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Unglaubliche Energielosigkeit

Pauline1962

Pauline1962

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Hallo zusammen!

Dieses ist mein erster Eintrag hier. Ich freue mich, das Forum gefunden zu haben - und sende herzliche Grüße in die Runde!

Mein größtes Problem ist diese ständige Energielosigkeit, aus der ich keinen Ausweg finde und die mein ganzes negativ Leben verändert hat und wodurch es sich wie in einem unaufhaltsamen Strudel abwärts anfühlt.

Ich bin vermutlich schon seit Jahrzehnten depressiv, wollte das aber nicht wahrhaben. Ausgelöst und angefeuert wurde es durch eine ebenfalls jahrzehntelange Überforderung im privaten Bereich - aus der es für mich kein Entrinnen und auch keine Hilfe gab. Ich habe mir nach Außen hin noch nicht mal was anmerken lassen - wie das so ist: man denkt, man muss das schaffen und funktioniert einfach.

Gearbeitet habe ich auch - halbtags - und das war für mich immer wie ein Anker. Ich habe sehr an der Arbeit festgehalten, weil ich wusste, dass das mein sicherer Ort ist (von der Familie) und dass ich dort feste Strukturen, Anerkennung, Abwechselung habe .

Es kamen dann körperliche Beschwerden dazu - Rheuma. Nervenentzündungen, Reizdarm, Rückenschmerzen, Kreisrunder Haarausfall, Übergewicht .

Vor knapp 2 Jahren kam dann mein Zusammenbruch, es ging gar nichts mehr - erst Krankschreibung, dann Kündigung, jetzt arbeitslos, Rente ist beantragt. In Therapie bin ich seitdem auch. Medikamente habe ich genommen, davon habe ich stark zugenommen und der Nutzen war nicht wirklich spürbar.

Am schlimmsten ist diese Energielosigkeit, diese Müdigkeit, diese Antriebslosigkeit. Am liebsten bin ich zuhause. Ich gehe nicht raus, auch nicht bei dem schönen Wetter, nur zum Arzt oder Einkaufen oder so. Ich mag auch nicht mehr unter vielen Leuten sein. Ich verschlumpfe mehr und mehr - auch vom Äußeren her - schon deshalb habe ich auf vieles keine Lust mehr. Ärztlich ist alles abgeklärt - Schilddrüse, Mangelerscheinungen - mein Rheuma ist auch gut eingestellt.

Und das ist ein Teufelskreis. Wenn man nichts macht, dann erlebt man auch nichts - nichts Schönes, was einen aufheitert und erfüllt und wovon man zehren kann. Ich habe nichts - wirklich NICHTS - worauf ich mich freue! Meine Zukunft liegt wie ein dunkles Loch vor mir. Ich bin im besten Sinne des Wortes lebensmüde - nicht suizidgefährdet, sondern müde VOM und vor allem zu müde FÜRs Leben.

Jeder Versuch, mich irgendwie zu aktivieren, bewirkt das Gegenteil. Alles erschöpft mich zusätzlich. Jede Bewegung, die über einen moderaten Spaziergang hinausgeht, verursacht Schmerzen und tagelange schlimme Erschöpfung - ebenso irgendwelche Events (Feiern, Urlaube) - alles, was irgendwie körperlich oder seelisch Stress mit sich bringt (auch positiver Stress hat Erschöpfung und Schmerzen zur Folge). Jetzt Ostern z.B. - ich hatte die Familie da, alles war gut organisiert - trotzdem, die vielen Menschen, mich unterhalten zu müssen . es war schön, aber jetzt brauche ich einige Tage, um mich wieder halbwegs zu erholen.

Die derzeitige Weltlage - erst Corona, jetzt noch Krieg dazu, Umwelt sowieso - ängstigt und lähmt mich zusätzlich. Die Zukunft sieht noch dusterer aus, hoffnungslos.

Mein Therapeut ist der Meinung, ich müsse mich erholen - an mich denken, nur schöne Dinge machen . usw. Ich bin froh und dankbar, dass ich nicht mehr zur Arbeit gehen muss, dadurch erhole ich mich - ich kann auch gut allein sein - aber irgendwas machen kann ich eben nicht. Sofa liegen, TV gucken, auf dem Handy knippeln - wenn ich was mache, dann Haushalt, wenn ich weggehe, dann zum Arzt oder Einkaufen. Was meint der mit zur Ruhe kommen und erholen . mehr Ruhe gibt es ja gar nicht als das, was ich gerade habe . !? Ich bräuchte ENERGIE, um etwas Lebensfreude aufbauen zu können . ! Aber das versteht der irgendwie nicht.

