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Bin ich schuld an meiner Depression?

Hoffnung21

Hoffnung21

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Hallo ihr Lieben,

Mir geistert immer mal wieder ein Thema durch den Kopf und ich würde gern eure Meinung dazu hören.

Ich weiß ja nun, dass mein Perfektionismus, mein Ehrgeiz, mein Leistungsstreben, mein Harmoniebedürfnis, mein Pflichtbewusstsein usw. im Endeffekt die Ursache für das burnout/die Depression sind. Aber das führt doch unweigerlich zu der Aussage, dass ich selbst, bzw. mein Verhalten schuld ist an meiner Erkrankung. Ich versuche schon immer, mir zu sagen, dass das Quatsch ist, und dass es unnötig ist hier von Schuld zu sprechen, aber so ein kleines Männchen flüstert mir immer wieder mal genau das ins Ohr.
Geht es euch auch so, und wie geht ihr damit um?

LG
Eis

30.05.2019 12:25 • x 4 #1


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Ylvi13

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Hallo Eis,
so, wie du dich beschreibst, trifft das 1:1 auch auf mich zu.
Die Schuldfrage hat sich mir so nicht gestellt. Ich habe sicherlich Fehler gemacht, war in der falschen Richtung unterwegs, habe die Signale meines Körpers und meiner Seele ignoriert, zugegeben wissentlich, bin, als ich an meine Grenzen gekommen bin, munter weitermaschiert. Dann wurde urplötzlich die Notbremse gezogen, rums. Gut, es hätte nicht so dicke kommen müssen, aber wer weiss, ob ich dann verstanden hätte.
Ich war ich - dann habe dazu gelernt , die Sichtweise hier und da geändert - ich bin immernoch ich, ein bisschen anders.
Schuld sehe ich nicht, es war nicht meine Absicht, mir zu schaden.
Vielleicht musst du diesem Männchen nochmal ein Gespräch anbieten
Liebe Grüsse

30.05.2019 13:05 • x 4 #2



Hallo hoffnung21,

Bin ich schuld an meiner Depression?

x 3#3


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Jedi

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Hallo Eis !
solche gedanken sind mir nicht unbekannt.
Zitat von Eis:
Ich weiß ja nun, dass mein Perfektionismus, mein Ehrgeiz, mein Leistungsstreben, mein Harmoniebedürfnis, mein Pflichtbewusstsein usw. im Endeffekt die Ursache für das burnout/die Depression sind.

frage dich doch zuallerst einmal, was sind die gründe dafür, warum ich Perfektionismus, Ehrgeiz, Leistungsstreben, Harmoniebedürftigkeit u. Pflichtbewusstsein sich in mir so stark entwickeln konnten ?
Zitat von Eis:
aber so ein kleines Männchen flüstert mir immer wieder mal genau das ins Ohr.

Warum gebe ich meinem kleinen Troll so viel macht über mein Denken ?
Wer sind diese kleinen männchen, evtl. der innere kritiker/richter, der innere antreiber, der innere katastrophen-manager ?
Zitat von Eis:
mein Verhalten schuld ist an meiner Erkrankung.

dein verhalten weniger, aber begünstigt wird es, durch unsere prägungen, erfahrungen die wir gemacht haben, unsere glaubenssätze u. unsere konditionierung.
wenn du da einmal genauer hinschaust, was du gelernt u. in deinem unterbewusstsein abgespeichert hast, dann wirst du deinen unwahren gedanken ihren wahrheitsgehalt nehmen können.
bei den inneren Anteilen (innere kritiker) werde zum beobachter seiner geschichten u. verurteilenden aussagen.
das mögen der innere kritiker, richter usw. nicht u. ihre stimmen werden leiser.
dies muss man regelmäßig üben, dann kann man es schaffen, wieder der Chef über unseren verstand zu werden.

LG Jedi

30.05.2019 13:17 • x 4 #3


Resi

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Zitat von Eis:
unweigerlich zu der Aussage, dass ich selbst, bzw. mein Verhalten schuld ist an meiner Erkrankung.

Liebe Eis,
Jein.

Ich mag das Wort "Schuld" nicht, weil Schuld impliziert, daß wir es uns wider besseren Wissens zugefügt haben.
Aber ich sage gern, daß ich mitverantwortlich bin, weil ich dadurch aus meiner Opferhaltung gekommen bin und ganz aktiv zu meiner Genesung beitragen kann.

