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Diagnose Double Depression - und nun?

dumbo

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Hallo zusammen,

ich bin neu und hab da mal ein paar Fragen.

Nachdem ich mich jetzt endlich dazu aufgerafft habe, noch mal einen Therapeuten aufzusuchen, um herauszufinden, was mit mir nicht stimmt, bzw. mein Verhalten mal in den Griff zubekommen und ich einen Ersttermin hatte, stellen sich mir aufgrund der ersten Diagnose einige Fragen.
Der Therapeut sagte, dass er denkt, dass ich eine Double Depression hab. Dysthymie und schwere Depression. Auf meine Frage, ob es mir dafür nicht zu gut geht, meinte er, dass das an der Dysthymie liegen würde, weil ich es nicht anders kenne.

Nach Hause gekommen und einiges gegoogelt. Dysthymie könnte sein, seit meiner Kindheit, würde viele andere Sachen mit erklären.

Aber bei der zusätzlichen schweren Depression hab ich einige Zweifel. Natürlich hab ich meine Momenten, in denen ich ganz unten bin, nichts mehr mag, mich selbst gerne los werden und mein Leben hinwerfen würde. Auf der anderen Seite komme ich in meinem Alltag aber eigentlich klar. Es ist nicht so, dass ich nur zuhause sitze, nichts mehr schaffe und den ganzen Tag weine. Für mich passt das mit ner schweren Depression nicht zusammen. Müsste ich im normalen Alltag nicht wesentlich mehr Probleme haben, als nur meinen eigenen Selbsthass zu kontrollieren? Mir von negativen Sachen, die schönen Dinge nicht kaputtmachen lassen?

Man hört immer, auch von Bekannten, die unter Depressionen leiden, dass sie sich zurückziehen, auf rein gar nichts mehr Lust haben und sich selbst vernachlässigen. Das habe ich nicht.

Ich frage mich jetzt, ob der Therapeut durch die Schilderung meiner Probleme die ich habe, aber halt nicht tagtäglich, sondern nur phasenweise, dass er zu einem falschen Schluss gekommen sein könnte. Er sagte mir, dass ich einen Psychiater aufsuchen solle, um mir erst einmal Medikamente zu verschreiben, dass ich aus dem Tief rauskommen soll, bzw. dass die negativen Gefühle nicht mehr so hoch laufen und die positiven unterdrücken, dass ich mal auf ein normales Level gebracht werde. Natürlich ist es einen Versuch wert, aber ich habe Angst, dass mein Problem eigentlich woanders liegt.

Weswegen ich mich hier angemeldet hab, ist die Hoffnung, dass mir anderen sagen, wie es Ihnen ergeht. Zieht ihr euch zurück, igelt euch ein oder ist es tatsächlich so, dass man auch mit schwerer Depression seinen Alltag mehr oder minder immer noch gemanagt kriegen kann? Ich fühl mich momentan, als hätte ich bei meiner Symptomatik gelogen, dabei geht's mir sch. und ich mag mich nicht, aber ansonsten läuft doch ziemlich vieles, was es doch normalerweise mit der Diagnose nicht dürfte.

Entschuldigt den wirren Beitrag. Vielleicht habe ich mich jetzt selbst verrückt gegooglet. (Man findet ja auch nur Beiträge, in denen steht, wir schlimm und einschränkend eine Depression eigentlich ist.) Ich hab morgen gottseidank noch ein Zweitgespräch und werde das den Therapeuten ebenfalls fragen. Aber mir würde es echt helfen andere Meinungen dazu zu hören. Von Menschen, die es betrifft.

Viele Grüße
Dumbo

24.05.2020 13:02 • #1


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buddl1

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der Mensch, der dir zuhört,
er kann nur das widerspiegeln was er zuvor gehört hat...

einen Menschen nach dem ersten Gespräch zu kennen,
er wäre fasst einem Gott gleich gestellt...

man muss tief in einem suchen, vieles mit seinen Augen sehen können und auch wollen
um zu verstehen...

sicher Medis schaffen zunächst erst mal Ruhe,
das ewige Grübeln nicht unbedingt förderlich ist.
warte das Morgen ab und wer weiß, was sich darauf für dich ergibt...

ein guter Weg jedoch,
ist hier Antworten zu finden
weil allein ist keiner der hier seine Spuren hinterlässt...
buddl1,

24.05.2020 15:08 • x 2 #2



Hallo dumbo,

Diagnose Double Depression - und nun?

x 3#3


bones

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Kann man pauschal nicht sagen, wie man sich bei einer schweren Depression sich bewegt. Es gibt Menschen, die das haben und dennoch alles weiterhin das tun , weil sie damit besser klar kommen . Es gibt aber auch sehr viele Menschen, die sind überhaupt nicht mehr in der Lage bzw. nur schwer in der Lage irgendwas zumachen.

Bei mir war von beiden etwas vorhanden.

24.05.2020 15:20 • #3


Karin0905

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Wenn man es von klein auf gewohnt ist kann man irgendwie viel ertragen. Man erträgt es halt. Es ist ja normal für einen. Für andere aber eher nicht.
Das hab ich auch schon festgestellt.
Man lebt ja schon solange damit und funktioniert halt.
Was ist dann eine schwere Depression? Tiefe Traurigkeit?
Lg
Karin

24.05.2020 20:16 • #4


bones

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Zitat von Karin0905:
Wenn man es von klein auf gewohnt ist kann man irgendwie viel ertragen. Man erträgt es halt. Es ist ja normal für einen. Für andere aber eher nicht.
Das hab ich auch schon festgestellt.
Man lebt ja schon solange damit und funktioniert halt.
Was ist dann eine schwere Depression? Tiefe Traurigkeit?
Lg
Karin



Schwere depressive Episoden werden diagnostiziert, wenn alle drei Hauptsymptome und mindestens vier zusätzliche Symptome vorhanden sind. Außerdem müssen die Beschwerden mindestens über zwei Wochen anhalten.

24.05.2020 20:52 • #5


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maya60

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Guten Morgen, Dumbo, und Willkommen hier im Forum, zuerst möchte ich mal feststellen, dass ich alle beneide, deren ÄrztInnen so gut sind, dass sie überhaupt etwas wie Double Depression in den Raum stellen.
Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es das offiziell gibt, und ich bin 60 Jahre alt, und fand es nur logisch, weil ich es ganz offensichtlich selber habe.

Und da laut meinen oberflächlichen Internetrecherchen Dysthymie und chronische Depression dasselbe darstellen sollen (?), habe ich das wohl auch, also meine offizielle Diagnose lautet chronische Depression, und dazu noch ein bis zweimal jährlich akute Phasen von schwerer Depression, die wochen- oder monatelang dauern können, ärztlicherseits aber niemand erkannte bisher.
Meine bisherige These war aber, dass es aufgrund meines ADHS und meiner extremen Reizoffenheit bei mir seit Jugendzeit spätestens zu immer häufigeren Erschöpfungsdepressionen kam und das wurde dann dauerhaft.

Die schweren Episoden sind Traumafolgen und darauf kam auch kein Arzt, aber meine Psychologin und ich selbst.

Und, ja, ich habe damit 49 Jahre lang, außer jedes Jahrzehnt etwa eine Psychotherapie, die dann einen schweren depressiven Zusammenbruch verbesserte, keine zutreffenden Diagnosen bekommen und damit aus lauter Gewohnheit gelebt und damit auch nicht die bei mir überaus notwendige medikamentöse Behandlung gehabt, um meine "verrückte Hirnchemie" zu stabilisieren, besonders mein ADHS und dann aber auch meine chronischen Depressionen.

Wenn ich heute, mit richtiger medikamentöser Einstellung und regelmäßiger psychologischer Unterstützung und Selbsthilfe-Lebensanpassung mal wieder fühle bei Medikamentenumstellungen, was ich jahrzehntelang als "Normalität" aushielt und womit ich durch reinstes Daueradrenalin durch meinen Alltag getrieben wurde, wenn ich dieses wieder fühle, dann ergreift mich das Grauen, wie ich es in einem solchen vergifteten Emotionenklima überhaupt aushielt.

Naja, mit 46 Jahren war ich dann komplett und völlig ausgebrannt und das war wohl das Resultat.