Wie geht es euch damit?
Habt ihr Tipps - evt. so was wie eine Erste Hilfe?
Oder muss man damit leben - was ich ja schon seit ca. 25 Jahre mache, aber ein Funken Hoffnung ist da immer noch . !

Liebe Grüße!

20.04.2022 07:19 • x 6 #1


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Stromboli

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Liebe Pauline
Herzlich willkommen, schön dass du hierher gefunden hast und dich traust mitzuteilen.
Wie belastend und chronifiziert das für dich ist, liest sich sehr anschaulich in deinen Worten. Nein, einfach nur aushalten und resignieren musst und sollst du nicht. Dich auf einen längeren Weg, viel Geduld mit dir selbst und auf Rückschläge gefasst machen dagegen schon.
Spontan spüre ich den Impuls, dass eine gute Klinik dir vielleicht helfen könnte. Eine längere Reha, die psychosomatisch ausgerichtet ist. Da musst du nichts, hast aber niederschwellige Angebote, die du soweit nutzen kannst, wie es dir möglich ist. Wenn die Klinik gut ist, macht man mit dir zusammen einen Plan, wie du schrittweise wieder mehr zu Kraft und Lebensfreude finden könntest. Und vor allem: Du erlebst dort, dass du nicht alleine bist mit solchen Problemen, kannst dich austauschen.
Ich glaube, sowas in der Art (ev auch Selbsthilfegruppe, am besten nach der Klinikzeit) brauchst du schon, alleine ist es eine Überforderung.
Ich wünsche dir viel Kraft.
Herzlich Stromboli

20.04.2022 07:42 • x 3 #2



Hallo Pauline1962,

Unglaubliche Energielosigkeit

x 3#3


Anchiwa4964

Liebe @Pauline1962 , herzlich willkommen im Forum. Fühle dich hier gut aufgehoben mit all deinen Themen!
Ich selber schätze das Forum sehr.

Wie sich erholen geht?
Vielleicht liegt die Antwort darin, dass du dir zugestehst, nichts mehr zu müssen. Auch nicht rausgehen bei Sonnenschein, als Beispiel für vieles gesagt. Weiß deine Familie von deiner Antriebslosigkeit? Wie gehen die Familienmitglieder damit um? Reden sie dir deine Selbstwahrnehmung aus?
Mir geht es in vielen Punkten ähnlich wie dir. Ein großes Stück an Erholung durch Erleichterung habe ich erfahren, als ich begann, nicht mehr die gesunde Rolle zu spielen, sondern zu sagen, ich KANN nicht. Derzeit versuche ich, die ständigen Aufforderungen meiner Umgebung zum Handeln mit meinem Befinden abzugleichen. Die Sonne scheint, der Garten lockt, aber ich bin zu antriebslos, um die paar Stufen hinunterzugehen? Dann bleibe ich halt oben auf der Couch und träume vor mich hin. Erst mit dem Zugeständnis an mich selber, krank und müde zu sein und dies auch sein zu dürfen!, wurde es ein bisschen besser bei mir. Bin aber noch mitten im Lernprozess. Ich bin nicht depressiv, habe andere Diagnosen und bin physisch hochgradig erschöpft durch einen chronischen Prozess.

20.04.2022 07:53 • x 4 #3


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Anneklatsche

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Hallo @Pauline1962,
auch von mir ein Willkommen im Forum.. das, was du beschreibst, fühlt wohl jede/r, diese elende Müdigkeit und Antriebslosigkeit.. ich habe das immer so beschrieben: Irgendjemand tackert dich an die Couch und will nicht, dass du raus gehst, Freude erlebst.. dieser Irgendjemand ist die Depression.. seit ich das weiß, versuche ich, dieser Depression zu entkommen, das geht aber nur in kleinen Schritten.. Die Energie holst du dir, sei es einfach in den Garten oder auf den Balkon zu gehen, sich von den Geräuschen der Natur zu beschallen und anzunehmen oder sich wirklich aufzuraffen, draußen auf eine Bank zu setzen und dem Treiben zuzuhören/-sehen.. wir wissen alle, es gibt da draußen noch mehr als nur das eigene Zuhause, wenn du die Hürde mal geschafft hast, dann sei dir sicher, das war erst der erste kleine Schritt.. wie @Anchiwa4964 schon geschrieben hat, du darfst auch einfach auf der Couch bleiben und solltest das auch einfach akzeptieren, das mehr nicht geht momentan.. Vielleicht hast du auch eine liebe Freundin, mit der du über deine Situation reden kannst, die dir vielleicht auch helfen kann, dich an die Hand zu nehmen, die auch Verständnis hat, wenn es dir mal nicht so gut geht..
Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen, es wird irgendwann besser, vielleicht bemerkst du es erst gar nicht, aber Schritt für Schritt wirst du merken, wie es dir besser geht.. Und dem Tipp, eine Reha zu beantragen, kann ich nur zustimmen, es kann nur besser werden, weiter runter geht nicht!

