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Vorurteile bzw Diskriminierung vor/von Schizophrenen

HundKatzeMaus

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Hallo, schönen Morgen.

Ich (m,31) wollte über ein Thema schreiben mit dem ich gerade unschön konfrontiert wurde:
In einer alternativen Singlebörse im Internet hat mir jemand eine Absage gegeben, weil ich ihr verraten habe, dass ich Schizophrenie habe und ihr diese Menschen zu eingeschränkt sind.
Ich hab schon seit langem gefühlt, dass in meiner Lebenssituation und in der Gesellschaft etwas falsch läuft, habe aber jetzt erst gemerkt was genau das ist.

Also in der Klinik in der ich zu Beginn war, wurde mir ein IQ von 116 gesagt, nach einem Test dort, also ganz hinten weg kann ich glaub ich nicht sein. Hab Abitur. Aber scheinbar reicht Intelligenz Frauen auch nicht mehr.

Ich hatte noch nie eine Freundin und hab deswegen die letzten Jahre auch oft geweint. Auch weil ich kaum Freunde gefunden habe. Ehrlich gesagt kam ich mir in manchen Einrichtungen manchmal etwas intelligenter vor als andere und das macht einsam. Auch wünsche ich mir wirklich mal S. mit einer Frau, für die ich nicht bezahlt hab, zu erleben. Ich habe wirklich Angst, dass mein Leben (weiter) den Bach runter geht und ich vorallem z.B. keine Partnerin auf der selben Wellenlänge finde. Ich unterhalte mich ungern über Belangloses, sondern mache mir auch viel Gedanken über Probleme in der Welt. Einfach weil ich das wichtig finde.

Ich denke es müsste mehr Menschlichkeit in der Welt entstehen. Ich empfand auch viele SozialarbeiterInnen teilweise als respektlos und unfreundlich. Es ist manchmal kaum zu fassen. (aber auch nicht alle)

Warum gibt es so viele Vorurteile?

Danke

P.S.: Eins noch: Was ich irgendwie ganz ehrlich denke ist, dass ich teilweise intelligenter bin als so manche angeblich geistig gesunde Person. Klar schwiert einem mal was im Kopf rum, aber manches sind reale Sorgen. Dennoch kann ich es manchmal kaum fassen, wie...ja, wie dumm manche Menschen sein können. Sorry, aber ich sehe das wirklich so.

09.11.2022 05:46 • x 1 #1


Sonnenstrahlen

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Guten Morgen HundKatzeMaus,
ich kann deinen Frust nachvollziehen, auch wenn ich selbst nicht in dieser Lage bin/war. Ich denke, dass Schizophrenie so lange falsch in den Medien dargestellt wurde und auch immer noch wird, hat dafür gesorgt, dass Laien sich eher bedroht oder überfordert davon fühlen, wenn auch zu Unrecht. Viele verwechseln das ja heute noch mit einer multiplen Persönlichkeit oder ganz anderen Störungen oder denken gleich an Serienkiller.

Die Frau, die dich abgelehnt hat, hatte die selbst Erfahrungen mit psychischen Problemen oder war das für sie eine ganz andere Welt? Ich denke gerade wenn man selbst keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich hat, sind bestimmte Erkrankungen dann irgendwie gruselig für einen oder man fühlt sich unsicher.

Was mir zum Thema Intelligenz einfällt (und ich hoffe das kommt jetzt nicht als Angriff rüber) wie schlau ein Mensch ist, ist nicht das allerwichtigste, schon gar nicht in der Datingwelt. Emotionale Intelligenz und andere Faktoren wie Humor, gleiche Interessen und auch das Aussehen sind viel wichtiger. Ich kann mir gut vorstellen, wie frustrierend es für dich sein muss, nur aufgrund deiner Krankheit schlechter behandelt zu werden, obwohl du sonst ein netter und kluger Kerl bist. Allerdings kommt es aus deiner Beschreibung fast schon so rüber, als würdest du dich grundsätzlich als etwas besseres sehen aufgrund deines IQs und das schreckt Frauen auch ab. Niemand möchte das Gefühl haben, zu dumm für jemanden zu sein. (Wenn du das im Umgang mit anderen gar nicht ansprichst, dann verzeih mir meine Vermutung, das fiel mir jetzt nur so zu deinem Text ein, dass du das oft erwähnst).