Wenn du also Phasenweise immer wieder abstürzt in psychische Symptome oder Burnout, dann kann das eine schwere Depression sein, während der ganz normale Alltag, wenn du eine Dysthymie hast und nicht anderes kennst, ganz und gar nicht heißen muss, dass du kraftlos im Bett liegst und dich zu nichts aufraffen kannst, du kannst auch von der getriebenen Sorte sein und wenn die Dysthymie leicht oder mittelgradig ist, dann kannst du auch Freude fühlen, nur viel seltener und alles mehr grau in grau, so jedenfalls bei mir.

Mein "bester Test" für die chronische Depression war, mir mal detaillierte Depressionstests anzuschauen und dort festzustellen, dass ja wohl die ganze Welt nur noch grinsend durch die Gegend laufen müsste, wenn man dem dort möglichen zuversichtlichen Lebensblick zustimmen würde.

Und wie mir meine Behandlung zeigt, kann man die Grundbefindlichkeit stark verbessern, die emotionale. Und, ich hoffe, die wiederkehrenden schweren Episoden auch. Damit dann auch die Belastbarkeit und die gesamte Lebenshaltung hin zu mehr Freude und Emotionenbreite, so meine Erfahrung.

Soweit erstmal.

Liebe Grüße! maya

25.05.2020 07:12 • x 6 #6


dumbo

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Hallo zusammen,
Und Hallo Maya,

deinen Beitrag zu lesen hat mir Mut gemacht, mich aber auch etwas geschockt. Ich gehe auf die 40 zu und habe auch schon viel zu lange meine Probleme (versucht) zu verdrängen leugnen. etc.
Von einer Double Depression oder Dysthymie hatte ich vorher auch noch nichts gehört und ich hab im letzten Jahr viel im Netz verbracht, auf der Suche herauszufinden, was mit mir nicht stimmen könnte. Tja Und dann kommt einer, der schlägt dir nach 30 Minut3n was vor, und in Bezug auf die Dysthymie sagst du dir... Joa.. Da könnte er echt getroffen haben.

Hatte heute mein Zweitgespräch bei besagtem Therapeuten. Die Diagnose ist nicht endgültig, auch dass ich meinen Alltag eigentlich wuppe hat er aufgenommen. Er sagte, es ist immer schwierig abzugrenzen, was schwer, mittel und leicht ist und die Fragebögen dazu sind sehr starr in den Grenzen. Er fragte auch nach, ob ich mit der Diagnose etwas anfangen kann oder was ich dazu meine. Mich beruhigt, dass es für ihn nicht in Stein gemeißelt ist. Und mir ist die Diagnose jetzt auch endlich erstmal zweitrangig, weil ich will, dass es mir besser geht und da kann mir theoretisch egal sein, was ich hab, wenn die Therapie + Tabletten funktionieren.

Auch um einen Termin beim Psychiater für Tabletten will ich mich kümmern. Was hab ich schon zu verlieren, wenn ich Pech hab, helfen sie nicht, dann kann ich sie aber jederzeit wieder absetzen. Wenn ich Glück hab, ändert sich irgendwas, was ich mir gerade noch nicht vorstellen kann. (Ein Dauergrinsen Stelle ich mir gerade noch sehr sehr anstrengend vor. )

Auf die Frage, was ich will, konnte ich ihm heute nicht recht antworten, es kam nur, ich wäre gerne glücklich und normal, das wäre zur Abwechslung mal schön.

Leider erwähnte er auch, dass er nicht weiß, ob er momentan einen Therapieplatz für mich hat.

Auf meine Nachfrage, ob er mir andere Therapeuten empfehlen kann, hab ich gleich am Samstag einen neuen Termin bekommen, in dem wir uns damit befassen, auch wenn es bei denen ebenfalls nur um einen Platz auf der Warteliste geht. Aber, wenn die Symphathie passt, sind mehrere Plätze evtl nicht verkehrt und ich kann meine Probleme mal irgendwann anfangen aufarbeiten und doch noch normal leben. Oder zumindest meinem Freund das Leben nicht so zur Hölle machen. Der bekommt meine angestaute Wut/Reizbarkeit leider jedesmal ab.

Euch allen einen schönen Abend.

25.05.2020 19:09 • x 3 #7


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Julie_Norden

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Liebe @dumbo,

du fragst nach unseren Erfahrungen und ich berichte dir gerne von meiner, vielleicht vermag es dir zu helfen. Ich befinde mich seit gut 5 Jahren in einem Burn-out. Allerdings, und das verstehen meine Ärzte und Therapeuten leider nicht sehr gut, habe ich bis auf die Grunderschöpfung und in zugespitzten Phasen auch eine Lebensunlust keine Anzeichen eines "typischen" Burn-outs. Ich habe zu keiner Zeit Antriebschwäche gehabt, eher das Gegenteil. Ich hab nicht geschafft loszulassen. Mein Hirn hat immer prima funktioniert, kein Problem mit Konzentration oder keine Lust auf schöne Dinge unternehmen, Libido, Appetit alles gleich. Das hat natürlich gar nicht gut in das Schema der behandelnden Ärzte gepasst. Ich bin ein gut gelaunter Misantroph und habe eine Panik vor Lärm. Aber "echte" depressive Züge gibt es nicht.

Ich mag also sagen, es gibt die verrücktesten Kombinationen und nicht immer passt alles in den Rahmen, den der Schulmediziner so kennt. Ich finde es klasse, dass du den starken Willen hast, dass es dir besser gehen soll. Und dich so aktiv in die Gespräche begibst. Ich drück dir alle Daumen, dass du schnell einen guten Platz findest!

Liebe Grüße
Julie

25.05.2020 19:25 • x 1 #8


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Pilsum

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Hallo Dumbo,

natürlich verstehe ich, dass es Dir angenehm wäre, wenn Du eine klare Diagnose hättest.
Die gibt es bei psychischen Störungen leider eher selten.

Ein wesentlicher Grund besteht darin, wie auch @buddl1 es schon gesagt hat
Zitat:
der Mensch, der dir zuhört,
er kann nur das widerspiegeln was er zuvor gehört hat...


Dies bedeutet, wenn Du Dein Problem noch nicht genau genug beschreiben kannst,
kann folglich auch die gestellte Diagnose nur ungefähr zutreffen.

Das ist aber nicht schlimm. Weil Deine Therapiegespräche wirst Du selbst nach Deinen
Wünschen und Bedürfnissen mehr oder weniger gut selbst steuern.
Wo Deine psychischen Probleme vermutlich liegen erkennst Du meistens dann,
wenn Du beobachtest, wie Du mit anderen Menschen kommunizierst (umgehst).
Zitat:
Oder zumindest meinem Freund das Leben nicht so zur Hölle machen. Der bekommt meine
angestaute Wut/Reizbarkeit leider jedesmal ab.


Wofür brauchst Du hier eine weitere Diagnose? Beseitige mal diesen sichtbaren Teil
dieser Verhaltensstörung. Möglicherweise gehst Du mit Dir selbst ja genauso um,
wie mit Deinem Freund. So etwas kannst Du lernen abzustellen.
Danach kannst Du weiter danach suchen, was Du im zwischenmenschlichen Bereich
noch erkennst.

Viele Grüße

Bernhard

06.06.2020 12:49 • #9


dumbo

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Zitat von Pilsum:
Wofür brauchst Du hier eine weitere Diagnose? Beseitige mal diesen sichtbaren Teil
dieser Verhaltensstörung. Möglicherweise gehst Du mit Dir selbst ja genauso um,
wie mit Deinem Freund. So etwas kannst Du lernen abzustellen.

Nicht nur möglicherweise, ich gehe so mit mir selber um, bzw. noch schlimmer. Hatte ich oben nicht erwähnt. Ich habe eine ziemlich stark (erlernte) Selbstablehnung, Selbstherabwürdigung. Ich weiß sogar ziemlich genau woher sie kommt, was mir leider bisher nichts im Umgang mit mir und anderen geholfen hat.