20.04.2022 08:36 • x 2 #4


Pauline1962

Pauline1962

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Vielen Dank für euer freundliches Willkommen - und eure Antworten.
Es tut wirklich gut zu wissen, dass man damit nicht alleinist.

@Stromboli ... ein Klinikaufenthalt oder eine Reha wurde erwogen, dann aber, auch wegen Corona, wieder verworfen. Sowohl mein Arzt als auch der Psychotherapeut haben mich allerdings als nicht reha-fähig eingestuft. Irgendwas wird jetzt aber eh kommen von der Rentenversicherung.

Dass es mir gut tun würde, kann ich mir einerseits vorstellen - andererseits habe ich aber auch Angst davor. Angst, generell mein sicheres Zuhause zu verlassen, meinen Mann, meinen Kater ... dann Angst vor der neuen Umgebung, neuen Leuten ... Angst vor dem, was da von mir verlangt und erwartet wird (sportliche Betätigung z.B.). Denn - nur rumzuliegen, dazu bräuchte ich dort ja nicht hin ... !? Muss ja alles nicht sein - aber vor einigen Jahren hatte ich mal eine stationäre Schmerztherapie, das fand ich sehr anstrengend. Naja, ich lasse das gerade mal auf mich zukommen.

@Anchiwa4964 ... ja, meine Familie weiß von meiner Krankheit. Aber da ich nicht wirklich und ständig krank wirke, vergessen sie das oft, glaube ich, zumindest meine Kinder. So wie jetzt Ostern. Da haben sich alle gefreut, und ich bin ja nicht traurig durch die Gegend geschlurft. Als mich dann gestern meine Erschöpfung fast den ganzen Tag hat schlafen lassen, da waren sie ja schon wieder weg.
Mein Mann nimmt viel Rücksicht - manchmal zu viel, glaube ich. Ich habe ihm schon gesagt, er möge mich doch mal bitte an den Füßen vom Sofa ziehen, zur Not, damit wir wenigstens einen kleinen Spaziergang machen. Manchmal klappt das, aber meist tut es ihm dann zu sehr leid und dann lässt er mich liegen. Mir wäre aber mehr geholfen, mich zu motivieren - gut dosiert natürlich.

Ich habe mittlerweile schon realisiert, dass ich krank bin und einfach nicht mehr so kann. Bei mir ticken die Uhren einfach langsam. Wenn ich morgens einkaufen war, dann war es das an Aktivitäten für den Rest des Tages. Als ich noch gearbeitet habe - bis mittags - dann bin ich heimgekommen und bin aufs Sofa gefallen und konnte für 3 Stunden nicht aufstehen, nicht aufs Klo, nicht in die Küche, um mir was zu essen zu machen. Sich damit abzufinden, fällt schwer - aber irgendwann nimmt man es hin und freut sich über bessere Tage. Aber blöd findet man es doch. Und wenn ich dann so von anderen Menschen - teilweise 10 Jahre älter als ich - höre, was die so alles machen, dann kommt es mir vor wie in einer fremden Welt ...

@Anneklatsche ... ja, so ist der Plan. Schon immer. Einfach mal rausgehen, mich hinsetzen, einen Kaffee trinken oder so. Klappt bloß nicht. so wirklich. Ich gehe noch nicht mal mehr in meinen kleinen Garten. Im letzten und im vorletzten Sommer war ich exakt je 1 (!) x in der Stadt - mit meinem Mann. Ein einziges Mal ! Obwohl ich mir immer was anderes vorgenommen habe. Aber ich schaffe es nicht. Und daran war nicht nur Corona schuld. In der City gibt es zig neue Geschäfte, sogar neue Gebäude, die ich noch nie gesehen habe ...
Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Freitag treffe ich mich mit 2 Freundinnen zum Frühstück ... wenn ich es schaffe, nicht doch noch kurzfristig abzusagen.