Ansonsten fällt mir als konkreter Rat nicht wirklich etwas ein. Also allein sein musst du auf jeden Fall nicht, aber es wird aufgrund deiner Erkrankung sicherlich schwierig werden, da nicht jeder emotional so stabil ist, einen Partner mit Hintergrundgeschichte zu haben. Ich würde es trotzdem weiter versuchen, egal ob online oder in der echten Welt und nicht die Hoffnung aufgeben, nur weil sich die ein oder andere gleich überfordert oder abgeneigt ist. Mit 31 bist du auf jeden Fall noch lange nicht zu alt dafür. Und auch wenn manche Sozialarbeiterinnen miserabel in ihrem Job sind, müssen bei weitem nicht alle Menschen so sein.

10.11.2022 09:32 • x 1 #2



Hallo HundKatzeMaus,

Vorurteile bzw Diskriminierung vor/von Schizophrenen

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HundKatzeMaus

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gebe dir Recht. Hab einfach ein bisschen was schon durchgemacht. Erwähne manches in Gesprächen auch nicht.

10.11.2022 15:42 • #3


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Kate

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Zitat von Sonnenstrahlen:
Viele verwechseln das ja heute noch mit einer multiplen Persönlichkeit oder ganz anderen Störungen oder denken gleich an Serienkiller.

Wie meinst Du das?

10.11.2022 17:55 • #4


HundKatzeMaus

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sie meint glaub ich, dass das Bild verbreitet wurde, Schizophrenie sei eine multiple Persönlichkeit oder hat führt zu Serienkillern. Was aber nicht stimmt...

13.11.2022 17:20 • #5


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Kate

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Zitat von HundKatzeMaus:
Was aber nicht stimmt..

Ich hätte mich jetzt auch tierisch aufgeregt, wenn was anderes geschrieben würde.

13.11.2022 18:20 • #6


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Schlüsselkind

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Zitat von HundKatzeMaus:
Warum gibt es so viele Vorurteile?


Hallo HundKatzeMaus,

zum einen aus Unwissenheit, zum anderen aus Ignoranz, oft ist es leider auch eine Mischung aus beidem, verbunden mit dem Unwillen dazu lernen zu wollen! Mit Intelligenz hat das m. M. nach überhaupt nichts zu tun.

Das betrifft viele soziale Themen und gerade auch bei körperlichen und psychischen Erkrankungen ist die Stigmatisierung von Betroffenen leider sehr groß durch unsere Medienwelt geprägt.

Wenn man sich allein die ganzen Serien und Filme anschaut, werden immer noch allzu gerne Vorurteile bedient, die solche Vorurteile transportieren und weiter fortsetzen. Es ist nur ein kleiner Trost, aber es gibt auch empathische Menschen, die sich mit solchen Themen beschäftigen und auch politische Initiativen, die sich für eine breitere Aufklärung dafür einsetzen.

Ob sich Partner*innenfindung online immer so gut für einen anbietet, bezweifel ich ehrlich gesagt (nur mein persönlicher Eindruck). Da es nach Berichten von Freund*innen doch zunächst recht oberflächlich beginnt, sollte man da vielleicht nicht all zu viel erwarten, wenn man sich ein respektvolles Miteinander wünscht. Wenn man dabei dann doch auf jemanden trifft, mit der*dem es passt, ist das dann eben ein schöner Dazugewinn.

Kann Deine Frustration darüber aber gut nachvollziehen, lass Dich trotzdem bitte nicht entmutigen!

Vor 4 Minuten • #7