Bei dem Therapeuten war ich jetzt viermal im Sinne des Vorgesprächs. Er hat ganz zu Beginn gesagt, er empfehle mir eine längere Therapie, jetzt sagte er, er würde erstmal mit einer Kurzzeittherapie anfangen und gucken, wohin uns das führt. Er meinte auch, dass er das Hauptthema darin sieht, dass ich Konflikte besser bewältige, woraufhin ich ihn korrigieren musste, denn ich seh mein Problem nicht im Konflikt, sondern darin, dass ich diese Konflikte mit meinem Verhalten auslöse und das würde ich gerne ändern.

Gelassener reagieren, wenn etwas anders läuft als ich es gerne hätte. Entspannter zu reagieren, wenn etwas gerade nicht funktioniert oder nicht so schnell erledigt ist, wie ich es will. Entspannt auf eigene Fehler schauen können, ohne Über-Perfektion von mir selber zu erwarten. Meine Bedürfnisse einfach mal wörtlich ausdrücken können, ohne wie ein Kleindkind zu reagieren, überhaupt herauszufinden, was ich in bestimmten Situationen überhaupt will anstatt gleich wütend zu werden.

Ich hatte überlegt, ob es sinnig ist, die Therapie bei dem Therapeuten durchzuführen oder doch zu warten bis ein anderer Platz hat, der meinte, ich habe zusätzlich zur Depression einen Anteil der emotional, instabilen Persönlickeitsstörung des impulsiven Typs. Gottseidank steht mein Freund trotz allem hinter mir, kennt mich sehr gut und meinte, fang doch da erstmal an. Wenn sich herausstellt, dass es nichts ist, kannst du wechseln. Wenn du jetzt auf den anderen wartest und dann da anfängst, denkst du dasselbe andersherum, nämlich, dass du doch lieber bei dem Ersten hättest bleiben sollen. Und er hat Recht, ich bin echt unfähig Entscheidungen zu treffen, ohne sie vorher tot durchdacht zu haben.

Ich hab halt Angst, dass ich wieder Zeit verschwende, die ich besser hätte einsetzen könnten. Meine letzte Therapie war vor 3,5 Jahren der totale Reinfall, aber ich war leider unfähig, dem Therapeuten zu sagen, dass es mir nicht hilft, wenn er mich zurück anschweigt, wenn ich nichts zu sagen habe und ansonsten gerne hätte, dass ich das Verhältnis zu meinem Vater bessere, denn er sieht, dass mich das belastet. *kräftig mit den Augen roll* Manchmal kann man bestimmte Dinge eben einfach nur abhaken und nicht nachholen, weil die andere Person das nicht möchte/will/kann.

Ich schweife ab. Ich werd beim 5. Vorgespräch nochmal klar machen, worum es mir geht in der Therapie und auch fragen, wie diese aus der Sicht des Therapeuten ablaufen soll. Was mich erwartet. Ich weiß teilweise nicht, worüber ich reden soll, was erwartet mein Gegenüber... Vergangenheit, Gegenwart, Probleme, schöne Dinge... Ich find das echt schwierig. Ich wurde beim letzten Termin gefragt, woran ich merken würde, dass mir die Therapie helfen würde bzw. was passieren müsste damit es besser wird. Und ich saß da und dachte mir, also wenn ich das wüsste, säße ich doch nicht dort. Also war es ein, ich weiß es nicht, ich wünschte halt, mir würde jemand sagen, tu doch mal dies oder jenes und schaue wie es läuft, mir eine Art Anweisung gibt, was ich probieren kann, damit es besser wird.

Mal gucken, was nächste Woche noch raus kommt.

06.06.2020 14:32 • x 1 #10


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Pilsum

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Vielen Dank für Deine aussagekräftige Antwort.

Ich habe den Eindruck, Du weißt ziemlich genau, was Du möchtest. Zumindest schriftlich
hast Du das hier klar ausgedrückt. Dann kannst Du es sicher im Gespräch auch in Worte fassen.
Zitat:
Gelassener reagieren, wenn etwas anders läuft als ich es gerne hätte. Entspannter zu reagieren, wenn etwas
gerade nicht funktioniert oder nicht so schnell erledigt ist, wie ich es will. Entspannt auf eigene Fehler schauen
können, ohne Über-Perfektion von mir selber zu erwarten. Meine Bedürfnisse einfach mal wörtlich ausdrücken
können, ohne wie ein Kleinkind zu reagieren, überhaupt herauszufinden, was ich in bestimmten Situationen
überhaupt will anstatt gleich wütend zu werden.


Hervorragend zusammengefasst hast Du das, finde ich. Dann gehe es an. Nun wirst Du fragen.
Und wie mache ich das?
Du kannst ganz langsam beginnen Dir bewusst anzuschauen, wie Du normalerweise reagierst.
Nun sagtest Du. Zukünftig möchte ich gern anders reagieren. Das kannst Du langsam lernen, wenn
Du das möchtest.
Voraussetzung dafür ist, dass Du Dich ein wenig damit beschäftigst, wie wir mit unserem Kopf denken
und was wir machen sollten, wenn wir etwas ändern möchten.

Dein Freund wird Recht haben. Du solltest einfach anfangen. Dann kannst Du immer noch überlegen, ob
Du dabeibleibst oder etwas anderes lieber machst.
Das Du Zeit verschwendest, davor brauchst Du keine Angst zu haben. Wenn Du jetzt intensiv trainierst,
Deine Empfindungen etwas besser zu kontrollieren, wirst Du Erfolg haben.
Zitat:
Also war es ein, ich weiß es nicht, ich wünschte halt, mir würde jemand sagen, tu doch mal dies oder jenes
und schaue wie es läuft, mir eine Art Anweisung gibt, was ich probieren kann, damit es besser wird.

Zitat:
Gelassener reagieren, wenn etwas anders läuft als ich es gerne hätte.


Erkennst Du, wie sich diese beiden Aussagen von Dir widersprechen?

Mal abgesehen davon, dass das Leben fast nie so läuft, wie wir es gern hätten, solltest Du weniger
andere fragen, was Du machen sollst. Weil wenn Du immer andere fragst, entscheiden die für Dich
und dann läuft es noch seltener so, wie Du es möchtest. Und Deine Aggressionen steigen weiter.
Zitat:
Und er hat Recht, ich bin echt unfähig Entscheidungen zu treffen, ohne sie vorher tot durchdacht zu haben.


Wenn Du glaubst, Dein Freund hat hier Recht, dann beginne heute noch Entscheidungen schneller
zu treffen, ohne sie bist zum toten Ende zu durchdenken. Falls Du später feststellst, dass eine andere
Entscheidung für Dich besser gewesen wäre, kannst Du Deine Entscheidung später eventuell nochmal korrigieren.

Viele Grüße

Bernhard

06.06.2020 17:57 • #11


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Mas83

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Liebe Dumbo,

Ich möchte nur kurz über meine eigene Erfahrung erzählen, vielleicht bringt dir das was.

Ich habe (in Nachhinein diagnostiziert) mindestens 3 depressive Episode gehabt. Bei der erste hatte ich konkrete Vorstellungen wie ich mich umbringen könnte, ich könnte kaum einem Zug sehen, weil ich dachte, ich springe auf den Gleisen und jeder Tag hatte ich unglaublich viele Panikattacke, ich könnte nie ruhig sitzen, war komplett klaustrofobisch und "schaffte" es doch irgendwie den normalen Alltag zu bewältigen. Einfach weitermachen.

Bei der zweite Episode war ich zu müde zu Duschen, sah ich den Sinn von vielen Dingen nicht ein, hatte aber keine Suizidgedanken und bin weiterhin arbeiten gegangen.

Der jetzige Episode dauert fast schon 2 Jahre, vor ungefähr einem Jahr ist sie diagnostiziert. Seitdem arbeite ich nicht mehr. Ich habe keine Panikattacke, ich kann ruhig sitzen, habe keine Suizidgedanken, aber ich war sehr oft hoffnungslos, traurig und bin in einem Platz gelandet wo alles schwarz und leer und ohne Gefühle war, und ich bin unendlich müde. Seit ein paar Monate nehme ich Medikamente und das hat mich viel geholfen, um nicht mehr in diesem schwarzer Loch zu fallen. Ich bin aber noch immer müde und vieles kostet mir Kraft.