20.04.2022 09:04 • x 4 #5


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Anneklatsche

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@Pauline1962 ich war letztens in der Stadt.. nach 4 Jahren.. das war so krass..
und für Freitag: halte dir doch die Option offen, jederzeit wieder nach Hause zu gehen.. vielleicht hilft dir das, nicht abzusagen..
Gut, dass du die Hoffnung nicht aufgibst.. denn alles, wie du es beschreibst, habe ich auch durchgemacht.. es fällt mir alles immer noch sehr schwer, aber ich weiß, dass es mir besser geht, wenn ich einfach MACHE, und ja, ich habe immer im Hinterkopf, dass ich auch ganz schnell wieder in meine vermeintlich sichere Umgebung zurückgehen kann..

20.04.2022 09:44 • x 1 #6


Pauline1962

Pauline1962

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Zitat von Anneklatsche:
.. und für Freitag: halte dir doch die Option offen, jederzeit wieder nach Hause zu gehen.. ]


Das erste Problem ist ja, überhaupt erst mal hinzukommen ... ... ich werde die Nacht vorher schlecht schlafen (schlechter als eh schon!) und dann schon morgens hundemüde sein. Dann muss ich Auto fahren ... quer durch die Stadt ... ich bin noch nie gern Auto gefahren, jetzt kostet es mich enorme Überwindung (aber wenn ich mal ganz damit aufhöre, dann fange ich nie wieder damit an - das wäre richtig doof, da wir auf dem Land wohnen).
Wenn ich erst mal da bin, dann ist es zum größten Teil gut - ich werde mich zwar übers Wochenende davon erholen müssen, d.h. noch mehr Sofa, aber das ist es mir dann auch wert.

20.04.2022 10:01 • x 2 #7


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PaulaBaumann

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@Pauline1962
Hallo,
schön, das Du hier bist. Auch von mir ein herzliches Willkommen. Mir geht es oft wie Dir an manchen Tagen mehr und mal weniger. Sei stolz auf Dich, Du gehst einkaufen. Einkaufen kostet mich immer sehr viel Überwindung. Mir hilft es manchmal, wenn ich mir eine Tagesaufgabe stelle. Ich wünsche Dir viel Spaß am Freitag mit Deinen Freundinnen.
Viele liebe Grüße Paula

20.04.2022 16:00 • x 2 #8


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Lost111

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Hallo @Pauline1962 ,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum!

In vielem, was du gepostet hast, sehe ich mich wieder. Ich arbeite zwar noch (aktuell gerade nicht), aber ich verkrieche mich auch in meiner Wohnung, gehe nicht raus (außer einkaufen, Arztbesuche und selten familiäre Aktivitäten), habe null Antrieb und bin ständig erschöpft und depressiv. Die kleinste Kleinigkeit strengt mich einfach extrem an.
Kleine Ziele setzen - egal, wie winzig sie auch sein mögen. Punkt.

Du bist nicht allein!

LG Lost111

20.04.2022 20:36 • x 5 #9


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Grothszes

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Ich habe genau dasselbe Problem @Pauline1962

Selbst das Schreiben von Beiträgen im Forum strengt mich unglaublich an. Ich kann nicht genug Energie aufbringen, um ausführlicher auf ein Thema zu antworten, zu assoziieren, weiter zu denken etc. Wenn ich mich unterhalte, saugt mir etwas sofort meine Energie hab, habe Blackouts, kann nichts Gescheites antworten, kann nicht arbeiten gehen, nicht ausgehen, mich nicht bilden, gar nichts. Alles schreit innerlich, dass ich aufhören soll mit dem, was ich gerade tue - alles schreit nach Entspannung, sonst nichts. Ich breche alles ab, weil es nicht geht. Es ist einfach nur zermürbend. Ich habe es mit Belastungstraining probiert, aber auch das hat keinen Aufwärtstrend in Gang gesetzt. Man kann mir also nicht vorwerfen, ich würde es nicht versuchen. Schmerzen habe ich auch. Meine Gliedmaßen fühlen sich oft so an, als hätte jemand Gewichte daran gebunden. So langsam glaube ich, dass so ein Ausmaß an Kraftlosigkeit, Erschöpfung, whatever nicht mehr durch die Depression erklärt werden kann, sondern gesondert betrachtet werden muss, als Folgeerkrankung, als eigenständiger Defekt. Es muss ja irgendwie neurologisch, neurochemisch, hirnmorphologisch erklärbar sein, ich suche im Moment nach Literatur, sofern mir das möglich ist. Für eine Woche lang habe ich mich zu mehr im Stande gefühlt, in der Klinik, am Anfang der Medikation - das wars. Naja wie auch immer, es interessiert sowieso niemanden, keiner hat eine Lösung dafür. Obendrein krieg ich dann noch zu hören, ich solle mich nicht so anstellen - tzeh. Ich glaubs nicht.