Wir sind nicht "pflichtbewußt", weil wir nicht nur unsere Pflicht tun, sondern weit darüber hinaausschießen. Wir sind mehr als "Perfektionisten", weil perfekt=100 % ist, wir aber 150 % bis 200 % geben.
Wir sind harmoniesüchtig weil wir Dissonanzen nicht aushalten, weil wir so bedürftig sind, geliebt zu werden.

Wir sind krank, und ich glaube, ähnlich wie bei Suchtkranken, müssen wir immer auf der Hut sein, immer genau hingucken- das können WIR tun, niemand anders als wir, insofern sind wir auch mitverantwortlich für unsere Stabilität.
Doch das ist auch eine Chance für ein sehr bewußtes Leben, wir dürfen aktiv daran mitwirken.

Aber wir müssen uns keine Schuld geben, daß ist völlig unangebrachte Kritik von unserem besserwisserischen, unempathischen Über-Ich.

30.05.2019 14:37 • x 8 #4


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maya60

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Liebe Eis, das kleine Mädchen, das dir das ins Ohr flüstert, hat das vielleicht selber dauernd vorgesagt bekommen als Kind? Oder vorgelebt bekommen?
Und dann müssen es nicht immer "Fehler" sein. Manchmall ist es auch so, dass es in einem Jahrzehnt genau das Richtige war mit Perfektionismus und Harmoniestreben, in dem danach aber nicht. Solange es z.B. einen klassischen Bildungskanon gab, der lange galt, war es gut, den zu kennen, heute ist es viel wichtiger bei dem grenzenlosen sich ständig ändernden Wissen, zu wissen, wo man die Infos findet.

Und dann ist Schuldgefühl auch noch ein Symptom der Depression. Ich habe es einmal erlebt, dass ich durch einen Trigger in depressive Stimmung verfiel und plötzlich waren Schuldgefühle, Angst und Selbstzweifel da, die vorher überhaupt nicht da waren, völlig situationsunabhängig.

30.05.2019 16:39 • x 3 #5


Frederick1

liebe Eis,

allein schuldig bin ich nicht an meiner Depression, aber ganz unschuldig auch nicht, so würde ich es mir erklären. Es gibt keinen Menschen, der noch nie Fehler gemacht hat in seinem Leben. Weil ich als Mensch einfach nicht vollkommen bin.

Meine Eltern haben in meiner Erziehung, meinem Leben Fehler gemacht, Freunde und Bekannte die das nicht gemerkt haben, oder nicht merken wollten. Menschen denen ich egal war und heute immer noch bin usw.Und ich selbst, der ich ab einem bestimmten Alter besser hätte mit mir umgehen sollen, habe auch einige Fehler mit mir selbst gemacht.

Manchmal träume.ich davon, wie es wäre, wenn ich selbst nicht mehr so rasch über andere Menschen urteilte, wenn Menschen nicht mehr so schnell über mich urteilen würden, wenn wir uns gegenseitig nicht mehr so schnell beurteilen, wenn wir uns mehr als bisher sein ließen. Ich träume davon, das wir uns schon auf unsere Störungen aufmerksam machen, um einander zu helfen, uns aber trotzdem uns wo wenig wie möglich verletzen. Und wenn wir selbst verletzt wurden, andere verletzen, das wir, so lange es an uns liegt, vergeben können, versöhnen.

Nur, leider ist das nicht immer so. Und auf viele Fragen bekomme ich keine Antwort. Ich kann vieles einfach nur annehmen akzeptieren, stehen lassen.

Gerade das viele Menschen die Hölle auf Erden haben, sich aber nicht dagegen empören. Aber das auch viele Menschen den Himmel auf Erden haben, sich aber nicht genug darüber freuen können. Jeder Mensch möchte Glück haben, aber nicht alle machen sich auf die Suche danach. Niemand will Leid im Leben, aber viele lassen es auch einfach zu, tun nichts dagegen. Oder wie oft hatte ich selbst schon Ängste im Leben, wusste was es hieß frei zu sein, habe es aber nicht ergriffen.

Oder viele Menschen hätten es gut im Leben, betäuben sich aber immer wieder mit irgendwelchen Dro. Kein Mensch will Krieg, im privaten oder im Großen, aber immer wieder gibt es Kriege.