Was ich damit sagen will, ist das jeder Depression anders ist. Auch mein Psychiater meinte, ich hätte eher eine schwere Episode, meine Psychologin meint mittelschwer. Und am Ende ist es auch egal.

Ich glaube, du weißt was du willst. Hör auf deinem Gefühl. Und nimm vielleicht den Platz an, wechseln kannst du immer noch.

Alles Gute für dich.

LG,
Mas

06.06.2020 18:34 • x 2 #12


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Mira13

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Hallo Dumbo,
ich bin neu hier im Forum und auf deinen Bericht gestoßen.
Ich kann mich mit deiner Situation gut identifizieren. Ich komme im Alltag zurecht, gehe arbeiten und nehme am Leben teil. Jedoch immer mit einer Grundtraurigkeit. Seit einiger Zeit erkenne ich, dass es bei mir irgendwie schon immer so war. Momentan fühle ich mich depressiver als vor einigen Jahren. Vor ca 5 Jahren begann eine schwere Schicksalszeit bei mir und das war sicher der Auslöser. Panikattacken hatte ich auch ganz lange, jedoch überstanden. Nun bin ich irgendwie in der Phase zu akzeptieren, bewusst erkennen, wütend zu sein und Lösungen zu suchen.... Wie du schon schreibst,.. es ist schwer zu beschreiben wie man fühlt und ein bisschen durcheinander. So geht es mir auch. Danke für deinen Bericht!

Wie geht es dir momentan?
LG Mira

10.08.2020 10:18 • x 1 #13


dumbo

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Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung wie es mir momentan geht. Irgendwie so lala. Mein Alltag läuft wie üblich weiter. Momentan ist's gut, dass wir Urlaub haben. Diese und nächste Woche noch. Ich bin froh, dass wir doch nicht weggefahren sind, wie ursprünglich mal geplant. Hatte absolut keine Lust auf rumlaufen und Sachen anschauen. Mein Freund ebenso wenig. Mag auch daran liegen, dass es in unseren Jobs die letzte Zeit sehr sehr stressig war und wir einfach mal froh sind abzuschalten. Und ich sowieso gefühlt nur noch müde bin.

Ich werde morgens nicht richrig wach und könnte eigentlich gleich wieder nickern. Ist aber eine schlechte Idee, weil ich dann abends hellwach sein werde. Muss mich schon ganz schön aufraffen, Dinge zu unternehmen. Erst wenn ich mittendrin bin, merke ich, wie gut sie mir tun und wie gut es sich abends anfühlt auf der Couch zu sitzen oder draußen auf der Terasse und den Tag ausklingen zu lassen.

Ich hab ein wenig Angst davor, dass mir die Diagnose als Ausrede dienen wird, wenn ich mal keine Lust auf bestimmte Dinge haben. Ach, ich hab ja ne Depression, also kann ich doch auch liegen bleiben. Bisher klappt's aber meist noch mit m Aufraffen und wenn wir mal nen Tag wenig tun ist das auch ok.

Mein größeres Problem ist aber anscheinend wohl mein Selbstwert. Daran arbeite ich auch gerade in der Therapie. Bin bei dem ersten Psychologen geblieben. Der tut mir ganz gut. Ich hätte zwischenzeitlich noch Probesitzungen bei einer anderen sehr jungen Psychologin. Hab allerdings gemerkt, dass sie mir eher auf die Nerven geht. Sie redete zu viel, hat mich ständig gelobt, wie weit ich doch eigentlich bin und dass ich auch einem guten Weg bin etc pp blablabla. Gerade das Loben hat mich ziemlich genervt. Ich weiß ja selber, dass ich vieles schon erkannt hab und nun an einem Lösungsweg arbeite aus meinen ganzen alten, erlernten Verhaltensmuster auszubrechen. Ich brauche dafür kein Lob, das bringt mir so gar nichts. Ich finde Lob von anderen Menschen ok, es ist ihre Sicht der Dinge, kann ich hinnehmen, aber ich ziehe da nichts draus, mag sein, dass andere Menachen das brauchen und es ihnen wichtig ist, Anerkennung zu bekommen von anderen, mir nicht. Ich muss lernen, dass ich mich selber mag, dass ich selbst da hin komme mich zu loben, stolz auf mich zu sein, auf Dinge, die ich tue oder eben sein lasse, dass ich ok bin. Das lerne ich leider nicht dadurch, dass andere mich loben. Das wirkt auf mich eher albern. Mag vielleicht auch an ihrem Alter gelegen haben und daran, wie sie das Lob aussprach. Der Therapeut, bei dem ich dann geblieben ist, macht das irgendwie anders. Er lobt eher indirekt ohne zu sagen "oh, das ist aber sehr gut, dass sie das gemacht haben, da können Sie aber stolz auf sich sein!" Es ist eher so "Merken Sie, was sie da gemacht haben? Was empfinden sie dabei?" Er bringt mich eher in die Richtung bestimmte Dinge anzuerkennen und andere zu akzeptieren, die ich bisher als total furchtbar angesehen habe, dass sie vielleicht gar nicht so schlimm sind. Er bringt mich zum nachdenken, zzm überlegen. Manchmal ist er auch still. Das war am Anfang furchtbar. Unerträglich. Ist es eigentlich immer noch, aber ich versuche zu lernen, es anzunehmen, einfach mal 5 Minuten gar nichts sagen, da sitzen, fühlen, wie es mir geht, die Anspannung wegzulassen. Immerhin Sitz ich in den Sitzungen nicht mwhr so oft in der "Abwehr, hab Acht Stellung", sondern teilweise zurückgelehnt, fast entspannt.

Ich werde am 24.8. mit meinen Tabletten anfangen und hoffe, dass ich etwas aus dieser Trägheit rauskomme. Dass ich vielleicht nicht mehr bei so vielen Dingen vorher nörgle, dass ich da absolut keine Lust drauf hab, sondern sie einfach tue. Ggf sogar von vornherein Spaß dran habe. Manchmal glaube ich, dass ich mir unbewusst solche Dinge aufzwinge/mich zu Sachen verabrede, damit ich nicht ganz abrutsche und nur noch vor mich hinvegetiere. Ich hoffe, man versteht, was ich meine.

Ich meine, ich hab mittlerweile wohl schon ein wenig dazu gelernt. Ich wünschte, es würde alles nicht immer so ewig dauern und so mühsam sein. Dinge zu ändern ist echt Schwerstarbeit. Blöd, dass ich es alles erst so spät erkannt habe und nicht früher schon daran gerüttelt/gearbeitet hab. Ich find die Diagnose immer noch etwas komisch und auch merkwürdig, dass mir mein früherer Therapeut nie solch eine gestellt hat. Das war vor über 15 Jahren, damals war ich wegen SVV in Verhaltenstherapie, aber ne Diagnose hatte ich damals nicht wirklich bekimmen, hat mich damals auch nicht gestört, es war ja wegen dem SVV. Manchmal denke ich aber, dass man das früher hätte erkennen können dann hätte ich schon was tun können und nicht so viel Zeit verschwendet... Dann werde ich wieder sauer, weil es meinen Eltern scheinbar auch egal war, die hätten mich auch zu dem Kinderpsychologen schicken sollen. Ich war damals so auffällig neben der Spur. Aber so ist es halt eben. Nun bin ich dabei alles anzunehmen, zu ändern, zu akzeptieren. Schwierig.

