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Angst und Blockaden

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Hallo liebe Leute,

seit meiner Pubertät kämpfe ich mit depressiven Phasen und Angstzuständen. Ich prokrastiniere alle wichtige Aufgaben und Entscheidungen. Seitdem ich das Studium angefangen habe (vor 3 Jahren) ist es am schlimmsten geworden. Ich habe fast alle Prüfungen geschoben und habe es nicht geschafft meine Angst unter Kontrolle zu bringen um lernen zu können. Ich habe auch seit einem Jahr finanzielle Schwierigkeiten, weil ich ab dem Zeitpunkt nicht mehr Bafög-berechtigt war und es wegen meinen depressiven Zuständen und starker Angst nicht geschafft habe einen Nebentätigkeit auszuführen. Ich habe eine riesengroße Blockade vor jeder neuen Herausforderung und schaffe gerade mal so mein Leben auf dem Überlebensniveau zu führen. Alles was mich wirklich voranbringt oder glücklich machen könnte, schiebe ich hinaus und/oder verpasse im Endeffekt.

Ich bin auch seit 3 Jahren in Therapie, habe sogar eine Betreuerin in einer Wohngemeinschaft, aber auch die können mir nicht helfen. Meine Therapeutin hat sogar vor einem Jahr klar gesagt, dass sie mir nicht helfen kann. Sie "sitzt" seitdem ihre Stunden ab und ihre häufigste Aussage ist "Ich verstehe, das ist ja ganz schlimm", was mich Null weiterbringt. Ihre einzige Strategie ist, dass sie versucht mich dazu motivieren, Menschen zu finden, die mir helfen können,deswegen habe ich damals diese Betreuerin gesucht, aber auch die hat nicht die Kapazität mir zu helfen, weil sie zu wenig Zeit für mich hat und nicht genau weiß wie sie mir helfen soll. Ich habe sie gebeten, mir zu helfen, eine neue Therapeutin zu finden, aber sie sagte, dass es momentan sehr schwer ist. Sie hat es nicht mal versucht und ich merke, dass sie nicht wirklich darauf Lust hat, sich diese Arbeit anzutun.

Ich habe seit einem halben Jahr einen Freund, und der ist mittlerweile müde, stunden- /tagelange anzuhören, wie schlecht es mir geht und ich es nicht schaffe meine Angst zu überwinden, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen.

Deswegen versuche ich seit einem Jahr selbst mich zu therapieren. Ich hinterfrage voher die Angst kommen könnte und habe meiner Therapeutin schon 100 Gründe aufgezählt, sie sagte, dass sie mich verstehe und es ganz schlimm findet ^^ Verbesssert hat sich nichts.

Der Grund, der mich heute in den Kopf gekommen ist, ist meine soziale Angst begründet darin, dass ich vor 17 Jahren aus einem anderen Land hierhergekommen bin und jahrelang mich fremd gefühlt habe. Meine angeborene Schüchternheit hat sich dadurch ziemlich verschlimmert, weil ich die Sprache erst lernen musste und mir deswegen die ersten Jahre sehr schwer gefallen ist, Kontakte zu knüpfen. Ich habe mich oft sehr einsam und abgewiesen von den Menschen gefühlt, obwohl ich mich trotz meiner Schüchternheit und Sprachschwierigekiten sehr bemüht habe Freundschaften zu knüpfen. Ich war immer interessiert und freundlich, aber irgendwie kam von der anderen Seite nicht wirklich Interesse, und so habe ich mich wieder verschlossen. Meine Schüchternheit ist dadurch noch schlimmer geworden.

Erschwerend kam hinzu, dass ich ein paar Mal Mobbing in der Gruppe erlebt habe. Das hat meine Selbstzweifel und meine soziale Angst noch verstärkt. Ich habe seitdem Angst mich wirklich zu "zeigen", weil es in der Vergangenheit zu Neid und Aggression geführt habe. Menschen haben mich richtig angegiftet und hinter meinem Rücken die schlimmsten Lügen über mich erzählt. Die Folge war, dass auch andere Menschen angefangen haben mich zu meiden und ich in dier Isolation und Verzweiflung endete, was meine soziale Angst sehrt stark triggerte.

Hinzu kamen narzisstischer Missbrauch in mehreren Beziehungen. Es waren alles Bindungsängstler, die meinen Bindungswunsch vollkommen abgewiesen und als "übertrieben" und "anstrengend" abgestempelt haben, weswegen ich mir auch jahrelang danach nicht das Recht zugestehen konnte, eine tiefe Beziehung haben zu dürfen. Ich habe gedacht, ich bin einfach zu bedürfig. Es kann sein, dass es auch eine Rolle bei den anderen Kontakten gespielt hat, weil ich mich nicht traute offen meinen Wunsch nach näherem Kennenlernen zu äußern, weil ich unbewusst Angst hatte, wieder so stark abgewiesen und abgewertet zu werden. Ich dachte, mein Bedürfnis nach Nähe ist einfach zu viel für Menschen und ich darf mich sie nicht damit belasten.

Auch in meinem Studium konnte ich abgesehen von 1-2 Mädels (die ich jeweis eimal in 2 Wochen getroffen habe) keine richtigen Freundschaften knüpfen, obwohl ich in einem sozialen Studiengang bin und fast alle in meinem Studium miteinander befreundet sind. Ich bin zu allen gemeinsamen Events gegangen und habe zu vielen Menschen mein Interesse gezeigt, leider hatte ich immer das Gefühl, ich bin außen vor, die Menschen knüpfen Freundschaften untereinader, aber nicht mit mir. Das war mir eine Bestätigung, dass ich nicht interessant genug für andere Menschen bin oder andere abschreckende Eigenschaften habe. Folge: noch mehr Rückzug und Angst.

