzten überlegt, was die Ursachen für meine Depressionen sind und was man ändern kann.
Daher dann das Ergebnis, dass es hauptsächlich die Schule ist.
Ich war gerne Lehrer, aber die letzten Jahre ist es mir immer schwerer gefallen.

Ich bin verheiratet, lebe mit meiner Frau und meiner Tochter, 18, zusammen. Mein Sohn, 19, ist schon ausgezogen, studiert.

Ich habe mir nach der Pensionierung neue Aufgaben gesucht, war aber auch vorher schon immer sozial engagiert. Das ist mir sehr wichtig.

Ich weiß nicht, warum ich jetzt nicht zufrieden mit meinem neuen Leben sein kann. Habe auch schon eine lange Therapie gemacht, direkt im Anschluss an die Krankenhaus Zeit. Hat mir einiges bewusster gemacht, aber meine aktuellen Probleme nicht gelöst.

Was machst Du?
Hast Du ähnliche Probleme oder hast Du beruflich damit zu tun?
Herzliche Grüße!

19.11.2018 07:10 • #3


Pilsum

Pilsum

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Hallo "Derkleinekönig",
Zitat:
Ich war letztes Jahr lange in einem psychiatrischen Krankenhaus und habe mit Therapeuten und Ärzten überlegt,
was die Ursachen für meine Depressionen sind und was man ändern kann.
Daher dann das Ergebnis, dass es hauptsächlich die Schule ist.


Es kann schon sein, dass Dich die Schule viel Kraft gekostet hat. Vielleicht hat sie einen nennenswerten Anteil
an Deinen Depressionen.
Nur offensichtlich liegt da noch etwas Wichtiges tiefer in Deiner Gedankenwelt.
Zitat:
Ich war gerne Lehrer, aber die letzten Jahre ist es mir immer schwerer gefallen.


Warum ist Dir das immer schwerer gefallen. Hast Du zu viel Gefühl in die Situation der
einzelnen Schüler gelegt? Wie konntest Du als Sonderschullehrer aus Deiner sicherlich sehr
belastenden Tätigkeit Anerkennung ziehen?
Lebst und denkst Du zu idealistisch?

Zitat:
Ich habe mir nach der Pensionierung neue Aufgaben gesucht, war aber auch vorher schon immer sozial engagiert.
Das ist mir sehr wichtig.

Was machst Du?
Hast Du ähnliche Probleme oder hast Du beruflich damit zu tun?


Ich finde es wunderbar, wenn Du Dich sehr stark sozial engagierst. Hier scheinen wir uns sehr ähnlich zu sein.
Ich bin Rentner und habe mich mein halbes Leben immer sozial engagiert. Ebenfalls so lang habe ich mich
privat mit psychischen Fragen und dem Thema "Ängste" beschäftigt.
Dabei bin ich auf viele wichtige Zusammenhänge gestoßen.

Ein wichtiges Thema für alle, die sich sozial engagieren ist, sehr viel für die eigene seelische Stärke zu tun.
Du kannst niemanden aus dem Sumpf ziehen, wenn Du selbst nicht auf sehr festem Grund stehst.
Ist Dir das bewusst und hast Du den Eindruck, auf festem Grund zu stehen?

Trägt Deine Familie Deine soziale Einstellung mit?

Zitat:
Ich weiß nicht, warum ich jetzt nicht zufrieden mit meinem neuen Leben sein kann.


Nun, vermutlich, weil Du jetzt kein anderes Leben als vorher führst.
Oft ist es die Weltanschauung, die zu inneren Problemen führt.

Helfen ist häufig eine sehr unbefriedigende Sache.
Menschen nehmen, bedanken sich und ziehen weiter dorthin, wo sie weitere Hilfe erwarten.
Sich immer und überall Hilfe zu holen kann auch eine Lebenseinstellung eines Menschen werden.
Helfer sollten sich deshalb vor diesen Verhaltensweisen schützen lernen.

Woraus holst Du im Alltag Deine persönliche Zufriedenheit?
Wer hilft Dir? Kannst Du auch Hilfe und Zuneigung annehmen?
Kennst Du für Dich so etwas wie einen gesunden Egoismus?


Viele Grüße

Bernhard

19.11.2018 09:57 • x 1 #4


Derkleinekönig


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Hallo Bernhard,
ganz herzlichen Dank für die schnelle Antwort, es tut mir sehr gut, Verständnis zu spüren!

Zum besseren Verständnis muss ich noch ergänzen, dass ich seit einigen Jahren mit Depressionen zu tun habe, seit letztem Jahr aber zusätzlich eine Angstproblematik entwickelt habe. Ich glaube, dass dies zumindest teilweise mit der Schule zusammen hängt. Ich habe die letzten Jahre mit schwierigen Schülern im Alter von 13-18 zusammen gearbeitet, die nicht einfach zu handeln sind bzw. waren...
Im Klassenteam habe ich dafür nur wenig Verständnis gespürt. Also, die Anerkennung hat sicher besonders in der letzten Zeit gefehlt.

Es ist mir klar, dass man eigentlich nur anderen helfen kann, wenn es einem selbst gut geht.
Anders: man kann nicht andere lieben, wenn man sich selbst nicht liebt.
Das macht mir schon lange Sorgen und ich versuche daran zu arbeiten, bisher leider noch nicht besonders erfolgreich.

Liebe Grüße

19.11.2018 10:27 • x 1 #5


Riu13

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Hallo, schön,dass du dich hier angemeldet hast und nach Lösungen suchst. Ich möchte dir erst einmal sagen,dass ich den gleichen Beruf in der gleichen Altersgruppe habe, auch in den 50 igern bin aber noch arbeite.
Die Depressionen begleiten mich seit längerer Zeit, ich nehme Medikamente und versuche selbständig verschiedene Wege zu suchen, damit umzugehen.
Beruflich weiss ich also ,wovon Du sprichst. Ich denke, die Dauer der Tätigkeit spielt auch eine große Rolle, mit 30 konnte man mit den Herausforderungen noch besser umgehen. Mit der Zeit sammeln sich aber Erfahrungen und Situationen an, die gemeinsam mit anderen Dingen zu einem Überlastungspegel führen.
Ersteinmal finde ich es gut, dass du aus der beruflichen Situation raus bist. Jetzt liegt es an dir, alles aufzuarbeiten und Stück für Stück Lösungen zu finden. Dies wird sicher ein längerer Prozess sein und du musst dir Zeit geben. Durch dein Engagement gelingt es dir,dich prima abzulenken und Leere zu füllen.
Vielleicht benötigst du Raum und Zeit,um dich selbst zu finden und dich wieder auf dich alleine einzulassen...
Liebe Grüße Riu

19.11.2018 17:41 • x 2 #6




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