15.08.2020 12:35 • x 2 #14


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Mira13

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Liebe Dumbo,
Danke für deinen Bericht. Ich kann mich da sehr gut wiederfinden. Vor allem diese Stimmung, die du beschreibst. Ich hatte auch erst Urlaub und war auf Rügen und hatte auf Unternehmungen wenig Lust. Da habe ich es so gemacht... Mir gesagt. Es ist ok, wenn ich keine Lust habe! Ich habe eine Depression. Du sagst, du hast Angst davor das dir die Depression als Ausrede dienen wird. Diesen Punkt finde ich sehr wichtig. Sie ist einfach da und du kannst ihr den Raum geben. Ich kenne das. Ich bin sehr perfektionistisch, habe gern alles unter Kontrolle und mir fällt es schwer vor anderen nicht mehr fröhlich, hilfsbereit und die Gute zu sein. In den letzten Monaten habe ich gelernt so zu sein wie ich gerade bin. Depressiv. Und das lerne ich momentan noch. Die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen. Was tut mir gut? Nichts zu machen, zu relexen,... Mir tun viele Dinge gut. Mit meinem Partner ist es so, dass er lernt damit umzugehen. Das ist ein Prozess und reden ist da ganz wichtig. Reden kann ich auch erst seit ein paar Monaten so richtig drüber. Ich habe schon immer gespürt... Irgendwas stimmt nicht mit mir. Vor 5 Jahren war ich beruflich sehr aktiv, auch noch nicht so depressiv. Dann folgten mehrere Schicksalsschläge nacheinander... Die Depression war da und Panikattacken. In dieser schweren Zeit habe ich mich entwickelt, war lange krankgeschrieben, hatte einen Therapeuten und meinen christlichen Glauben. Nach wie vor mein Anker und Entwicklungsprozess.
Es ist sehr schwer. Aber ich sehe diese " Tiefen" auch als Chance. Vorallem in geistiger Ebene zu wachsen. Ich bin trotzdem oft wütend und nehme meine Zustand BEWUSST jetzt erst wahr.

Mit Psychologie habe ich mich schon eit meiner Jugend beschäftigt. Da ist mir gestern eingefallen... Es gibt ja die Trauerphasen. Die sind im Allgemeinen für Sterben, Trauer und auch Krankheitseinsicht gedacht.
1: Nicht-Wahrhaben - Wollen
2: aufbrechende Emotionen
3: suchen und sich trennen
4: neuer Selbst - und Weltbezug.
Der Prozess ist nicht leicht. Ich weiß.

Schön, dass dir die Therapie gut tut. Dieses Loben mag ich auch nicht. Klingt so wie bei einem Kind.
Was die Kindheit betrifft... Ja, das ist mit ein sehr wichtiges Thema!
Mit meiner Mutti bearbeite ich die Kindheit, seit mein Papa vor 4 Jahren verstorben ist, sehr intensiv. Und mit meiner Schwester. Das hilft sehr!
Viele Themen, worüber man viel schreiben kann.
Liebe Grüße!

15.08.2020 13:58 • x 2 #15


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Pilsum

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Hallo Dumbo,

Zitat:
Mein größeres Problem ist aber anscheinend wohl mein Selbstwert.


Zitat:
Ich brauche dafür kein Lob, das bringt mir so gar nichts.
Ich finde Lob von anderen Menschen ok, es ist ihre Sicht der Dinge, kann ich hinnehmen, aber ich ziehe da nichts draus, mag sein, dass andere Menschen das brauchen und es ihnen wichtig ist, Anerkennung zu bekommen von anderen, mir nicht. Ich muss lernen, dass ich mich selber mag, dass ich selbst da hin komme mich zu loben, stolz auf mich zu sein, auf Dinge, die ich tue oder eben sein lasse, dass ich ok bin. Das lerne ich leider nicht dadurch, dass andere mich loben. Das wirkt auf mich eher albern.


Hier scheinst Du Dich etwas zu irren. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich Dich hier kritisiere.

Wir alle brauchen immer mal wieder ein Lob und wir alle brauchen auch immer mal eine
negative Kritik. Das ist unbedingt notwendig, damit wir unseren Selbstwert überhaupt erst aufbauen können.
Ein Mensch der nie gelobt wurde hat dadurch, genau wie ein Mensch der immer nur gelobt wurde,
oft ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl.
Wir brauchen möglichst viel ehrliches Lob und ehrliche, sachliche Kritik.

Rechnen macht keinen Sinn, wenn Dir niemand sagt, ob 25 plus 7 als Ergebnis 38 ergibt.
Für 38 gibt es eine Kritik. Du rechnest falsch:
Für 32 gibt es ein Lob. Das hast Du gut gerechnet. Es stimmt.

Deinen Selbstwert kannst Du verbessern, wenn Du anderen etwas über Deine Lebensansichten
erzählst. Je mehr Menschen Deine Meinung teilen, umso besser wirst Du Dich fühlen.

Teilen die Menschen Deine Meinungen nicht, wirst Du Dich eher schlecht fühlen oder den Ausweg suchen,
Dass Du Dein Gefühl verdrängst. Durch das Verträngen von Deinen Gefühlen, weißt Du dann nicht so richtig,
wie Du Dich fühlst.

Zitat:
Ich meine, ich hab mittlerweile wohl schon ein wenig dazu gelernt. Ich wünschte, es würde alles nicht
immer so ewig dauern und so mühsam sein. Dinge zu ändern ist echt Schwerstarbeit.


Schwer ist es meistens deshalb, wenn Du versuchst etwas zu lernen, was Dir andere empfehlen,
was Dir aber im Grunde gar nicht für Dich persönlich richtig erscheint.

Zitat:
Nun bin ich dabei alles anzunehmen, zu ändern, zu akzeptieren. Schwierig.


Was möchtest Du denn hauptsächlich ändern? Weil, alles ändern und alles
annehmen und akzeptieren wird nicht unbedingt der richtige Weg werden.

Da wird es bestimmt Einiges geben, was Du hoffentlich nicht verändern willst.

Viele Grüße

Bernhard

15.08.2020 14:08 • x 2 #16


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Mira13

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Danke, Bernhard, für deinen Bericht

15.08.2020 14:18 • x 2 #17


dumbo

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Hallo Mira,

Ich finde mich in einigen Dingen wieder, bei dem, was du schreibst.

Zitat von Mira13:
Da habe ich es so gemacht... Mir gesagt. Es ist ok, wenn ich keine Lust habe! Ich habe eine Depression.

Ein klares Jain von mir. Ich kann nicht nichts machen. Ich hab nen inneren Drang irgendwas tun zu müssen. Wenn ich gut bin, halte ich es 10- 15 Minuten ohne Nichtstun aus. Mehr geht nicht und wenn ich dann z.B. nicht spazieren gehe, nicht analog spiele, nicht ein Buch lese, dann fange ich mit anderen Dingen an, die in dem Moment nicht gut für mich sind. Wie z.B. putzen, aufräumen, irgendwelche Dinge erledigen, die ich lt. meines eigenen Denkens unbedingt noch erledigen muss. Dabei wäre der Spaziergang die bessere Wahl gewesen, weil ich dabei runtergekommen wäre, weil ich mich dabei mal nicht mit den Sachen beschäftigt hätte, die ich machen "muss". Natürlich fühlt man sich gut, wenn man unliebsame Dinge erledigt, ich muss allerdings lernen, dass es auch vollkommen ok ist, wenn ich sie nicht (sofort) tue und dass ich ok bin, wenn ich sie nicht tue.

Zitat von Mira13:
Ich kenne das. Ich bin sehr perfektionistisch, habe gern alles unter Kontrolle

Voll ich! Kann ich eins zu eins abhaken. Und wehe, die Kontrolle entgleitet mir oder es läuft nicht so, wie ich es mir gedacht habe. Das kann mich und meine Stimmung um 180 Grad drehen. Auch da muss ich mehr Akzeptanz lernen. Wichtiger Punkt bei mir, um Hilfe zu bitten, nicht mehr der Meinung sein, alles selber regeln zu wollen/müssen. Hilfe ist ok. Meine Bedürfnisse einbringen und diese auch mal in den Vordergrund zu stellen. Schwach sein zu dürfen, ohne dass ich ausgegrenzt werde, ohne dass ich gleich falsch bin.


Zitat von Mira13:
Die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen.

Ich glaube, die erfülle ich schon lange nicht mehr. Ironischerweise habe ich ein halbwegs gutes Selbstbewusstsein (wenn es nicht gerade zusammenbricht, weil mein Selbstwert wieder in den Keller fällt). Ich habe vor Jahren gelernt auch mal Nein zu sagen. War ein ewig länger Prozess. Hilfe anzubieten, wenn ich mag und wenn man die nicht will, mich nicht aufdrängen. Gerne aber bei Freunden, die um Hilfe bitten auch zu helfen. Manchmal vielleicht nicht sofort (je nach Anfrage), aber dann wenn mir es passt. Das war und ist für mich eine große Erleichterung. Mir überlegennzu können, willst du das gerade wirklich oder sagst du nur ja, weil du der Meinung bist, dass es andere von dir erwarten.