Zitat von Pauline1962:
Schilddrüse, Mangelerscheinungen

Weißt du zufällig, ob das beides beim kleinen Blutbild abgetestet wird? Oder muss man das gesondert testen lassen?

09.06.2022 09:32 • x 2 #10


Michi87

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Zitat von Grothszes:
Schmerzen habe ich auch. Meine Gliedmaßen fühlen sich oft so an, als hätte jemand Gewichte daran gebunden. So langsam glaube ich, dass so ein Ausmaß an Kraftlosigkeit, Erschöpfung, whatever nicht mehr durch die Depression erklärt werden kann, sondern gesondert betrachtet werden muss, als Folgeerkrankung, als eigenständiger Defekt. Es muss ja irgendwie neurologisch, neurochemisch, hirnmorphologisch erklärbar sein, ich suche im Moment nach Literatur, sofern mir das möglich ist.

Ist bei mir genau dasselbe. Eine Zeit lang habe ich auch nach anderen Erklärungen gesucht, bin nun aber wieder zu der Ansicht gelangt, dass es eine Folge der Depression ist. Außerdem habe ich schon mehrfach gemerkt, dass wenn die Depression zurückgeht, auch die Schmerzen usw. zurückgehen.

Richtig ist aber auch, dass eine Depression nicht nur die Stimmung beeinflusst, sondern den gesamten Körper, Stoffwechsel, Stressantwort usw. Daher kann man das nicht einfach getrennt betrachten meiner Meinung nach.


Zitat von Grothszes:
Weißt du zufällig, ob das beides beim kleinen Blutbild abgetestet wird? Oder muss man das gesondert testen lassen?

Das ist nicht Bestandteil des kleinen oder großen Blutbilds. Das muss man gesondert machen. Der Leitwert für die Schilddrüse heißt TSH, dann gibt es noch freie Hormone (fT3, fT4). Meiner Erfahrung nach kann die Schilddrüse bei Deressionen verrückt spielen, ohne dass sie krank ist. D.h. man muss wieder schauen was Ursache und was Wirkung ist. Normalerweise wird TSH mitgemessen bevor man sich in psychologische/psychiatrische Behandlung begibt um auszuschließen, dass die Schilddrüse die Ursache ist.

09.06.2022 11:24 • x 2 #11


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Grothszes

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Hi

Zitat von Michi87:
Ist bei mir genau dasselbe.

Das ist schade, wünsch ich keinem sowas.

Zitat von Michi87:
Außerdem habe ich schon mehrfach gemerkt, dass wenn die Depression zurückgeht, auch die Schmerzen usw. zurückgehen.

Und die Energielosigkeit, Ausgelaugtheit? Geht das bei dir vorüber? Ich bin jetzt ganz gut aus der Episode raus (wohlgemerkt: meine Einschätzung), habe mich vom ein oder anderen gut distanzieren können, aber die Kraftlosigkeit ist geblieben. Das, was mehr an Antrieb da war, ist jetzt wieder wegen der fehlenden Energie in Resignation umgeschlagen. Bin wieder am Resignieren und kriege Lustlosigkeitsanfälle. Das deutet für mich darauf hin, dass es ein parallel zur Depression laufender Defekt ist.

Zitat von Michi87:
Richtig ist aber auch, dass eine Depression nicht nur die Stimmung beeinflusst, sondern den gesamten Körper, Stoffwechsel, Stressantwort usw.

Verstehe, so hab ich das noch gar nicht gesehen (vor der gesichterten Diagnose dachte ich immer, es handelt sich nur um eine etwas stärkere Traurigkeit, was völlig blauäugig war). Dann würde mich nur interessieren, wie die dahinterstehenden biologischen Mechanismen sind. Ich denke mir auch: Was, wenn dieses Syndrom, so nenne ich es mal, Parallelen mit der Pathogenese von Burnout oder CFS hat? Ich habe gestern irgendwo gelesen, dass genau das der Fall sein kann.

Zitat von Michi87:
Das muss man gesondert machen.

Danke für die Info - weißt du denn, wie groß der Einfluss fehlender Vitamine (oder auch: Spurenelemente) auf Körper und Geist sein kann? Und stellt sich auch da die Huhn-Ei-Frage?

09.06.2022 12:25 • #12


Michi87

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Zitat von Grothszes:
Und die Energielosigkeit, Ausgelaugtheit? Geht das bei dir vorüber? Ich bin jetzt ganz gut aus der Episode raus (wohlgemerkt: meine Einschätzung), habe mich vom ein oder anderen gut distanzieren können, aber die Kraftlosigkeit ist geblieben.

