Depressionen verändern mein Leben / Persönlichkeit

vieinfinie

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Hallo ihr lieben, da ich neu hier bin, wollte ich euch meine Story gerne mal erzählen. Mir tut es gut, Sachen von der Seele zu schreiben. Ich erzähl euch erstmal eine kleine Einführung, gerne berichte ich die Tage immer weiter, wenn ich Zeit finde. Siehst du diesen Löwen? Er ist eines der mächtigsten Tiere in diesem Universum, und doch wird er immer wieder in einem Käfig gehalten. Er könnte ohne Probleme alle Leute, welche sich ihm nähern töten oder verletzen. Aber er tut es nicht. Warum nicht? Er lässt sich von Menschen fertig machen, von allen möglichen. Fast so fühl ich mich. Ich bin 19 Jahre alt und leide an Depressionen. Oft fühle ich mich wie in einem Käfig aus Gold. Ich kann alles machen und doch nichts. Diesen Blog hier habe ich erstellt um mir ab und an meine Sorgen von der Seele zu schreiben und alles loszuwerden, wofür sonst (fast) keiner in der Gesellschaft Verständnis hat. Ich habe oft Blogs über Depressionen oder ähnliches gelesen um mir eventuell dadurch Hilfe zu holen, dadurch das ich mir denke anderen geht es genauso wie mir. Doch irgendwie lebt jeder in seiner eigenen kleinen Welt, durch die er mit einem Tunnelblick geht, keine anderen Menschen hinein lässt, mit sich selber nicht mehr fertig wird und am Ende im schlimmsten Gefühlsloch landet. Zumindest so oder so ähnlich. In meinen ersten Beiträgen werde ich vorerst über meine Vergangenheit berichten, über das was passiert ist, darüber wie ich in diese ganze Sache reingerutscht bin. Ich hoffe auch, ich kann den ein oder anderen Menschen erreichen hiermit. Und selbst wenn nicht: es hilft mir und ich will aus diesem Käfig ausbrechen!

Alles fing an als ich 12 war. Nein, schon viel früher, nur da konnte ich das ganze nochnicht realisieren. Mein Papa trinkt Alk., viel Alk.. Es kam daheim öfter zu Streiterein, wegen Alk., aufgrund allem möglichen. Der Tagesablauf war immer gleich, ich kam aus der Schule, Mama war daheim. Ich ging in mein Zimmer und hab da den Nachmittag verbracht, oder außen mit Freunden. Für Unbeteiligte eine ganz normale unbeschwerte Kindheit. So sah das ganze glaube ich auch aus. Nur wollte ich niemanden mit nachhause bringen, ich habe mich geschämt.

Abends, als Papa aus der Arbeit kam gab es Abendessen. Da er immer ziemlich Alk. Auto gefahren ist, hat der ganze Stress schon angefangen, sobald er die Haustür überschritt. Mama meckerte ihn an, warum er so viel trinkt, dass er verantwortungslos ist, mir gegenüber, anderen Menschen gegenüber. So saßen wir dann Abend für Abend am Küchentisch beim Essen und haben uns angeschwiegen. Als kurzer Hinweis: ich bin Einzelkind. Während dem Essen ist Papa mehrmals der Kopf weggesackt, nicht grade das er gleich überm Essen einschläft. Danach hat er sich ins Wohnzimmer gelegt, Mama hat aufgeräumt und er hat geschlafen oder weiter getrunken, kam jeweils darauf an was er schon intus hatte. Manchmal ist die Situation auch so eskaliert, dass es gar keine Ruhe mehr gab, bis einer ins Bett ist. Ich war immer zwischen den Fronten. Auf der einen Seite hab ich mich immer besser mit meinem Papa verstanden, auf der anderen Seite war Mama im Recht. Da ich das ganze erst wirklich mit 12 realisiert hatte, wusste ich nicht wie lange vorher das schon so ging. Mittlerweile weiß ich dass es sehr lange so ging. Bei uns war das immer so, wir verlassen das Haus und es ist wieder alles gut, Happy Family. Ich erinner mich nicht an alles aus dieser Zeit, dazu war ich zu jung, aber an ein einschlagendes Erlebnis kann ich mich zu gut erinnern. Es war ein Geburtstag von einem Bekannten meiner Eltern. Wir gingen also, alle wieder Happy Family, auf diesen Geburtstag. Die Zeit verging für mich wie im Fluge, schließlich hatten die Bekannten auch eine Tochter mit der ich mich sehr gut verstand. Richtung Ende der Feier, als sich die Bänke und Tische geleert hatten, saß mein Papa noch da. Zusammen mit der Patentochter der Bekannten. Er hatte sein xtes B. auf dem Tisch. Ich ging hin und schaute ihn an, völlig betrunken war er, völlig am Ende, und sagte “Papa, hör auf zu trinken”. Ich höre diese Worte heute noch in meinem Kopf, wie ich als kleines Mädchen da stand mit Tränen in den Augen und meinen Papa bat, aufzuhören zu trinken. Ehrlich gesagt weiß ich nichtmehr ob er auch was geantwortet, ich weiß nur das die Patentochter meinte “Du verstehst das nochnicht, du bist noch zu jung, lass doch deinen Papa auch mal trinken, einmal im Jahr ist das ok.”. Das einzigste was ich denken konnte war, einmal im Jahr? Einmal im *beep* Jahr? Nein, jeden Tag. Natürlich habe ich meine Klappe gehalten, ich lebe schließlich in einer nach außen aussehenden glücklichen Familie und Sie konnte es nicht wissen. Aber in so einer Situation treffen diese Worte dich tief, wie ein Messer, welches dich von hinten durchdringt. Nach dieser Situation konnte ich nichtmehr normal zu Papa sein, jedes Wort das er sagte, nahm ich ihm übel.