Zitat von Mira13:
Ich habe schon immer gespürt... Irgendwas stimmt nicht mit mir.

Das Gefühl hatte ich seit Kindheitstagen. Schon im Kindergarten-/Grundschulalter. Aus heutiger Sicht tut mir mein inneres Kind wirklich leid und ich versuche mit ihm zu arbeiten. Ich habe mich selbst sehr viel mit Psychologie auseinandergesetzt. Lese immer noch gern über diese Themen. Ich hab ewig versucht herauszufinden, was mit mir nichts stimmt. Warum ich so bin wi3e ich bin etc. Aber nie eine Antwort gefunden. Die Diagnose Depression hätte mich schon etwas "geschockt", weil so "einfach". Ich dachte immer, ich muss irgendeine abstruse Persönlickeitsstörung haben.


Zitat von Mira13:
Ich bin trotzdem oft wütend und nehme meine Zustand BEWUSST jetzt erst wahr.

Wütend bin ichbauch oft. Wahrgenommen habe ich es immer. Ich lerne momentan herauszufinden, was mich wütend werden lässt welches Gefühl da wirklich hintersteckt. Wütend zu sein scheint bei mir einfach eine Abwehrreaktion zu sein und dann verletze ich andere bevor die mich verletzen. Ja, da kommt auch noch viel aus der Kindheit.

Zitat von Mira13:
Mit meiner Mutti bearbeite ich die Kindheit, seit mein Papa vor 4 Jahren verstorben ist, sehr intensiv. Und mit meiner Schwester. Das hilft sehr!

Das freut mich wirklich für dich. Ich kann mit meiner Mum ganz gut reden, aber eher oberflächlich und nicht so detailliert. Ihr neuer Lebenspartner funkt da gern dazwischen, er war auch der Meinung, ich hätte doch gar keine Depression (hatte es den beiden bei einem Besuch erzählt), er fragte meine Mum direkt "Name, sieht die aus als hätte sie eine Depression?" Worauf meine Mum gottseidank nur nickte weil sie selbst über Jahre depressiv war und am Ende in einer schweren Depression feststeckt. Er war dann ruhig. Hab meiner Mum später auch gesagt, dass ich mich mit ihm da nicht drüber unterhalten will. Er hat eh generell seine Meinung und mag nicht mit Tatsachen verwirrt werden.

Ich habe drei Brüder. Ich würde so gerne mit Ihnen darüber reden. Aber der ältere ist wie mein Vater (zu letzterem habe ich den Kontakt abgebrochen), emotionslos, Probleme werden unter den Teppich gekehrt (oder wenn man mal über was redet, dreht er es gleich um und erzählt nur von seinen Wehwehchen), es wird nicht groß über unsere Kindheit geredet. Unsere Eltern waren eben so, wie sie sind und haben ihr möglichst Bestes gegeben, das ist alles ok und Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn wir ein Problem habem, ist das unseres, darüber redet man nicht.

Mein jüngster Bruder redet nicht gern über das Thema unserer Kindheit. Was verständlich ist, hat er wohl am meisten unter unserem Vater gelitten. Unsere Eltern trennten sich als er 14 war. Vater wohnte weit weg, kam aber zu Besuch ins Dorf, um seine Freunde zu treffen, aber seinen Sohn ließ er links liegen. Oder er sagte, er komme vorbei und kam einfach nicht. Mein zweitjüngster Bruder hat den Kontakt zu allen abgebrochen. Seine letzte Mitteilung an mich bestand darin (Ich hatte ihn immer wieder angeschrieben, weil ich nicht aufgeben wollte), dass er sagte, es gehe ihm gut, aber er hat momentan nicht das Bedürfnis nach Kontakt und es läge nicht an mir. Das muss ich akzeptieren. Ich hoffe, dass er vielleicht irgendwann mal mit mir darüber reden mag, sich austauschen mag. Aber bis dato geht das mit keinem. Leider.

15.08.2020 14:43 • #18


dumbo

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Hallo Pilsum,

Zitat von Pilsum:
Hier scheinst Du Dich etwas zu irren. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich Dich hier kritisiere.

Ja natürlich darfst du das. Ich bitte sogar da rum. Man sieht ja immer nur das, was man kennt.


Zitat von Pilsum:
Wir alle brauchen immer mal wieder ein Lob und wir alle brauchen auch immer mal eine
negative Kritik.

Da stimme ich dir natürlich zu. Hab mich oben nicht ganz klar ausgedrückt. Das Lob, wie es diese junge Psychologin gemacht hat, war für mich falsch. Es klang unecht. Es klang als wenn sie zu einem kleinen Kind redet, dem man sagt, dass es ja supertoll ist, dass es ganz alleine, ohne fremde Hilfe auf den Kletterturm gekommen ist. Und das immer und immer wieder. Lob in der Form, übertrieben, (für mich) falsch formuliert, in den (für mich) falschen Worten bringt mir nichts. Das nehme ich nicht ernst und erst Recht nicht an. Bzw. Denke teilweise, ja du Flachschippe, das weiß ich schon selber, dass musst du mir bedtimmt nicht sagen. Ich brauche ehrlich gemeintes Lob, ein kurzes das ist gut ist oft besser als ausschweifendes in den Himmel loben.


Zitat von Pilsum:
Wir alle brauchen immer mal wieder ein Lob und wir alle brauchen auch immer mal eine
negative Kritik. Das ist unbedingt notwendig, damit wir unseren Selbstwert überhaupt erst aufbauen können.
Ein Mensch der nie gelobt wurde hat dadurch, genau wie ein Mensch der immer nur gelobt wurde,
oft ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl.
Wir brauchen möglichst viel ehrliches Lob und ehrliche, sachliche Kritik.

Auch da Stimme ich dir zu. Leider habe ich das als Kind nicht bekommen. Fast kein Lob und auch keine sachliche Kritik. Eher gab es die Fragen "was stimmt mit dir eigentlich nicht?" Oder ich würde mit anderen verglichen, natürlich haben die immer es besser, richtig gemacht. Kein Wunder für mich, dass ich heute so schlecht von mir denke, ich hab's nicht anders gelernt.

Zitat von Pilsum:
Deinen Selbstwert kannst Du verbessern, wenn Du anderen etwas über Deine Lebensansichten
erzählst.

Schwieriges Thema. Da ich oft nur Ablehnung erhalten hab, ist das sich Öffnen für mich extrem schwer. Was, wenn mein Gegenüber das weitertratscht. Was, wenn er es abwertet, mich abwertet. Was, wenn er es gegen mich verwendet. Was, wenm was weiß ich, sonst noch alles passieren könnte, woran ich gerade nicht denke. Natürlich alles in die negative Richtung. Positiv kann ich da nicht. Ich hadere momentan einer Freundin davon zu erzählen. Aber ich bin wirklich hin und hergerissen, weil wenn die Katze aus dem Sack ist, kann man sie nicht mehr wieder reinstopfen. Dann istves raus und damit muss ich umgehen. Egal was passiert.
Zitat von Pilsum:
Durch das Verträngen von Deinen Gefühlen, weißt Du dann nicht so richtig,

wie Du Dich fühlst.

Und da kommt wie oben in dem Beitrag beschrieben dann meine Abwehrreaktion "wütend sein" zum Vorschein. Und es ist manchmal nicht leicht herauszufinden, warum ich wütend bin. Dann bin ich genervt weil ich wütend bin, weil es eigentlich was anderes ist, aber ich nicht drauf komme, was mich nur noch wütender macht. Aber in manchen Situationen könnte ich es schon herausfinden und such schon auflösen, indem ich dann darüber geredet hab.

Zitat von Pilsum:
Schwer ist es meistens deshalb, wenn Du versuchst etwas zu lernen, was Dir andere empfehlen,
was Dir aber im Grunde gar nicht für Dich persönlich richtig erscheint.