Ja, das geht auch vorüber. Es braucht aber ein paar gute Tage bis ich mich auch körperlich wieder voll auf der Höhe fühle. Die anderen Beschwerden (Schmerzen, Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten) sind deutlich schneller verflogen.

Zitat von Grothszes:
Das deutet für mich darauf hin, dass es ein parallel zur Depression laufender Defekt ist.

Kann sein, muss aber nicht. Es ist schwer zu sagen, wann man eine depressive Episode wirklich hinter sich gelassen hat. Ich hatte hin und wieder mal eine ganze Woche in der ich mich topfit gefühlt habe und dann denke ich jedesmal: Jetzt ist es endlich vorbei. Aber nein, zu früh gefreut.

Zitat von Grothszes:
Verstehe, so hab ich das noch gar nicht gesehen (vor der gesichterten Diagnose dachte ich immer, es handelt sich nur um eine etwas stärkere Traurigkeit, was völlig blauäugig war)

Es ist eher ein Syndrom. Die Palette an möglichen Beschwerden ist riesig und die tatsächlichen Beschwerden variieren sehr stark von Person zu Person. Es gibt ein Video bei YouTube (Sapolsky, Depression in the US), wo einige der biologischen Zusammenhänge erklärt sind. Mein Fazit aus dem Video: Depression greift in extrem viele biochemische Prozesse ein (darunter Hormone, vegetatives Nervensystem, Neurotransmitter, Sympathikus/Parasympathikus). Viele Zusammenhänge sind bis heute nicht verstanden, darunter auch die Serotonin-Hypothese und der Wirkmechanismus von Antidepressiva.

Zitat von Grothszes:
Ich denke mir auch: Was, wenn dieses Syndrom, so nenne ich es mal, Parallelen mit der Pathogenese von Burnout oder CFS hat? Ich habe gestern irgendwo gelesen, dass genau das der Fall sein kann.

Burnout und Depression sind mMn stark verwandt. Ich würde sagen, ein Burnout schließt eine Depression mit ein. Zu CFS kann ich nichts sagen.

Zitat von Grothszes:
Danke für die Info - weißt du denn, wie groß der Einfluss fehlender Vitamine (oder auch: Spurenelemente) auf Körper und Geist sein kann? Und stellt sich auch da die Huhn-Ei-Frage?

Vitamine und Spurenelemente: sofern man sich nicht EXTREM einseitig ernährt oder eine bestimmte Krankheit hat, kann man in Deutschland keinen Mangelzustand bekommen. Es verleitet sehr, diese Spur zu verfolgen (Vitamin D, usw). Habe ich auch gemacht, obwohl die Ärzte mir davon abgeraten haben. Am Ende habe ich alles durchprobiert und kann nur sagen: es hat nichts davon geholfen.

09.06.2022 15:02 • x 1 #13


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Grothszes

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Zitat von Michi87:
Ja, das geht auch vorüber.

Tja, du Glücklicher. Bei mir bleibt das jetzt schon seit Jahren. Es ist zum Haare ausreißen. Alles fing mit Angstzuständen und einem inneren Widerwillen, inneren Widerstand gegen meine damalige Ausbildung an. War auf einmal völlig überfordert. Ich kann so nicht weiterleben.

Zitat von Michi87:
Viele Zusammenhänge sind bis heute nicht verstanden, darunter auch die Serotonin-Hypothese und der Wirkmechanismus von Antidepressiva.

Die Psychiaterin in der Klinik hat gesagt, nach ihrem Wissen seien im Moment keine Medikamente in Entwicklung, die den Cortisolspiegel normalisieren könnten oder zumindest unterstützend dort ansetzten. Aber gerade das wäre doch auch wichtig. Tja, so wie es aussieht, sind viel mehr Transmittersysteme betroffen als nur die Triade aus Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Speziell bei Antidepressiva wird ja davon ausgegangen, dass diese eine Kaskade an Transmitterspiegelveränderungen auslösen und auf unterschiedliche Weise zur Neuroplastizität beitragen. Aber extreme Energielosigkeit können auch die nicht heilen. Das einzige, was manchmal ein ganz klein bisschen hilft, ist eine leichte Schlaflosigkeit, ein leichter Schlafentzug.

Zitat von Michi87:
Ich würde sagen, ein Burnout schließt eine Depression mit ein.

Und vice versa?

09.06.2022 15:20 • #14


Michi87

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Zitat von Grothszes:
Und vice versa?

Mein Verständnis von Burnout: Überarbeitung bis hin zur vollständigen Erschöpfung und Depression (bin aber kein Fachmann). Allerdings kann auch eine nicht-arbeitsbezogene Depression zur körperlichen Erschöpfung führen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Burnout. Die Unterschiede sind nach meinem Verständnis die Ursache und der Verlauf.

