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Antidepressiva wirken nicht mehr - ist das normal?

Yuyu

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Hallo liebes Forum,
ich habe seit 16 Jahren eine Angststörung mit Depressionen.
Seit 8 Jahren nehme ich Venlafaxin (zw. 75mg - 225mg, aktuell 150mg) und seit 6 Jahren Lamotrigin (300mg). Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Medikamente nicht mehr wirken, bzw. vielleicht noch nie geholfen haben. Bei Venlafaxin hatte ich zumindest am Anfang der Behandlung das Gefühl, dass Sie mir helfen. Vom Lamotrigin habe ich aber noch nie was gemerkt oder gespürt. Mein Doc meint aber, dass das Medikament sehr gut ist und das damit begründet, dass ich doch so lange stabil war.

Wenn ich nicht so eine große Angst vor dem Absetzen hätte, würde ich gerne andere Medikamente ausprobieren.

Ich würde gerne Eure Meinung dazu hören.

06.03.2019 15:31 • #1


Zwischenwelt

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Hallo Yuyu, sei herzlich willkommen

Ich habe mich viel mit diesem Thema sprich Studien über Psychopharmaka beschäftigt. Beide Seiten, also
Befürworter und Gegner solcher Medikamente. Der neuste Stand ist, das in Akutsituationen und sehr schwer
Erkrankte geringfügig eine Besserung ihrer Beschwerden verspüren. Mittel bis leichte Beschwerden beruhen
allein auf einen Placeboeffekt. Ich kann dir keinen Rat geben, wie du für dich entscheidest. Kann dir aber
aus meiner jahrelangen Erfahrung mit Medikamenten berichten. Ich kann eindeutig sagen, das eine koninuierliche
Einnahme über viele Jahre kontraproduktiv ist. Es schützt nicht vor Rückfälle und eine Chronifizierung hat damit
mehr Nährboden zu gedeihen. Ich vertrete die These, das im Akutzustand medikamentös behandelt wird. Zeigt sich
eine Linderung, so sollte behutsam extrem langsam ausgeschlichen werden. Die Statistik besagt, das ca. 80%
der Patienten mit durchgehender Einnahme Entzugssymptome erleiden. Ich bin einer davon.
Aus meinen Klinikerfahrungen: Dort werden von ein auf den anderen Tag Medikamente gewechselt. Anscheinend
aus Zeitmangel und viel zu wenig Behandlungsplätze innerhalb der Stationen, so meine Vermutung.
Medikamente an sich sollte man begleitend zu weiteren Therapieformen sehen. Ich habe mit Mitpatienten gesprochen,
die glaubten, das allein Medis sie heilen würden.
Mögen hier andere Leute anders denken, keinstensfalls möchte ich Hoffnung schmälern.
Berichte hier aus meiner Einstellung und Erfahrung.
Falls du dich für einen Wechsel oder auch Ausschleichen entscheidest, so bist du hier in guten Händen.
Wünsche dir viel Kraft für deinen Weg ins neue Leben

viele Grüße
Martin

06.03.2019 17:10 • x 1 #2


Alexandra2

Alexandra2

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Hallo Yuyu,
Herzlich Willkommen.
Ich kenne Situationen, in denen die Medikamente von Anfang an zu wenig oder gar nicht wirkten. Gottseidank war es jeweils zu Beginn, so daß das Absetzen problemlos war. Welchen Sinn es machen soll, unwirksame Medikamente zu nehmen, weiß ich nicht. Psychotherapie hat einen sehr guten Effekt, so daß Deine Stabilität darauf gründet?
Venlaflaxin wurde in 6 Wochen von 275mg auf Null ausgeschlichen, viel zu schnell für mich. Die Auswirkungen hätte ich allein nicht bewältigen können: sofort Stimmungseinbruch, Verlangsamung, Antriebslosigkeit und fieser Schwindel. In der Klinik fühlte ich mich sicherer, als zu Hause.
Das Venlaflaxin verlor seine Wirkung, was man öfter hört. Das scheint nicht selten zu sein. Ich hatte es ca. 1,5 Jahre genommen, es musste schrittweise hochdosiert werden. Das war im Zustand der schweren Depression.
Hast Du mit Deinem Arzt besprochen, daß es Dir nicht hilft- oder mal so erwähnt? Ist es ein Facharzt?
Liebe Grüße

06.03.2019 17:35 • x 2 #3


Yuyu


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Hallo Martin,

ich habe die Medikamente so lange genommen, da ich Angst hatte Rückfälle zu bekommen. Ob es mir wirklich besser ging, kann ich Dir gar nicht sagen, da ich nicht weiß, wie es mir ohne Medikamente gegangen wäre.

Das mich die Medikamente nicht heilen werden, ist mir klar. Ich glaube aber auch, dass ich wahrscheinlich ohne Medikamente gar nicht mehr kann. Dafür habe ich diese Angststörung und die damit einhergehende Depression schon zu lange.