Ich glaube, das ist bei mir nicht so das Problem. Schwer ist es für mich, weil ich mich mit meinen Gefühlen auseinandersetzen muss, weil ich herausfinden muss, was gerade los ist. Wenn man es aber Jahrzehnte abgeblockt hat, ist es schwierig. Ich sollte in der Therapie mal sagen, wie ich mich fühle. Ich kenne nicht mal viele Gefühle. Es fällt mir unheimlich schwer, zu beschreiben, wie ich mich fühle, egal ob gut oder schlecht. Es gibt nur die Großen, fröhlich, traurig, wütend. Graustufen dazwischen... da fehlen mir die Wörter für.

Zitat von Pilsum:
Was möchtest Du denn hauptsächlich ändern? Weil, alles ändern und alles
annehmen und akzeptieren wird nicht unbedingt der richtige Weg werden.

Nein, nicht alles. Wie sagte mein Therapeut, ich werde immer die Person bleiben, die manchmal überreagiert, aber anders. Nicht mehr so extrem, hineinsteigern. Und sauer sein ist ja auch ok. Man darf mal sauer sein, aber man muss deswegen ja nicht jedesmal völlig eskalieren. Ändern möchte ich vor allem den Umgang mit mir selber. Ich möchte mich selbst mögen (von Liebe will ich erstmal nicht reden, mögen ist schon ein hohes Ziel). Ich möchte nicht mehr so oft wütend sein, scheinbar grundlos. Ich will merken, was ich gerade fühle und dementsprechend reagieren. Angemessen. Ich möchte akzeptieren, dass meine Kindheit war wie sie war, aber ich jetzt trotzdem lernen kann glücklich zu werden. Dass ich doch noch was rausholen kann aus meinem Leben. Dass ich mir durch meine Kindheit/Erziehung nicht mein weiteres Leben vermiesen lasse. Dass es jetzt Zeit ist, das wütende Kind in mir zu beruhigen und ihm klar machen, dass jetzt alles anders läuft und das wir gemeinsam gegenseitig auf uns aufpassen und uns akzeptieren, wen es mal blöd läuft mich uns.

Ansonsten würd ich schon gern bleiben wie ich bin. Ein wenig nerdig angehaucht, etwas abseits vom Mainstream, meine Meinung sagen, mit meinen Freunden Spaß haben, mit offenen Augen durch die Welt gehen. Auf meine Freunde und meinen Freund achten. Freude schenken. Wenn ich in der richtigen Laune und unter den richtigen Leuten bin, bin ich schon ein Spaßvogel und das will ich weiterhin sein.

Im Wesentlichen möchte ich die Punkte meiner Aggressivität, meiner Abwehrhaltung auflösen, dass ich um Hilfe bitten und annehmen kann, dass ich mich nicht selbst so bestrafe, indem ich mich furchtbar beleidige. Ich denke nämlich, dass sich dadurch vieles andere mitlösen wird.

15.08.2020 15:11 • x 1 #19


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Pilsum

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Hallo Dumbo,

danke für Deine tolle Antwort. Ich finde, da kann man sehr viel herauslesen.
Zitat:
Das Lob, wie es diese junge Psychologin gemacht hat, war für mich falsch. Es klang unecht. Es klang als wenn sie zu einem kleinen Kind redet, dem man sagt, dass es ja supertoll ist, dass es ganz alleine, ohne fremde Hilfe auf den Kletterturm gekommen ist. Und das immer und immer wieder. Lob in der Form, übertrieben, (für mich) falsch formuliert, in den (für mich) falschen Worten bringt mir nichts. Das nehme ich nicht ernst und erst Recht nicht an. Bzw. Denke teilweise, ja du Flachschippe, das weiß ich schon selber, dass musst du mir bestimmt nicht sagen. Ich brauche ehrlich gemeintes Lob, ein kurzes das ist gut ist oft besser als ausschweifendes in den Himmel loben.


Sieh mal. Kann es sein, dass Du daran beteiligt bist, dass Deine Psychologin so mit Dir redet?
Wie gehst Du mit ihr um? Nimmst Du sie ernst? Eventuell spielt ihr ein Spiel miteinander.
Du kommst zu ihr und sagst. Guten Tag Frau Psych. Ich habe ein Problem. Das kann ich aber niemandem
sagen, weil ich entschieden habe, dass es ein Geheimnis bleiben soll.
Deswegen habe ich auch Angst davor, es ihnen zu erzählen.

Deine Psych. Spielt das Spiel mit Dir mit. Was soll sie sonst machen? Also fängt sie an Dich
übertrieben zu loben, weil sie hofft, dadurch würdest Du die Angst vor ihr etwas abbauen.
Nun sagst Du aber. Nein, das macht mich eher böse, weil ich mich nicht ernstgenommen fühle.
Dann solltest Du etwas in den Gesprächen verändern. Meinst Du, Du schaffst es, erwachsener,
also mit wenig Angst zu reden und so gut, wie es Dir heute möglich ist, Deine Gefühle
auszudrücken? Hier redest Du ja erwachsen und klug. Gar nicht ängstlich.
Viele haben ein Problem, wenn sie einem Menschen gegenübersitzen, weil sie sich selbst gelernt haben.
Vertraue nie jemandem, der wie ein Mensch aussieht.
Könnte das auch bei Dir eine Schwierigkeit sein?

Zitat:
Leider habe ich das als Kind nicht bekommen. Fast kein Lob und auch keine sachliche Kritik.


Das tut mir Leid. Dann bist Du unter etwas schwierigen Umständen aufgewachsen.
Heute kannst Du das aber noch verbessern. Deine Psych. Versucht Dir Dein Verhalten zu
spiegeln. Je mehr Du ernst und sachlich mit ihr redest, umso mehr vermute ich, wird sie
ihre Art, Dich übermäßig zu loben, verändern.
Zitat:
Da ich oft nur Ablehnung erhalten hab, ist das sich Öffnen für mich extrem schwer. Was, wenn mein Gegenüber
das weitertratscht. Was, wenn er es abwertet, mich abwertet. Was, wenn er es gegen mich verwendet.
Was, wenn was weiß ich, sonst noch alles passieren könnte, woran ich gerade nicht denke.


Beschreibst Du hier gerade, dass Du in einer Angstschleife feststeckst?
Weißt Du, was passiert, wenn das jemand weitertratscht? Nichts! Genau Nichts.
Und weißt Du, was passiert, wenn jemand etwas versucht gegen Dich zu verwenden?
Dann brichst Du den Kontakt zu demjenigen vorübergehend oder vollständig ab.
Ich sehe somit kaum eine echte Gefahr.

Zitat:
Ich hadere momentan einer Freundin davon zu erzählen. Aber ich bin wirklich hin und hergerissen,
weil wenn die Katze aus dem Sack ist, kann man sie nicht mehr wieder reinstopfen. Dann ist es raus und
damit muss ich umgehen. Egal was passiert.


Ich ahne, worüber Du sprechen möchtest. Wenn Du Zweifel hast, dann erzähle es Deiner Freundin nicht.
Dafür kannst Du doch Deine Psych. benutzen. Die schweigen, erzählen nie etwas weiter.
Und irgendwann siehst Du sie auch nicht mehr.

Zitat:
Und da kommt wie oben in dem Beitrag beschrieben dann meine Abwehrreaktion "wütend sein" zum Vorschein. Und es ist manchmal nicht leicht herauszufinden, warum ich wütend bin. Dann bin ich genervt weil ich wütend bin, weil es eigentlich was anderes ist, aber ich nicht drauf komme, was mich nur noch wütender macht. Aber in manchen Situationen könnte ich es schon herausfinden und such schon auflösen, indem ich dann darüber geredet hab.


Nun wütend wird man immer, wenn man befürchtet. Jetzt versucht mich jemand an die
Wand zu drücken. Ich kann mich nicht mehr verteidigen. Dann erfolgt ein Angriff, ein
Ausbruchversuch mit Worten. In Wirklichkeit kann Dich aber niemand in eine Ecke drängen.

Zitat:
Ansonsten würd ich schon gern bleiben wie ich bin. Ein wenig nerdig angehaucht, etwas abseits vom Mainstream, meine Meinung sagen, mit meinen Freunden Spaß haben, mit offenen Augen durch die Welt gehen. Auf meine Freunde und meinen Freund achten. Freude schenken. Wenn ich in der richtigen Laune und unter den richtigen Leuten bin, bin ich schon ein Spaßvogel und das will ich weiterhin sein.