Zitat von Grothszes:
Die Psychiaterin in der Klinik hat gesagt, nach ihrem Wissen seien im Moment keine Medikamente in Entwicklung, die den Cortisolspiegel normalisieren könnten oder zumindest unterstützend dort ansetzten.

Es gibt viele Aktivitäten, die das Anspannungsniveau senken können. Einfach mal einen Nachmittag ein gutes Buch lesen bspw.

09.06.2022 15:51 • x 1 #15


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Grothszes

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Zitat von Michi87:
Die Unterschiede sind nach meinem Verständnis die Ursache und der Verlauf.

Jo, nur was, wenn die zugrundeliegende Neuropathologie teilweise identisch ist?

Zitat von Michi87:
Einfach mal einen Nachmittag ein gutes Buch lesen bspw.

Guter Tipp, aber da scheitert es ja schon bei mir, ich habe nicht das Durchhaltevermögen und die Kraft zum Lesen längerer Texte. Was das Anspannungsniveau auch senkt, ist Tavor, aber das will mir bis dato niemand verschreiben. Was ich brauche, ist eine WUNDERPILLE, die mich wieder in Ordnung bringt.

09.06.2022 16:02 • #16


Michi87

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Zitat von Grothszes:
Jo, nur was, wenn die zugrundeliegende Neuropathologie teilweise identisch ist?

Verstehe die Frage nicht ganz. Worauf willst du hinaus? Natürlich ist die Pathologie ähnlich. Letztendlich ist es aber nicht so wichtig ob man einen Burnout hat oder nur eine Depression. Man steht vor einem Scherbenhaufen und muss von neuem anfangen.

Zitat von Grothszes:
Guter Tipp, aber da scheitert es ja schon bei mir, ich habe nicht das Durchhaltevermögen und die Kraft zum Lesen längerer Texte.

Ja, ich weiß. Das ist ärgerlich. Mir wurde immer zu Ausdauersport geraten. Dabei war ich körperlich komplett erschöpft und konnte einfach nicht. Beim Lesen ging es mir anfangs auch so. Aber wenn man es regelmäßig macht, dann adaptiert sich das Gehirn und es fällt einem wieder leichter. Wie vertreibst du dir denn im Moment die Zeit?

09.06.2022 17:23 • x 1 #17


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Grothszes

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Zitat von Michi87:
Verstehe die Frage nicht ganz. Worauf willst du hinaus?

Naja, ist im Grunde recht egal, denn die Art der Behandlung gleicht sich ja unterm Strich. Dachte nur so: Was bei Burnout hilft, muss auch bei Depression helfen, wenn's neurostrukturell miteinander verwandt ist - ich weiß, komisches Geschwurbel.

Zitat von Michi87:
Mir wurde immer zu Ausdauersport geraten.

Mal sehen, wie ich das irgendwie umsetzen könnte - ist wohl die effektivste Methode, weil die härteste.

Was ich so mache? Am meisten zocke ich, dann arbeite ich hin und wieder an meinen selbstgeschriebenen Songs, manchmal lese ich kleinere Texte, räume etwas auf und gelegentlich hänge ich für 'ne halbe Stunden oder so nur im Bett rum, weil ich keine Lust auf nichts habe. Nun ja, passt schon. Es ist wie es ist.

09.06.2022 17:58 • #18


Michi87

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Zitat von Grothszes:
Was ich so mache? Am meisten zocke ich, dann arbeite ich hin und wieder an meinen selbstgeschriebenen Songs, manchmal lese ich kleinere Texte, räume etwas auf und gelegentlich hänge ich für 'ne halbe Stunden oder so nur im Bett rum, weil ich keine Lust auf nichts habe.

Hast du Möglichkeiten etwas Abwechslung in deinen Tagesablauf zu integrieren? Fahrrad fahren, Freunde treffen, dich mit anderen zum Musik machen zusammentun. Sonst besteht die Gefahr, dass du in deiner Wohnung versumpfst (nicht böse gemeint). Die Psyche hat ihre eigenen Bedürfnisse und die werden z.B. beim Zocken nicht erfüllt.

09.06.2022 22:23 • x 1 #19


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Grothszes

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Zitat von Michi87:
Fahrrad fahren, Freunde treffen, dich mit anderen zum Musik machen zusammentun.