In meinem Heimatland hatte ich nie Probleme mit Freunden, ich war überall ziemlich beliebt. Deswegen habe ich schon an rasisstischen Hintergund gedacht, möchte es aber den Leuten nicht pauschal vorwerfen. Ich versuche mich in Eigenverantwortung zu üben, bin aber mittlerweile am Verzweifeln, weil ich das Gefühl habe seit 17 Jahren nirgendwo anknüpfen zu können, obwohl es mein seeligster Wunsch ist. Ich bin auch von meiner Persönlichkeit her (Enfp) sehr auf Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung ausgelegt und es fehlt mir dieser Teil des Lebens sehr!

Ich weiß nicht ob hier jemand mit helfen kann. Aber vielleicht hat jemand eine ähnliche Erfahrung gehabt und kann mir Tips geben, wie ich es schaffe diesen Knoten zu lösen.

Ich danke euch auf jeden Fall für jeden Impuls!

01.09.2020 22:17 • #1


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hlena

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Ich glaube,ich kann dir nicht helfen.
Ich gebe dir nur den Tip : verlaß dich nur auf dich selbst,sonst bist du verlassen!
Damit gibst du sonst nämlich die Verantwortung ab.
Natürlich geht das nicht sofort,sondern in kleinen Schritten.
Erwarte nicht gleich zuviel von dir.
Auch ein kleiner Erfolg ist ein Erfolg.

02.09.2020 00:01 • #2



Hallo Meniken,

Angst und Blockaden

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Danke Helena, das habe ich mir auch oft gesagt und auch gesagt bekommen, dass ich mir selbst helfen soll. Aber wenn man es nicht kann, weil man gerade von Ängsten blockiert ist, was dann? Ist man verdammt unterzugehen? Findet man dann nirgendwo Unterstützung? Ich hatte schon Suizidgedanken deswegen.

Sind wir Menschen dafür gemacht einsamen Wölfe zu sein und alleine für sich (und somit gegen andere) zu kämpfen? Oder sind wir nicht eher dafür gemacht in einer Gemeinschaft zu leben? Kennst du einen Menschen der komplett autonom (ohne Freundschaften, Beziehung, Familie) alle seine Aufgaben meistert und dabei super glücklich ist? Ich persönlich nicht. Alle erfolgreichen und glücklichen Menschen, die ich kenne, sind deswegen so erfolgreich und glücklich, weil sie von vielen Menschen unterstützt wurden und sei es eine gute Familie, die Ihnen ein gesundes Selbstwertgefühl bleibegebracht hat. Ich finde es paradox, dass man heutzutage von jedem Menschen fordert immer alles selbst zu schaffen. Wenn das jemand auch schaffen kann, dann nur ein psychisch gesunder und sicher kein depressiver Mensch. Von einem Menschen der seinen Bein gebrochen hat fordert man auch nicht, dass er unbedingt laufen soll und von einem Krebskranken nicht, dass er selbst die Heilung für sich entdeckt.

Ich weiß, dass du das sicher lieb gemeint hast und es sollte kein Angriff sein. Es sind nur meine Gedanken zum Thema weil ich müde bin mir anzuhören, ich soll alle meine Probleme selbst lösen. Nur keiner, auch kein gesunder Mensch, nicht mal einer mit entsprechender Ausbildung weiß, wie ich das schaffen soll. Wie soll ich mit meiner Diagnose es hinkriegen? Entschuldige, das kann ich nicht.

Dass ich kleine Schritte zum Erfolg mache, mag sein, nur habe ich das Gefühl, dass ich seit einem Jahr (ehrlich gesagt seit 2) über das gleiche Problem mit meiner Therapeutin rede und mir jeden tag (ungelogen jeden) Gedanken mache, weswegen ich diese Ängste habe und wie ich das lösen soll und ich habe nicht das Gefühl, dass ich vorwärts komme. Ist seit 2 Jahren stehen zu bleiben auch ein Erfolg?

02.09.2020 00:30 • x 1 #3


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hlena

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Natürlich sollst du dich von anderen unterstützen lassen.
Aber die letzte Entscheidung liegt bei dir.
Zuerst würde ich an deiner Stelle die Therapeutin wechseln,denn anscheinend
kann sie dich nicht unterstützen oder Hilfe zur Selbsthilfe geben.

02.09.2020 00:55 • x 1 #4


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Ja danke, du hast Recht, ich brauche jemanden der sich mit meiner Problematik auskennt und mir da einen guten Ratschlag geben kann. Es kann nicht sein, dass Therapie in "ich weiß nicht, wie ich Ihnen helfen soll" endet. Ich war heute bei meiner Betreuerin und wir haben auf jeden Fall als nächst wichtiges Ziel eine Verhaltenstherapeutin zu finden. Ich glaube vielleicht ist die Form einfach nicht die richtige für mich.

02.09.2020 16:48 • x 2 #5


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hlena

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Klasse!
Das meinte ich mit kleinen Schritten.
Ein Schritt nach ndem anderen,damit kommt man auch ans Ziel.

02.09.2020 17:38 • x 2 #6

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