Wir lieben das Leben, unser Leben, trotzdem zerstören wir unsere Unwelt, vergiften sie, töten sie.

Für mich sage ich mir, was ich tun kann möchte ich tun und geben. Aber wir können und müssen nicht alles retten.

Manches schaffen wir nur mit Gelassenheit und Humor, nicht alles zu ernst zu nehmen.Auch mal über mich und mein Leben zu lachen.


viele liebe Grüße,

Frederick


viele lie

30.05.2019 18:13 • x 3 #6


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maya60

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Wir sind alle in einer Leistungsgesellschaft sozialisiert, die behauptet: "Jeder ist seines Glückes Schmied." Hinzu kommen noch starke soziale Ungerechtigkeiten wie Chancenungleichheiten, Ausgrenzungserfahrungen und Mobbingerfahrungen, Überforderungserfahrungen des Immer-Schnellers, Immer-Mehrs, Immer-Komplexers!


Mal ganz abgesehen von den langen Jahrzehnten des Themas Kriegsschuld!


Daher ist für mich der Begriff "Schuld" sowas von aufgeheizt und vielfach verbrannt, dass ich ihn nur noch im juristischen Sinne und im Sinne des vorsätzlich Schädlichen nutze, weil er bei vielen so sehr mit Angst und Schrecken aufgeladen ist. Das ist kontraproduktiv.

Ebenso sieht es mit dem Begriff "Fehler" aus. Damit ist die Schulzeit assoziiert und der Rotstift, Zukunftsängste bei vielen und Beschämung!

Wo im Zusammenhang einer Depression unbewusstes Verhalten oder erlerntes, geprägtes Verhalten krankmachend ist, hinterfragt werden muss, in einem langen Leben zu bestimmten Zeiten das Beste war, aber zu anderen Zeiten überdauernd eben nicht, da geht es meiner Ansicht nach um Verstehen, Erkennen, Verbessern.
Das heißt einfach "Veränderung", "Wandel" in einem langen Leben unter immer wechselnden Bedingungen. Das Urteil "Schuld" oder "Fehler" finde ich dort unangemessen, da es die Wirkung einer Selbstverurteilung hat bzw. einer Verurteilung.

Wenn ich als Ergotherapeutin in der Psychiatrie Praktika machte, wunderte ich mich oft, wieso schwer kranke Menschen mit sich selber ungnädiger sein sollten als Gesunde. Etwas beim Namen nennen, was Entlastung bringen kann, heißt doch nicht, dass diese Menschen fehlerhafter sind als andere.

Warum soll man Erwachsene und sich selber als Erwachsene schlechter behandeln als psychisch belastete Kinder, denen man vor allem die eigenen Ressourcen erlebbar macht und Verbesserungen vorstellt, ohne die Bewertung, dass diese Verbesserung auf Fehlern beruht. Eine wachsende Bewusstheit und Selbstreflexion bringt Verbesserungen, die auf der niedrigeren Bewusstheitsebene noch nicht da waren. Wozu muss man da urteilen?

Ermutigen, Verbessern, Entlasten, Einüben, ja. Aber "Schuld" und "Fehler" sind mir da nicht angebracht.

30.05.2019 18:48 • x 7 #7


Frederick1

liebe maya,

mir persönlich hilft es zu erkennen, nicht nur andere Menschen machen Fehler in Leben, auch ich mache Fehler und mich schuldig. Und es hilft mir persönlich sehr viel, wenn ich Menschen um Vergebung bitten kann, weil mich das irgendwie entlastet. Weil für mich in jedem Leben Sinn liegt. Auch wenn ich in meiner Depression auch mal denke, das Leben hat mich verlassen, so denke ich doch, das in schweren Lebenszeiten auch ein Sinn liegen kann.

Denn einen Sinn brauchen wir meiner Meinung nach, unbedingt für unsere Leben.

Oft habe ich in schweren Zeiten meines Lebens meine schlimmen Lebenserfahrungen verallgemeinert. Aus Trotz, aus Wut, aus Hass gegen alles was lebt. Weil es vielem Leben vermeintlich besser ging als mir selbst. Trotzdem immer wieder eine verzweifelte Suche nach der Liebe, nach dem Leben.

Doch ich durfte auch Menschen kennen lernen, die trotz aller Schwere in ihrem Leben, ihr Leben irgendwie geliebt haben.

