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Meine Geschichte seit 2013 - Welchen Weg soll ich gehen

Optiker4000

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Hallo liebe Community,

ich bin noch 44 Jahre und habe folgende Geschichte hinter mir :

Ich bin verheiratet und habe einen Sohn

Im Jahr 2013 bekam ich in der Arbeit, zuviele mir unlösbare Aufgaben gestellt. Ich hatte damals die Führungsposition einer augenoptischen Filiale mit 24 Mitarbeitern. Die Zeit, die ich überwiegend im Verkauf verbringen. Dadurch lies ich viele Führungsaufgaben einfach liegen, machte sie nach den Fristen und der Berg wurde immer größer. Ich hätte damals gerne viel mehr gemacht, aber die Zeit auf Arbeit gab es nicht her, und massiv Überstunden wollte und konnte ich nicht machen, denn ich hatte eh schon wenig Zeit für meine kleine Familie. Oft nahm ich auch Arbeit mit nach Hause für den "freien" Tag. Im Sommer 2013 wurde jemand krank und mein Sommerurlaub wurde mir in Frage gestellt. Da ich aber spürte, dass ich Urlaub brauche, machte ich Urlaub. Nun wurde in dieser Zeit noch jemand krank und dies wurde mir angelasstet, aber erst später.
Nach 2 von 3 Wochen Urlaub konnte ich nicht wirklich mich auf den Gedanken dass ich bald wieder arbeiten gehe einstellen. Ich ging zum Hausarzt und wurde erst einmal krankgeschrieben. Durch Glück, bekam ich relativ schnell einen Termin bei einer jungen Psychologin, die noch einen Supervisor über sich hatte, und ich konnte meine Probleme erörtern.
Im Jan 2014 begann ich mit einer Wiedereingliederung und einer Neuen Regionalleitung über mir. Ich erhielt in dieser Zeit eine Abmahnung für das Verhalten aus dem Sommer 2013, dass ich meinen Urlaub der Gesamtsituation in der Filiale nicht untergeordnet habe. Das war ein "Super" Start. Ich konnte mich um diverse Berge in der Arbeit kümmern, alles für mich neu strukturieren und mir inoffiziell Chefzeiten einbauen, wo ich nicht für Kunden da war, und das Team mir den Rücken freihielt. Ich nehme seit dem 75 mg Venlaflaxin ein.
Dies ging gut bis 2019 . .
Im Mai 19 spürte ich wieder eine Überforderung, und wer das schon mal hatte spürt es immer wieder wenn es zuviel ist. Natürlich geht man da net gleich zum Doc, sondern macht erstmal irgendwie weiter. Mitte Juni bekam ich nach 2 Stockwerken, die ich zwischen Laden und Büro habe, keine Luft mehr.
Ab 21.6.19 hatte ich Schmerzen im linken Knie, die immer weiter in Richtung Leiste zogen, bis ich am 28.06.19 zum Doc ging. Da ich in 2015 nach einer Fuß OP eine Trombose in der R Wade hatte, äußerte ich 2019 diesen Verdacht, da der Schmerz sehr ähnlich war.
Ich hatte recht und durfte sofort ins Krankhaus gehen - Diagnose Lungenembolie bds. mit Trombusenden in die R Pulmonalaterie (sh. Screenshot). Nach 4 Tagen durfte ich nach Hause.

Ich erholte mich ein paar Tage lang spürte nur, dass ich schlechter Luft hatte als früher. Meine Eltern damals (73J/72J) fuhren am 06.07.19 in den Urlaub nach Obertraubling kurz vor Österreich (4 h Fahrt). Beim Verabschieden am 5.7. hatte ich ein komisches Gefühl und dachte, hoffentlich geht alles gut. Mein Vater hatte ein Leben lang HOCM und trug den 2. Schrittmacher, war aber im Vergleich zu Mama sehr gut dran. Mama hatte damals seit 11 Jahren eine Amidaron induzierte Lungenfribrose und seit 5 Jahren O2 Bedarf über Nasenschlauch (24h).
In der Nacht auf den 13.07.19 um 0:50 rief meine Mama an und sagte der Papa ist gestorben.