Liebe Grüße
Yuyu

07.03.2019 07:25 • #4


Yuyu


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Hallo Alexandra2,

ich bin bei einem Facharzt und habe das Thema mit dem Wirkungsverlust über eine längere Zeit angesprochen. Er hat aber nicht viel dazu gesagt.

LG
Yuyu

07.03.2019 07:32 • #5


Alexandra2

Alexandra2

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Moin Yuyu,
Schwierig daß Dein Arzt sich so bedeckt hält und Dich mit den Problemen allein lässt.
Du hast das Recht auf eine Zweitmeinung, ich würde sie mir von einem anderen Facharzt einholen. Schließlich hast Du keine Verbesserung sondern eine zusätzliche Krankheit entwickelt, allein das hätte mein Arztvertrauen zerstört.
Ich habe selbst die Kraft gefunden, meinen Hausarzt zu wechseln. Er sah keinen Anlaß meinen schmerzenden Arm zu behandeln. Weil ich wegen einer anderen Krankheit sowieso immer Schmerzen habe. Ich war entsetzt.
Nach viel hin und her begann die Behandlung erst Monate später: Golfer- und Tennisarm, Muskel- und Sehnenentzündungen, Muskel Verkürzung bis zum Brustmuskel.
Ich finde unsere Gesundheit ist zu kostbar, um sie "verwursten" zu lassen.
Finde Dich nicht ab mit den Aussagen; Dein Körper ist Dein Freund und signalisiert Dir, was Du brauchst.
Liebe Grüße

07.03.2019 08:12 • x 1 #6


Matt_iu

Matt_iu

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Hallo Yuyu,

der Zeitraum deiner Medikation ist recht lang, es wäre also nicht verwunderlich, wenn du dich heute an die Wirkung der ersten Zeit nicht erinnern könntest, das trifft sogar auf mich zu.
Mein Venlafaxin, dass ich jetzt seit einigen Jahren nehme hilft mir jetzt merklich hauptsächlich bei den Ängsten, zwar ist die antidepressive Wirkung jetzt nicht so stark, wie zu Beginn, aber ich erkenne den Grund auch in meiner psychosozialen Umgebung, die sich im Gegensatz zu meinen Ängsten nicht verändert hatte.

Ich hatte eine Zeitlang eine Therapie in einer vollstationären Klinik, die durch die Medikamenten und die Therapien, aber vor allem wegen den Menschen, die ich dort traf, mir einen großen positiven Vorschub leistete; als ich dann anschließend wieder in meine Wohnung zurückkehrte, wo sich menschlich nichts abspielte, fiel das ganze positive Kartenhaus wieder in sich hinein.

Was ich damit sagen möchte, ist: dass die Tabletten, so gut wie sie auch sein können, so schlecht bzw. vermindert wirken, wenn trotz dieser medikamentösen Therapie sich das Umfeld um einen herum nicht verändert - in dem Sinne jenes, welches man selber aufrechthält, das Zurückziehen und Vermeiden. Und das kann auch über Jahre so gehen. Ich hatte eine Phase in 2017-2018 wo das Venlafaxin einem Placebo glich, trotz hoher Dosis, weil ich mein psycho-soziales Umfeld vernachlässigte: weder Kontakte pflegte, noch niemanden sprach, meistens am PC saß oder im Bett lag, bis sogar meine Kondition darunter litt.

Heute geht es mir besser mit dem gleichen Medikament, ich Wege gefunden habe, nicht mehr in der Isolation zu leben und mich Herausforderungen zu stellen.

Könnte ein Medikamentenwechsel in einer Klinik (vollstationär) dir weiterhelfen? Dort hättest du ein geschütztes Umfeld. Mein Vorschlag wäre, dass du dir eine weitere Meinung von einem Facharzt einholst.

Gruß,
Matthias

07.03.2019 10:36 • x 2 #7


Yuyu


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Hallo Matthias,
Ich bin seit einigen Wochen auf der Suche nach einem Therapieplatz für eine Psychotherapie und hatte einige Probesitzungen bei einigen Therapeuten. 2 von 3 Therapeuten haben mir einen Klinikaufenthalt empfohlen, da ich in jeder Sitzung in Tränen ausgebrochen bin.

Wenn mein Arzt n. Woche aus dem Urlaub zurück ist, will ich Ihn mal auf einen Klinikaufenthalt ansprechen.

Was eine Zweitmeinung betrifft, bin ich ein wenig skeptisch. Meinen aktuellen Facharzt kenne ich privat, gehört quasi zur Familie, gibt sich entsprechend Mühe und ich darf auch ohne Termin in die Praxis.
Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich nach Jahren zu einem anderen Arzt gehen würde.
Es kommt noch hinzu, dass ich vorher bei vier anderen Psychiatern war und mich bei denen überhaupt nicht wohlgefühlt habe.

Grüsse
Yuyu

07.03.2019 11:43 • x 2 #8




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