Sie liebten nicht das Schwere im Leben, sondern das Leben. Und auch wenn sie trotz Krankheit nicht so lange leben konnten, haben sie durch ihre Lebensart anderen Menschen helfen können.

Menschen, die gelernt haben, auf was sie sehen. Sie haben auch ihre Probleme, aber sie waren in der Lage, damit fertig zu werden. Menschen, die auch Fehler zugeben konnten.

Alles hängt meiner Meinung davon ab, wie ehrlich ich selbst mit mir und meinem Leben umgehe. Und leider muss ich zugeben, ich wurde von Menschen verletzt, habe aber auch schon andere Menschen verletzt, beleidigt, ich bin nicht besser. Das darf ich für mich nicht übersehen.Denn in dieser Freiheit, meine Schuld mir einzugestehen, um Vergebung, Versöhnung zu bitten, darin liegt auch meine menschliche Liebe und Würde.

viele liebe Grüße,

Frederick

30.05.2019 19:11 • x 2 #8


Hoffnung21

Hoffnung21

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Danke für die vielen Antworten, es waren für mich ein paar interessante Aspekte dabei.

Zitat:
Dann wurde urplötzlich die Notbremse gezogen, rums. Gut, es hätte nicht so dicke kommen müssen, aber wer weiss, ob ich dann verstanden hätte.

Das hat sich bei mir auch so angefühlt. Ich hab 6 Hörstürze ignoriert, beim 7. hat mein Körper die Kontrolle übernommen. Es hat ganz schön weh getan und natürlich hätte ich nicht verstanden.

Zitat von Jedi:
Warum gebe ich meinem kleinen Troll so viel macht über mein Denken ?

Das ist eine lustige Vorstellung von einem Troll in meinem Kopf. Und natürlich ist es der innere Kritiker plus der Antreiber, zu einer riesigen Person verschmolzen. Ihn mir als Troll vorzustellen das hat was. Der Fürsorger ist bei mir ziemlich verkümmert, den stelle ich mir gerade wie einen kleinen Zwerg vor, der sich in eine Ecke verkrochen hat und gegen den großen Troll nicht ankommt. Wenn ich die Figuren so vor mir sehe ist es verständlicher. Ich muss daran arbeiten, dass der Troll nicht so viel Macht hat und muss den Zwerg ein bisschen mutiger machen.

Zitat von Resi:
daß ich mitverantwortlich bin, weil ich dadurch aus meiner Opferhaltung gekommen bin und ganz aktiv zu meiner Genesung beitragen kann.

Es ist zwar schön und gut, dass man selbst auch die Änderungen herbeiführen kann, aber ich hab manchmal das Gefühl, ich leiste jeden Tag Schwerstarbeit. Manche Tage sind leichter, aber dennoch ist es immer Arbeit.

Zitat von maya60:
das kleine Mädchen, das dir das ins Ohr flüstert, hat das vielleicht selber dauernd vorgesagt bekommen als Kind? Oder vorgelebt bekommen?

Natürlich hast du Recht, so bin ich erzogen worden. Ich hatte eine schöne Kindheit und wurde geliebt. Auch wenn es nicht durch körperlichen Kontakt gezeigt wurde, so war nie ein Zweifel, dass ich geliebt wurde. Aber natürlich fielen die klassischen Sätze wie "erst die Arbeit, dann das Vergnügen", "hast du dir die Pause schon verdient?" Es wurde Leistung belohnt, aber es war auch kein Weltuntergang, wenn die Noten schlecht waren. Aber meine Eltern waren dann schon etwas enttäuscht. Einige meiner Geschwister hat das auch nicht abgehalten, schlechte Noten zu schreiben, aber ich wollte Anerkennung und Lob und dass sie stolz auf mich sind. Also ist natürlich vieles in der Erziehung begründet und hat schon früh begonnen. Aber meine Geschwister hatten ja auch kein Problem damit.

Zitat von Frederick1:
Es gibt keinen Menschen, der noch nie Fehler gemacht hat in seinem Leben

Das ist richtig, aber wenn ich an die letzten Jahre zurückdenke vor meinem Zusammenbruch, dann waren das schon eine ganze Menge Fehler. @maya60 Ich werde mal versuchen, diese beiden Wörter zu ersetzen durch Erkennen, Verstehen und Verbessern.