Das ist doch wunderbar. Dann mach das genau so, wie Du es hier beschreibst.
Viel Erfolg wünsche ich Dir dabei.

Viele Grüße

Bernhard

15.08.2020 17:03 • #20


dumbo

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Hallo Pilsum,

nein, mit der Psychologin habe ich kein Spiel gespielt. Ich habe mit ihr geredet wie mit den drei anderen Therapeuten, die ich ausprobiert habe, keiner hat so überzogen mit Lob reagiert. Wobei es auch egal ist, ich hatte bei ihr zwei probatorische Sitzungen und mich dann dazu entschieden, bei meinem jetzigen Therapeuten zu bleiben. Ich war nur damals unsicher, weil ich nicht wieder zum Erstbesten gehen wollte. Hatte ich vor 3 Jahren schon mal gemacht und die tiefenpsychologische Thera damals war fürn A. Könnte aber nach den beiden Sitzungen beinahe sagen, ne, da wo du bist, bist du schon sehr gut aufgehoben. Und es ist ja nicht als lobe der nicht, aber eben anders. Erwachsener. Liegt vielleicht auch am Alter. Oder daran, dass ich generell mit Männern besser kann als mit Frauen.

Ich kann bei Psychologen übrigens sehr gut frei reden, über alles. Ich denke, das liegt eben daran, dass man nicht miteinander befreundet ist, sondern da ist, um über alles zu reden. Ich werde mit dem Therapeuten nie zum gemeinsam Spieleabend zusammen sitzen, nicht täglich zusammen arbeiten, er hat keinen Kontakt zu meinen Freunden. Zudem hat er eine Schweigepflicht. Zumindest was meinen Namen angeht und auch, dass er ein Aussenstehender ist, der meiner Meinung nach Dinge ggf besser objektiv beurteilen kann, hab ich da absolut keine Probleme alles offen zu legen.

Als Angstschleife würde ich mein "Offenlegungsproblem" zu meinen Freunden auch nicht beschreiben. Da ich halt immer alles mindestens einmal tod durchdenke, tu ich mich damit generell schwer. Es ist ja so, dass niemand gerne psychische Krankheiten zugibt. Das ist immer noch irgendwie ein Tabu. Zudem überleg ich mir, was will ich damit bezwecken? Klar, ich würd manchmal gern drüber reden. Aber ich glaube, jeder meiner Freunde wäre erschrocken, wenn es heissen würde, ich wäre depressiv. Das würde so gar nicht zu meinem Verhalten passen wenn ich mit denen unterwegs bin. Und es ist auch nicht so, dass ich mich vor diesen Freunden verstelle, ich bin glücklich wenn ich mit ihnen zusammen bin. Es ist nicht oft und manchmal muss ich mich vorher schon arg dazu aufraffen, dass ich losgehe, aber ich weiß eben, dass mir diese Treffen gut tun und wenn ich erstmal unterwegs bin, dass das vorherige "Puh, ich hab irgendwie keine Lust und würd viel lieber auf dem Sofa rumgammeln" ganz schnell vergessen ist.

Zitat von Pilsum:
Und weißt Du, was passiert, wenn jemand etwas versucht gegen Dich zu verwenden?
Dann brichst Du den Kontakt zu demjenigen vorübergehend oder vollständig ab.

Das Problem bei dieser besagten Freundin ist eben, dass es auch eine Arbetskollegin ist. Ich glaube, im Freundeskreis alleine wäre es nicht so dramatisch, aber auf der Arbeit.... ist eine andere Sache für mich. Bei uns wird eh so viel getratscht (90% Frauenanteil), die freuen sich alle regelrecht, wenn sie sich wieder mal über jemanden das Maul zerreißen können. Ganz übel. Und da könnte ich eben nicht sagen, lass sie links liegen, weil ich muss ja mit ihr arbeiten. Ich glaube auch nicht, dass sie es bewusst weiter erzählen würde, aber ggd. mal, weil sie nicht drüber nachgedacht hat und dann ist schnell was daher gesagt. Naja, vielleicht kommt es mit der Zeit noch.

Zitat von Pilsum:
Nun wütend wird man immer, wenn man befürchtet. Jetzt versucht mich jemand an die
Wand zu drücken. Ich kann mich nicht mehr verteidigen. Dann erfolgt ein Angriff, ein
Ausbruchversuch mit Worten. In Wirklichkeit kann Dich aber niemand in eine Ecke drängen.

Ja, das hab ich jetzt auch ein paar Mal schon feststellen können. Ich versuche momentan, wenn ich merke ich werde gerade wieder laut, mich aus der Situation rauszunehmen. Sage dann, ich brauche mal 5 Minuten. Am Anfang war es echt schwierig, die letzten Male könnte ich mich ruhig hinsetzen und mich fragen "so, du bist ösig, weil gerade was gesagt wurde, aber du bist nicht deswegen ösig, versu je herauszufinden, warum du wirklich ösig bist". Und es ist ganz oft der Fall, dass ich mich verurteilt fühle. Manchmal aus früheren Erfahrungen, manchmal weil ich mich kurz vorher selbst verurteilt habe. Wenn ich herausgefunden habe, was mich wirklich ösig macht, kann ich es abschalten. Dann kann ich drüber reden, erklären was war. Das ist auch für meinen Freund besser, weil er dann nachvollziehen kann, was los war. Und danach ist dann wieder gut. Es sind zu 95% Dinge, die ich in die falsche Schublade packe, die selbstgemacht sind. Nur heute wusste ich nicht, warum mich die schlechtpellenden Kartoffeln so aufregten, aber manchmal hat man eben einfach miese Laune

Als die Arbeit fertig war ging es auch wieder. Und anstatt meinen Freund zwischendurch anzumaulen, hab ich ihn einfach von der Küche auf die Terasse geschickt und ihm gesagt, er muss gleich eh noch grillen und soll mich das machen lassen. Alles was mir Angriffsfläche bietet (gerechtfertig oder meistens eher nicht) wegschaffen.

Ich hab noch 5 Tage bis ich mit den Medikamenten anfange. Ich bin ehrlich gesagt unsicher, ob sie helfen. Man liest immer, dass sie bei mittelschweren bis schweren Depressionen helfen können laut Diagnose hab ich das, aber fühle es nicht so schwer. Bis eben auf die Momenten, in denen es mich wirklich runterzieht. Da ich aber schon seit einer Woche Urlaub habe, sind diese Momente auch fast weg. Ich weiß, dass sie wiederkommen, wenn ich arbeite aber momentan sind sie weit weg für mich.

Kommt mir vor als suche ich nach ner Ausrede, dass ich ja so bleiben kann wie ich bin, ändern ist ja schon n bisschen anstrengender. Auf Dauer glaube ich aber schon lohnenswerter als diese blöden Tiefphasen. So what... Montag morgen fang ich an.

19.08.2020 21:25 • x 1 #21



Hallo dumbo,

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dumbo

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So, heute ist also der Starttag mit meinem Medikament gewesen. Ich hätte ein wenig Angst, dass ich mich wieder so high fühle, wie vor einigen Wochen bei der ersten Tablette. Das blieb aber heute aus. Gottseidank. Das Gefühl auf der Arbeit zu haben ist echt unangenehm.

Ich erwarte eigentlich nicht, dass sich jetzt sofort etwas ändert. Ich denke auch, dass ich es bestimmt erstmal noch hochdosieren muss. Ich starte mit 5 mg Escitalopram. Werde morgen mal mit meinem Psychologen besprechen, ob ich wirklich jede Woche um weitere 5 mg erhöhen soll, wie der Psychiater meint, oder ob ich es langsamer angehen soll. Fände langsamer irgendwie sinniger, da solche Medis ja im Schnitt 2-3 Wochen brauchen sollen bis sie wirken. Weiß nicht, was der Psychiater sich dabei gedacht hat.

Mal gucken, ob es überhaupt irgendwas bringt....

24.08.2020 19:37 • #22

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