Puhhh. Ich wusste nicht was ich machen sollte, ich machte mir als erstes um Mama Sorgen und sprach gleich mit dem Notarzt am Tel. ob es ihr gut geht. Soweit war sie stabil. Ich rief den Bestatter an und wir fuhren gegen 2:15 Uhr Richtung Südbayern. Dort trafen wir dann um 6:50 Uhr ein. Es war gerade die 2. Leichenschau.
Wir nahmen die Mama an dem Tag mit nach Hause. Wir liesen uns Zeit für die Rückfahrt mit den 2 Autos und kamen am Nachmittag bei uns an.
Für die ersten paar Nächte schlief meine Mama bei uns. Wir wohnen in der selben Stadt. Nach Papas Beerdigung wollte Mama wieder in ihre Wohnung zurück und es ging ihr erst einmal soweit gut.
Ihr Wunsch war es jetzt umzuziehen, weil sie im 2. OG alleine nix machen konnte, die Treppen kosteten ihr die letzte Kraft. Wir, meine Frau und ich, sowie natürlich auch meine Schwiegereltern und z. T. Freunde halfen bei den Umzugsvorbereitungen und den nötigen Renovierungsarbeiten.
Dabei ging jede freie Minute für Mama weg.
Ich habe mich inzwischen "erholt" von der Lungenembolie bzw. würde sagen, musste wieder funktionieren. Habe mich aber im Sept 2019 entschieden, dass ich die Führungsposition nicht mehr schaffe und auf die 2. Ebene zurück möchte. Mein Arbeitgeber kam diesem Wunsch sehr offen entgegen, besetzte meine Führungsstelle mit einer jüngeren Kollegin und gab mit die Stellvertretung. Außerdem reduzierte ich bis Dez 2019 die Stunden, so dass ich 2 freie Tage hatte. Die investierte ich zu 80 % in meine Mama.
So vergingen die Monate und Mama konnte im Nov 2019 in ihrer neuen Wohnung einziehen. Sie kochte sich noch kleine Dinge, genoss ihren Balkon, der ihre größte Freude war.
Im Feb 2020 musste planmäßig mein 2. Fuß operiert werden (Knick.Fuß R) nach dem 1. Fuß in 2015 war nun er fällig. Ich war eine Woche im KH und kam am 21.02.20 nach Hause. Auf Grund der komplexen OP wusste ich, dass ich 6 Wochen nicht belasten kann und dann langsam mehr belasten kann. Von ca 3 Monaten Dauer ging ich aus. Ich hoffte erneut auf eine Entspannung zuhause, wenn ich vormittags alleine zuhause bin und machen kann was ich will, oder auch mal nix machen muss.
Aus diesem Traum wurde nur 2 Wochen lang was, dann kam das Corona- homeschooling. Mein Sohn bekam sehr zügig tägliche Arbeitsmengen, die er aber nur mit Druck und nicht selbstständig bearbeiten wollte. Dies erzeugte in mir wieder massiv Stress.
Zusätzlich setzte auch zu dieser Zeit bei meiner Mama ein, dass sie stellenweise neben sich stand, sie wusste dann irgendwie net weiter. Die Ärzte konnten uns nichts sagen was das ist und warum.
Ich musste dann also zusätzlich auch schon in den ersten 6 Wochen nach OP mit Taxi zu meiner Mama um nach dem Rechten zu schauen.
Ich sprach mit den Ärzten, wir untersuchten die Mama aber nichts wurde gefunden. Eine genauere Untersuchung in einer geriatrischen Klinik wurde durch Corona erst im Juni 2020 möglich. Da begann ich auch wieder mit der Wiedereingliederung auf Arbeit.
Meine neue Chefin, hatte seit ihrem ersten Tag alles mögliche geändert, was die letzten 10 Jahre unter meiner Führung sehr gut lief. Dies viel nicht nur mir auf, sondern auch anderen, logisch denkenden Kollegen. Der Unmut wird stärker auf Arbeit, da die Arbeitsbedingungen mit FFP2 und trotzdem Kunden, als wäre nix, eine eigene Angst vor Ansteckung erzeugte.
Arbeit und Pflege lief parallel, wo auch meine Frau viel zusätzlich gemacht hat.
Nach Empfehlung der Ärzte kam meine Mama im Aug in eine Tagespflegeeinrichtung, um sie vom allein sein abzulenken. Ich fuhr sie, weil es auf dem Weg lag an den 2 Tagen vor der Arbeit dorthin und sie wurde am Nachmittag heimgefahren. Inzwischen hatten wir Essen auf Rädern, die ambulante Pflege und Pflegegrad 2.
Als ich im Okt mal eine definitiv unpassende Äußerung zu einer Kollegin machte, bekom ich dafür eine arbeitrechtliche Ermahnung durch meine Chefin. (Ich musste die Kollegin ablösen, weil sie und eine Kollegin zusammen eine Schulung machen sollten. Die hätte in meinen Augen auch 15 Min später anfangen können, dann hätte ich die Ware der täglichen Lieferung auspacken können, was später nicht mehr ging, weil ich dann Kundentermine hatte. )
Anfang Nov 20 zog meine Mama dann, weil sie nicht mehr alleine zurecht kam, ins Heim um. Am 20.12. telefonierte ich mit meiner Mama zum letzten Mal und sie sagte mir, dass sie keine Lust, keine Kraft mehr hat und sich jetzt schlafen legt. Am Di den 22.12.20 verstarb meine Mama. Sie wurde 73 J und am 27.12. beerdigt.
Ich hatte nur die 2 Tage Sonderurlaub genommen und arbeitete normal weiter. Parallel begannen meine Frau und ich die Wohnung aufzulösen und alle persönlichen Dinge zu uns zu holen. Mein Sohn war oft alleine zuhause.