Aber der Humor sollte tatsächlich nicht zu kurz kommen. Das gelingt mir an manchen Tagen besser. Heute war ich allein zuhause, da kommen dann gern mal ein paar unangenehme, traurige Gedanken auf. Wenn mein Mann da ist bin ich abgelenkt und es geht mir meistens deutlich besser.

Danke für eure Ansichten, hat mir doch wieder eine Menge aufgezeigt zum Nachdenken.

LG Eis

30.05.2019 19:35 • x 2 #9


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maya60

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Hallo Frederick, es reicht aber, dort für Fehler und Schuld Vergebung und Selbstvergebung anzustreben und erlösend und heilend zu erlangen, wo ich wirklich vorsätzlich schädlich gehandelt habe oder entgegen besseren Wissens.

Ich darf Unvollkommenes machen, ich muss und kann nicht perfekt sein. Scheitern und Versagen sind menschlich, absolute Perfektion und Vollkommenheit sind nicht besonders menschlich. Auch mir war und ist diese Erkenntnis sehr wichtig. Aber gerade darum gebe ich ihr keine Urteile wie Fehler und Schuld. Nur da, wo obiges zutrifft.

Und darum geht es meistens nämlich gar nicht. Das ist mir wichtig, zu unterscheiden.

Am Allerwichtigsten ist mir aber, die depressiven Symptome des Schuldgefühls und Selbstzweifels nicht noch zu verstärken.

30.05.2019 19:59 • x 3 #10


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Jedi

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Zitat von Eis:
Das ist eine lustige Vorstellung von einem Troll in meinem Kopf

ich habe auf meinem schreibtisch so eine figur, einen Troll stehen u. der erinnert mich oft an diesen Troll in meinem Kopf.
kann ich dir sehr empfehlen u. so einen kleinen Troll bekommt man gut im spielzeugladen zu kaufen.
Zitat von Eis:
Ich muss daran arbeiten, dass der Troll nicht so viel Macht hat und muss den Zwerg ein bisschen mutiger machen.

du hast das richtig beschrieben, den Troll mit seinen unwahren geschichten u. verurteilenden gedanken die macht zu nehmen u. gleichzeitig, den Zwerg zu stärken , ihn mutiger werden zu lassen.

der Troll in deinem kopf mag es nicht, wenn du ihn u. seine blödsinnigen gedanken beobachtest.
probiere es einmal aus u. werde der beobachter deiner gedanken.
am anfang habe ich sie noch aufgeschrieben, je mehr übung ich darin hatte, dann brauchte ich es nicht mehr.
es ist eine interessante erfahrung, nach einiger zeit festzustellen, dass diese gedanken immer weniger u. leiser werden.
wenn du die gedanken beobachtest u. auf ihren wahrheitsgehalt überprüfst, dann wirst du auch feststellen, wie viel unwahres dir dieser Troll über Dich u. Dein Leben erzählt.

LG Jedi

30.05.2019 20:20 • x 4 #11


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Kitten

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Zitat von Hoffnung21:
Ich weiß ja nun, dass mein Perfektionismus, mein Ehrgeiz, mein Leistungsstreben, mein Harmoniebedürfnis, mein Pflichtbewusstsein usw. im Endeffekt die Ursache für das burnout/die Depression sind.

Liebe @Hoffnung21 und Alle
Ich bin auf dieses Thema gestossen und möchte es sehr gerne aus der Schublade wieder nach oben holen. Genauso wie du, als du das Thema eröffnet hast Ende Mai 2019, hadere ich aktuell mit den selben Fragen und meinem Schicksal:

Bin ich selber daran "schuld", dass ich derzeit an einem Punkt stehe, wo es nicht so recht weitergeht. Ich fühle mich blockiert. Noch vor einem Jahr war ich angestellt und krankgeschrieben. Die von dir oben erwähnten Charaktereigenschaften haben auch mich in ein Burnout getrieben.
Noch während ich krankgeschrieben war, hat mir der Arbeitgeber bzw. Chef aus dem völligen Nichts gekündigt und hat sein übelstes Gesicht gezeigt. Ich hatte nicht die Kraft, mich zu wehren. Vielleicht hätte ich die ungerechtfertigte Kündigung vor dem Arbeitsgericht anfechten können.
Ich habe die schlimmste Zeit meines Lebens im November 2020 bis ca. März 2021 erlebt. Ich fiel in ein tiefes Loch und musste mich langsam wieder daraus befreien. Das ist mir nun in all den Monaten einigermassen gelungen, auch dank Therapie. Doch das Schuldgefühl, dass ich selber für diese Misere verantwortlich bin, hat immer wieder ganz laut angeklopft. Stets, vorallem am Anfang, konnte ich mit einem klaren "Nein" dieses Gefühl abwimmeln und sagen: "Nein, ich bin nicht dafür verantwortlich. Sei vorallem froh, dass du nicht mehr dort arbeiten musst. Bei dieser Firma ist einiges im Argen".

