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Burnout und was tun?

Gesundender

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Hallo,

ich habe mich angemeldet, da ich glaube, an Erschöpfung (Burnout) zu leiden.

Ich habe in den letzten Jahren beruflich gefühlt alles gegeben, immer neue Aufgaben, immer mehr und Kollegen, die nicht weiter wussten, was dazu geführt hat, dass die Lösung und Umsetzung an mir lag.

Wenn ich zu Arbeit fuhr, 50 km, musste ich manchen Tag Pausen machen, um das Unfallrisiko zu reduzieren. Abends auf dem Weg zum Wagen war ich froh, wenn ich die 400 Meter geschafft hatte, um losfahren zu können. Ich weiß, dass das sicher nicht optimal war, aber ich musste ja zur Arbeit, um Geld zu verdienen.

Das ist jetzt erstmal vorbei, da ich nun sechs Monate Elternzeit habe.

Meine Symptome sind wie folgt:
- Sodbrennen seit neun Monaten, lange nicht erkannt. Ich war bei mehreren Kardiologen, da sich das sog. Sodbrennen als massiver Druck auf der Brust bemerkbar machte. Von Sodbrennen wurde erst im Januar seitens der Ärzteschaft gesprochen und mit PPI über zwei Monate behandelt.
- Die Kardiologen haben Entwarnung gegeben, kein Befund.
- Magenspiegelung: starker Galle-Reflux. Mir kommt also sprichwörtlich die Galle hoch.
- Tinnitus auf beiden Ohren; möglicherweise durch PPI, die ich kaum noch nehme, was das Sodbrennen aber fast jeden Tag aufflammen lässt.
- Schwächegefühl. Ich bin froh, wenn ich nach dem morgendlichen Duschen wieder liege. Manchmal glaube ich umzufallen, was aber noch nicht passiert ist.
- unglaublich große Müdigkeit. Ich kann in den letzten Nächten schlafen, aber ich bleibe unverändert müde.
- Kopfschmerzen, nicht stark, aber nervig
- Laborwerte (Standard) alle soweit unauffällig. Der Hausarzt sagt, ich sei gesund. So möchte sich aber kein Gesunder fühlen, glaubt mir.
- Brennen der Haut im Gesicht

Meine Frage ist: Die, die wissen wie sich Burnout anfühlt, ist das möglicherweise Burnout?

Ich habe ab kommender Woche eine psychotherapeutische Begleitung.

Vielen Dank, bleibt oder werdet gesund!

02.04.2020 17:30 • x 1 #1


laluna74

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Zitat von Gesundender:
Meine Frage ist: Die, die wissen wie sich Burnout anfühlt, ist das möglicherweise Burnout?


Ist nur eine Frage der Formulierung. Man könnte auch genau so sagen, es ist eine Depression.

Ich kann dir aber sagen, dass psychosomatische Erkrankungen immer darauf hindeuten, dass etwas aus dem seelischen Gleichgewicht geraten ist, was es zu ergründen gibt. Das gilt es dann zu bearbeiten, möglicherweise mit Unterstützung einer Psychotherapie, die ich dir empfehlen würde.

WER AUF SEINE SEELE NICHT HÖRT, DA MELDET SICH DER KÖRPER



Gruß
laluna

02.04.2020 17:56 • x 1 #2


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Eis

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Hallo @Gesundender

Eine Ferndiagnose hier über das Forum geht leider nicht. Du weißt selbst, dass das ein Burnout bzw. eine Depression sein kann. Es ist gut, dass du dir eine Psychotherapie gesucht hast, der Therapeut kann dir das am ehesten beantworten. Ich würde mir noch einen Termin beim Psychiater besorgen und das endgültig abklären lassen.

Alles Gute
Eis

03.04.2020 09:27 • x 3 #3


Gesundender

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Hallo,

@Eis Das ist sicher eine gute Idee. Ich war sogar schon bei einer Psychiaterin Allerdings als Notfalltermin (worüber ich grundsätzlich sehr froh bin, dass es sowas überhaupt gibt), sodass ich nach weniger als fünf Minuten wieder draußen war, mit dem Ratschlag einfach mal vier Wochen abzuwarten. Ich solle dann aber wiederkommen, sollte es keine Besserung geben. Auf der einen Seite ist das nicht viel, aber auf der anderen Seite nehme ich mit, dass Hoffnung auf Besserung nicht unbegründet scheint und ehrlich gesagt will ich auch keine Medikamente nehmen. Soweit ich mich eingelesen habe, sind z.B. Antidepressiva in vielen Fällen die einzige Option der Ärzte, aber eben nicht in jedem Falle nachweislich hilfreich, vielleicht sogar schädlich. Also warte ich ab und würde mich Ende April ggf. dort wieder melden.

Ich setze auch daher eher auf psychotherapeutische Begleitung und habe auch einen Termin bei einer Heilpraktikerin ergattern können (Corona, eigentlich keine neuen Patienten). Vielleicht kann letztere auch etwas gegen die Übersäuerung beitragen.