Alles Dinge, die ich auch vor hätte, aber bis jetzt nicht schaffe. Fahrrad kaufen und Band gründen, das steht bei mir ganz oben auf der to-do-Liste, neben Ausbildung beenden und Geld verdienen. Aber es klappt nicht, weil ich mich wie ein Zombie fühle, dem die Lebenskraft geraubt wurde. Natürlich versumpfe ich. Spiele kein Gitarre mehr. Spiele immer die gleichen Spiele. Null Abwechslung. Rede tagelang mit niemanden. Freunde habe ich kaum. Meine Familie ist sowieso verkorkst. Kein Kontakt zu meinen Eltern und auch nicht zu meinen Brüdern. Verwandte kenne ich nicht, weil sich meine Eltern früh von allem abgekapselt haben, aufgrund ihrer Eigenbrötlerei und fehlenden Konfliktlösefähigkeit. Aber vielleicht ist alles das meine gerechte Strafe. Ich bin ein schlechter Mensch. Deswegen werde ich auch ignoriert. Weil ich was Gefährliches an mir hab.

10.06.2022 08:00 • #20


Michi87

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Deine aktuelle Situation erhält die Depression aufrecht. Glaube mir, ich habe das auch schon hinter mir. Tagelang zocken ohne überhaupt noch Spaß daran zu haben. Tagelang mit niemandem sprechen. Alleine in meiner Wohnung. Nicht mehr zum Briefkasten gehen.

Zitat von Grothszes:
Alles Dinge, die ich auch vor hätte, aber bis jetzt nicht schaffe. Fahrrad kaufen und Band gründen, das steht bei mir ganz oben auf der to-do-Liste, neben Ausbildung beenden und Geld verdienen. Aber es klappt nicht, weil ich mich wie ein Zombie fühle, dem die Lebenskraft geraubt wurde.

Okay, das kann ich nachvollziehen. Vielleicht kannst du die Messlatte einfach so weit nach unten legen, bis du etwas findest, dass du einfach umsetzen kannst. Bspw. einen Nachmittag lang im Wald spazieren gehen oder mit dem 9-Euro Ticket in die nächste Stadt fahren und ein bisschen rumschlendern. Wahrscheinlich ist im Moment die Hürde einen Tag außerhalb der Wohnung zu verbringen schon hoch genug. Aber das ist okay. Du kannst nicht gleich erwarten, dass du deinen Tagesablauf von heute auf morgen auf den Kopf stellst.


Zitat von Grothszes:
Meine Familie ist sowieso verkorkst. Kein Kontakt zu meinen Eltern und auch nicht zu meinen Brüdern. Verwandte kenne ich nicht, weil sich meine Eltern früh von allem abgekapselt haben, aufgrund ihrer Eigenbrötlerei und fehlenden Konfliktlösefähigkeit. Aber vielleicht ist alles das meine gerechte Strafe. Ich bin ein schlechter Mensch. Deswegen werde ich auch ignoriert. Weil ich was Gefährliches an mir hab.

Da bist du zu hart zu dir selbst. Ich glaube nicht, dass du ein schlechter Mensch bist oder eine gerechte Strafe verdienst. Schade, dass der Kontakt zur Familie abgerissen ist. Aber man kann sich seine Eltern leider nicht aussuchen. Die geben einem oft ihre eigenen Probleme mit an denen man dann lange zu knabbern hat.

11.06.2022 14:40 • x 1 #21



Hallo Pauline1962,

x 4#22


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Grothszes

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Zitat von Michi87:
Deine aktuelle Situation erhält die Depression aufrecht.

Natürlich ist das so und die depressionsbedingte Erschöpfung kommt dann nochmal oben drauf auf die chronische Erschöpfung. Beides addiert sich. So denke ich mir das jedenfalls. Das hier zu Hause ist eine Echokammer.

Zitat von Michi87:
Wahrscheinlich ist im Moment die Hürde einen Tag außerhalb der Wohnung zu verbringen schon hoch genug.

Muss ich gucken. Das Problem ist irgendwie auch, dass ich keinen Antrieb aufbringen kann, um mich um mich selbst zu kümmern. Als wenn ich es mir nicht wert wäre. Gerade das haben ja viele als Problem in der Depression. Aber bei mir denke ich, dass dies etwas ist, das chronisch in der Psyche kaputt ist, weil ich es mir ja nie wert bin. Ich funktioniere nur in solchen Settings wie der Klinik.

Zitat von Michi87:
Ich glaube nicht, dass du ein schlechter Mensch bist oder eine gerechte Strafe verdienst.

Naja, ganz ausschließen kann ich es aber nicht, dass ich nicht bestraft werde. Ich habe zwar nichts angestellt, aber von irgendwoher muss das ja kommen. Warum sonst sollte man jemandem das antun.

11.06.2022 22:14 • #22