Zitat von RipEnke:Das klingt echt gut. Bisher habe ich (außer Psychologen und meiner Arbeitsberatung) noch nie jemand außerhalb der SP-Gruppe von der SP oder Depression erzählt. Ich denke immer Sie würden es nicht verstehen und ablehnend oder sogar Schroff reagieren. Gerade auf der Arbeit hätt ich damit die größten Probleme.
Naja, es muss schon eine gewisse Vertrauensbasis da sein, um andere Leute einzuweihen. Aber zum Glück arbeite ich inzwischen in einem tollen Team. Ich würde denen zwar nicht unbedingt mein Herz ausschütten und sie auch nicht als Freunde bezeichnen. Trotzdem vertraue ich ihnen soweit, dass sie mit der Info nicht hausieren gehen würden, mich damit aufziehen oder sonstwas machen.
Zitat:Ich hab Ihnen schon zig mal gesagt das ich mich bei Ihnen so nicht wohlfühle und letztens hat mein Bruder ernsthaft mir vorgeworfen das ich herzlos wäre? Obwohl er meine Mutter ausnimmt soll ich der herzlose sein. Ich hab meiner Mutter und Ihm nochmal deutlich gesagt das ich das nicht kann und das wenn Sie mich sehen wollen zu mir fahren sollen. Da mein Bruder das ganze Geld verbraucht ist es klar das Sie sich's nicht leisten können. Ich hoffe das Sie nach meinen deutlichen Worten endlich meine Entscheidung akzeptieren.
Ich hab Ihnen auch gesagt das ich verstehen kann das Sie mich sehen wollen. Aber mich müssten Sie auch verstehen.
So eine Situation ist natürlich blöd für dich

Und ich muss zugeben, dass ich auch eine Person habe, die mich nicht verstehen kann - dummerweise ist es mein Vater

Aber bei ihm weiß ich auch, dass es keine böse Absicht ist. Er versucht wirklich mich zu verstehen, verhält sich dann aber die ein ELefant im Porzelanladen. Das macht den Umgang für mich nicht unbedingt einfach. Aber ich weiß, dass er eigentlich versucht, mich zu verstehen und sich "richtig" zu verhalten. Daher versuche ich, manche Fettnäpfchentritte einfach zu übersehen - was mir bei Weitem nicht immer gelingt. Daher ist das Verhältnis im Moment relativ distanziert - was weder er noch ich gut finden. Ich hoffe mal, dass sich das irgendwann wieder verändert.
Zitat:Ich komme mir vor als müsste ich mich ständig verteidigen was meine Erkrankung betrifft. Ein Rollstuhlfahrer muss doch auch nur einmal sagen das er aufgrund von Treppen dort nicht hingehen kann. Das ist gleich verständlich.
Und ich denke, dass das Verstehen wirklich das Problem ist. Ein Rollstuhl ist etwas offensichtliches - das versteht jeder. Aber die Probleme und EInschränkungen, die man bei einer psychischen Erkrankung hat. Denn sie sind einfach nicht leicht nachzuvollziehen. Das weiß ich auch aus verschiedenen Gesprächen. Dort erlebe ich oft eine Art Neugier, denn die Leute können sich kaum nachvollziehen, dass ich extrem angespannt bin, wenn ich bei anderen Leuten (auch Freunden) in der Wohnung bin.
Dieses Nicht-Verstehen-Können (was meiner Meinung nach nicht mit Nicht-Verstehen-Wollen zu tun hat) macht das Leben für psychisch erkrankte noch schwieriger, als es eh schon ist. Daher stehe ich immer wieder für Fragen zru Verfügung. Die Leute können ihrer Neugier bei mir unverhohlen ihren Lauf lassen. Denn vielleicht erreiche ich so ein winziges bisschen mehr Verständnis. Das dürfte zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, aber viele kleine Schritte führen auch zum Ziel.