Seit März 2021 ist die Wohnung aufgelöst und wir dachten wieder mehr Zeit für uns zu haben.

Coronabedingt, waren wir viel zuhause und genossen die freie Zeit.
Zum Abschalten kam ich persönlich nicht, weil mich alles nervt, ich nur meine Ruhe will und am Besten alleine wäre. In der Arbeit ging es nur um max. Kundenanzahlen, möglichst hohe Verkaufszahlen. Trotz FFP2 Maske wurden Kundenmengen im kompletten 2. und 3. Lockdown also Dez 20 bis Mai 21 gefahren als wenn nichts wäre. Äußerte man Angst, sich zu infizieren, so wurde mit dem firmeneigenen Hygienekonzept argumentiert und gesagt, wenn du es nicht aushältst musst du unbezahlten Urlaub nehmen.
Man kämpfte also weiter, war oft genervt, von allem und jedem und hätte so manchen Kunden gerne mal so richtig die Meinung gesagt.

Im Urlaub im Juni 21 passierte es, durch einen dummen Zufall, ich spielte wie schon oft mit Nachbars Hund, geneinsames Grundstück, und brach mir das erste Gl. des Ringfingers der R Hand. Ursache Knochentumor. 3 Finger der R Hand wurden geschient und ich konnte nicht arbeiten in meinem Beruf. Man will abwarten ob der Knochen zusammen wächst und gleichzeitig CT und MRT vom Finger machen.
Auf Grund von Schmerzen in der Leiste und den Hoden machte ich im Juni beiläufig einen Termin beim Urologen aus. 28.06.2021 (exakt 2 Jahre nach der Embolie) bekam ich dann die Diagnose Hodenkrebs R muss zeitnah operiert werden.
Puhhh ich war bzw. bin platt

Bis zum 28.6. wurde ich mehrmals die Woche gefragt wann ich wieder arbeiten kommen kann. . was mich natürlich sehr nervte.
Seit der 2. Krebsdiagnose konnte ich endlich für Ruhe sorgen, dass man verstand dass ich erstmal nicht komme.

Nun wurde ich am 8.7.21 operiert, wo der Hoden entfernt wurde, und am 2. eine Biopsie gemacht wurde. Er wurde als Seminom eingestuft.

Die genauen pathologischen Ergebnisse bekomme ich am Fr dieser Woche mitgeteilt.

Meine Fragen :


hab ich ein burn-out, weil ich seit 2021 am Liebsten nur meine Ruhe will, auch meine Sohn und meine Frau nerven mich, obwohl sie absolut für mich da sind.

An die Arbeit will ich überhaupt nicht denken, weil dort nur Stress herrscht. (Sobald der Kunde bedient ist, wartet schon der Nächste)

Kann man mir durch einen Psychologen ambulant oder schon nur noch stationär helfen ?
Wie bekommt man aber einen Psychologen ? Die sind ja eher sehr rar.

Ich bin bereit mich zu ändern, bin auch schon gedanklich an einem Jobwechsel.

14.07.2021 13:49 • x 4 #1


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Stromboli

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Lieber Optiker4000

Danke fürs Teilen deiner Geschichte. Ich hoffe es hat dir gut getan, sie dir ein bisschen von der Seele zu schreiben?

Was deine Fragen betrifft: Für Diagnosen (Burnout usw) sind die Profis zuständig. Aus meiner Sicht sind Diagnosen zwar nicht unwichtig, aber nur begrenzt hilfreich. Sie sind wichtig für das Umfeld und manchmal erleichtern sie einem selbst, weil das Leiden einen Namen und ein Gesicht bekommt. Und sie klären, wenn richtig gestellt, was zu tun ist.

Was deine Arbeit betrifft, liest sich klar heraus, dass sie dir so nicht gut tut und ich bin froh, dass du den Gedanken an einen Jobwechsel zulässt.

Psychologische Hilfe würde ich auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Auch wenn du etwas warten musst auf einen Platz. Mein Bauchgefühl ist, dass ambulante Therapie zur Zeit okay wäre, aber auch stationär hat seine Vorteile. Lass dich da von einem Arzt beraten, dem du vertraust. Hast du einen solchen Hausarzt?

Alles Gute dir! Herzlich, Stromboli

15.07.2021 07:36 • #2


Optiker4000

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Ja es hat mir gestern sehr gut getan, diesen langen Text zu schreiben, danach war ich sehr gut gelaunt, was zuvor nicht der Fall war

15.07.2021 08:23 • x 2 #3

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