Alles Gute!

03.04.2020 10:44 • x 1 #4


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Eis

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Hallo Gesundender

Kein Arzt zwingt dich zu Medikamenten. Ich habe auch anfangs gesagt, dass ich keine Antidepressiva nehmen möchte. Man darf nur den Zeitpunkt nicht verpassen, wann es sinnvoll ist, etwas zu nehmen.

VG Eis

03.04.2020 12:55 • x 2 #5


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kate4455

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Hallo Gesundender,
hallo und herzlich willkommen hier im Forum und mutig und schön, dass du deine Geschichte mit uns teilst.
Ich hatte 2x Burnouts - begleitend mit einer depressiven Phase und war auch einfach total müde und erschöpft. Bin kaum aus dem Bett gekommen als ich endlich nicht mehr arbeiten musste und habe einfach nur noch geschlafen, geschlafen, geschlafen. Außerdem hatte ich blöde Panikattacken, die einfach aus dem Nichts kamen, manchmal tagsüber, vorzugsweise aber nachts im Tiefschlaf oder beim Einschlafen. Ich hatte immer das Gefühl, sofort zu ersticken! Außerdem hatte ich Herzrhythmusstörungen - die auch psychischer Natur waren.
Ich finde es ganz toll, dass du dich schon um Therapeuten und Heilpraktiker gekümmert hast -das ist der erste Schritt in die richtige Richtung.
Leider kenne ich mich mit den Regelungen zwecks Erziehungsgeld und Zeiten nicht mehr aus, da mein Sohn noch Baby war, als es die alten Regelungen galt. Ich würde mich aber an deiner Stelle mal schlau machen, ob es nicht sinnvoller wäre, dich Arbeitsunfähigkeit schreiben zu lassen, wenn es dir nicht gut geht? Möglicherweise schiebt sich dann die Erziehungszeit vielleicht nach hinten?
Ich habe damals den Fehler gemacht und mit der Krankschreibung viel zu lange gewartet. War erstmal einige Monate ALG1 und habe dadurch wertvolle Zeit und Geld verschenkt. Gottseidank bin ich innerhalb eines Jahres raus aus dem Burnout gekommen und konnte wieder arbeiten gehen, sonst hätte ich sicherlich einen finanziellen Nachteil gehabt.

Insgesamt deutet sehr viel darauf hin, dass du unter einer Erschöpfungsdepression leidest und dir in den letzten Monaten und vielleicht Jahren zuviel zugemutet hast. Nimm dir bitte gaaaanz viel Zeit für dich und deine Erholung, das ist aus meiner eigenen Erfahrung gaaaaanz wichtig.

Wie geht es dir in der Elternzeit? Tut dir die Zeit mit deiner Familie gut? Kannst du dich erholen? Oder stresst dich der Babyalltag?

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen und freue mich über deine Erfahrungen.
Herzliche Grüße aus Oberfranken

06.04.2020 16:35 • #6


Gesundender

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Hallo,

vielen Dank für den Vorschlag, die Elternzeit zu verschieben und stattdessen Arbeitsunfähigkeit geltend zu machen. Leider ist das in meinem Fall nicht einfach. Ich arbeite nicht in Deutschland und müsste dann zum Amtsarzt ("einfacher Arzt" reicht nicht) eines Nachbarlandes, wo Burnout nicht als Krankheit gilt (die Mediziner finden ja nichts, Herz, Lunge etc., alles ok). Es wäre ein Kampf durch Institutionen und am Ende verliert man sehr wahrscheinlich. Daher gilt Elternzeit als "Rettung". Es mag auch nicht immer in Deutschland einfach sein, aber es geht immer irgendwo noch schwieriger

Momentan ist die Elternzeit zwar auch nicht durchgängig die Ruhe, die ich mir wünschen würde, aber meine Kinder sind keine Babys mehr. Daher läßt es sich vereinbaren. Meine Frau unterstützt mich sehr.

Derzeit kann ich aufgrund des Tinnitus und der leichte Kopfschmerzen schlecht einschlafen. Auch kommen mir dann Gedanken wie "Ist es ein Hirntumor?" Was ich aber checken lassen werde ist CMD, da ich immer mal wieder Probleme mit den Kiefergelenken hatte.

Ansonsten freue ich mich über das gute Wetter und schaue, dass ich jeden Tag wenigstens eine kurze Runde im Wald bin. So 20 bis 30 Minuten schaffe ich bevor die Kräfte mich verlassen. Es tut mir auch gut, wenig Zeit am Computer zu verbringen, das hatte ich bei der Arbeit gute 10 bis 12 Stunden zwischen Montag bis Freitag, am sog. Wochenende weniger Aber das ist ja nun vorbei

Liebe Grüße und allen Freude und Gesundheit!

13.04.2020 14:10 • x 1 #7

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