Aktuell bin ich teil-arbeitsfähig und auf Arbeitssuche. Es geht nicht wirklich vorwärts, es läuft zäh und es ist keine Perspektive in Greifweite. So kommt das böse Gefühl, damals etwas falsch gemacht zu haben, wieder stärker in den Vordergrund. Auch verfolgen mich die Nebengeräusche der Kündigung noch immer und ich bin nicht darüber hinweg und somit auch nicht wirklich offen für was Neues.

Ihr habt hier schon einige Tipps aufgelistet, wie man das abstellen kann. Dafür danke ich euch. Vielleicht gibt es dazu noch ein paar weitere Inputs?

17.11.2021 14:30 • x 1 #12


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Jana7

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Hallo,
Du zählst einige Dinge auf und so wie es formuliert ist, bekomme ich den Eindruck, anderen ist das alles im Detail bekannt.
Ich bin neu hier...
Also so wie Du das kurz aufzählst, formulierst - würde ich mir diese Frage auch stellen.
Nur, dass Schuld ein hartes Wort ist und ich jedenfalls niemand anderen beschuldigen wollen würde.

Selbstanalyse ist auf jeden Fall wichtig und hilfreich.

Es gibt ja verschiedenste Formen von Depressionen. Du erwähnst Burnout. Also, falls Du wirklich extrem leistungsorientiert bist, würde ich jedenfalls eine klassische Depressionsform ausschließen.
Depression bedeutet doch meist: Absolute Antriebs- und Motivationslosigkeit, Energielosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Trauer...

Aber man ist doch eigentlich nicht Leistungsorientiert, wenn man nicht doch motiviert ist. Du erwartest ein Glücksgefühl - eine Belohnung.

Mir fällt jetzt auch kein sanfteres Wort für Schuld ein. Jedenfalls passt "selbst verantwortet" auch nicht wirklich.
Sollte ein wirklicher Zwang in Bezug auf diese aufgezählten Dinge bestehen, könnte man eindeutig nicht mehr von Schuld sprechen.

Burnout scheint mir eher zu passen. Es gibt doch auch die Dysthymie. Dann ist man eher nörglerisch unzufrieden.

Wie gesagt, ich kenne Dich gar nicht. Ich weiß zB nicht, wie sich diese Harmoniebedürftigkeit äußert.

Perfektionismus: Der kann sich in allen Lebensbereichen zeigen - in unwichtigen Bereichen.
Ich glaube, es dürfte doch machbar sein, da lockerer zu sein.
Ob man dazu eine Verhaltenstherapie benötigt, weiß ich nicht.

Vielleicht hilft die Analyse: Warum will ich perfekt sein? Es macht Dich ja scheinbar nicht glücklich.
Ist es schlimm, wenn andere perfekter, besser sind?

Vor 54 Minuten • #13



Hallo hoffnung21,

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Ichdarffaulsein

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Ich finde es immer wichtig, "vor der eigenen Haustür zu kehren", aber ich glaube nicht, dass Du von Schuld sprechen musst. Wir alle haben aufgrund unserer bisherigen Erfahrung Glaubenssätze, die irgendwann mal nützlich waren und leider noch tief eingraviert sind. Das Schöne daran ist, es sind DEINE Glaubenssätze. Du kannst sie verändern. Ich hatte vorletztes Jahr einen schlimmen Burnout mit Leistungszwang. Ich übe heute noch, aber es frustriert mich nicht mehr so sehr wie am Anfang. Meine alten GS: "Ich darf nicht faul sein" und "ich leiste mehr als andere, damit ich geliebt werde" erkenne ich immer schneller und denke mir: "Pfffffft, ich mach jetzt erst Recht Pause." und "Wenn ich leisten muss, um geliebt/anerkannt zu werden, sind es die falschen Leute....".

Vor 28 Minuten • x 1 #14

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