Ein paar Wochen später hatten ich einen Nervenzusammenbruch, bedingt durch den ganzen Stress. Meine Mama zog den Entschluss, sich von Papa zu trennen, damit Ruhe einkehrte. Kurze Zeit später hatte Papa eine neue Wohnung gefunden und zog aus. Und ich dachte jetzt wird alles besser, alles wird besser und normal. Doch falsch gedacht, nichts wurde dadurch besser. Es wurde schlimmer.

Fortsetzung folgt...

29.06.2015 00:05 • #1


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achtsamkeit

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Hallo vieinfinie.

habe deine Schilderung gelesen und kann mir gut vorstellen, dass du schon vor deinem 12.ten Geburtstag vieles was zwischen deinen Eltern ablief, wahrgenommen hast, wenn auch nicht verstanden. Dennoch sitzen diese Erlebnisse unbewusst in deinem Inneren, werdem vielleicht eines Tages, zum Vorschein kommen.
Was du tagtäglich ab deinem 12.ten Lebensjahr ertragen musstest, ist schlimm. Immer mit der Angst zu leben, immer auf Halbachtstellung zu sein...
Vielleicht ging hier dein vertrauen in die Erwachsenen und überhaupt in andere Menschen verloren.
Es ist gut, dass dir das Schreiben hier Erleichterung verschafft.
Bist du eigentlich in Therapie?
Ach ja und wieso goldener Käfig?

LG Achtsamkeit

29.06.2015 12:22 • #2



Hallo vieinfinie,

Depressionen verändern mein Leben / Persönlichkeit

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vieinfinie

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Hallo achtsamkeit,

vielen Dank für deine netten Worte.

Ich habe schon 2x eine Therapie begonnen, jedoch immer wieder abgebrochen, da ich mich da doch nicht wohl gefühlt habe. Seitdem hatte ich es erstmal aufgegeben, da ich dachte, ich habe durch meinen damals neuen Freund ein Hoch erreicht. Leider hielt das ganze nicht lange an, denn die Realität holt einen früher oder später leider doch irgendwann ein.
Derzeit bin ich auf der Suche nach einem / einer Psychotherapeuten/in. Das ganze gestaltet sich wirklich schwierig. Die meisten sind bis zu 1 1/2 Jahre im voraus ausgebucht. Vorallem bin ich so ein Mensch, der durch die ganzen Erlebnisse sehr schwer vertrauen fasst, da muss ich auch erstmal den richtigen finden... Am liebsten würde ich derzeit einfach mal ein paar Wochen weg, Abstand von dem ganzen und Hilfe, wie ich mit allem Umgehen soll bzw. mich am besten damit arrangiere.

Käfig aus Gold - irgendwie passt das ganz gut zu mir. Meiner Familie geht es finanziell ziemlich gut. Ich habe (wenn man es von außen betrachtet), so ziemlich alles was man sich wünscht. Leider macht das alleine ganz und garnicht glücklich. Ich fühl mich wie in einem Käfig - Gefangen in meinen eigenen Gedanken, meinem Körper. Und Gold - da ich gefangen bin in einem Luxus Käfig... Falls man das so nennen kann...

Ganz liebe Grüße
vieinfinie

29.06.2015 22:37 • #3


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achtsamkeit

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Hallo,

okay jetzt verstehe ich das mit dem goldenen Käfig. Im Grunde bist du emotional vernachlässigt worden.
Schade, dass du bisher kein vertrauen zu deinen Therapeutin aufbauen konntest.
Du bist aber doch sicher in ärztlicher Behandlung wegen den Medis. Wäre es nicht möglich für dich in eine psychosomatische Klinik zu gehen um dort einmal Abstand von allem zu bekommen?
Ich habe Glück, dass ich die für mich beste Therapeutin der Welt hane und einen wirklich einfühlsamen Psychiater für die Medis.
Spreche nochmal mit deinem Arzt. Du brauchst wirklich professionelle Unterstützung.
Es ist nicht einfach sich einem Therapeuten zu öffnen, aber es hilft auch wenn es viele schmerzhafte Momente gibt.

LG Achtsamkeit

Könnte mir bei dir auch EMDR vorstellen.

30.06.2015 09:33 • #4


vieinfinie

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Hallo,

ja, sozusagen. Leider zieht sich das durch mein ganzes Leben.Zumindest hab ich dieses Gefühl.
Wegen der Medikamente bin ich in ärztlicher Behandlung, jedoch mehr schlecht als recht. Ich möchte meine Ausbildung nicht gefährden, dass ist mein einziger Strohhalm.
Das freut mich für dich! Ich hoffe das finde ich auch bald. Wäre zumindest schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Vllt. kann ich mich dann endlich öffnen.
Was ist EMDR genau? Hatte mir grade versucht informationen aus dem Internet zu suchen, jedoch komm ich da nicht weiter. Sieht etwas aus wie Hypnose.

Liebe Grüße

01.07.2015 01:02 • #5


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Steffi

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Hallo vieinfinie,

wir haben auf dem Portalblock rechts unten einige Links, darunter auch einen über EMDR-Therapiesuche.
Das Video auf dieser EMDR-Seite gibt Dir Auskunft über die Art der Therapie.
http://www.emdria.de/emdr/emdr-video/

01.07.2015 11:10 • #6

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