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Should I stay or should I go?

C
Hallo,
Sorry für den langen Text:
Ich bin Anfang 30, m, und kämpfe seit meiner Jugend (13-14) mit Depressionen. Diese Depressionen sind nicht ständig präsent, sondern kommen besonders dann zum Vorschein, wenn es mir schlecht geht oder ich Alk. trinke (Stimmungsverstärker, in beide Richtungen).

Die Depressionen in meiner Jugend entstanden klischeeweise aus Mobbing, Trennung der Eltern, keine sozialen Kontakte, etc. Ich fühlte mich einfach nie wirklich wertvoll und hatte auch ein schlechtes Selbstbewusstsein, welches ich mit Aggressionen und Abstoßung gegenüber anderen kaschieren wollte. Meine Grundstimmung war daher eher pessimistisch.

Zu meinen Depressionen gehörten u.a. Minderwertigkeitskomplexe, Einsamkeit, Suizidgedanken.

Mit 14 hatte ich meinen ersten Suizidversuch, bei dem ich mich Erhängen wollte. Ich hatte bereits einen Abschiedsbrief geschrieben und die Schlinge um den Hals gelegt, bin dann aber aus Feigheit nicht gesprungen. Ich hatte danach noch ein paar weitere "beinahe" Versuche (Ritzen, vor den Zug schmeißen), war aber immer zu feige um es wirklich durchzuziehen.

Nach der Schule bin ich zum Studieren in eine WG gezogen und hatte das erste Mal in meinem Leben das Gefühl mein eigener Chef zu sein. Ich konnte selbstbewusst werden, meine eigene Meinung sagen und nach meinen eigenen Wertvorstellungen leben. Die Gemeinschaft mit den Anderen war die schönste Zeit meines Lebens, damals ging es mir vergleichsweise sehr gut.
Während meines Studiums lernte ich dann meine Freundin kennen, mit der ich immer noch zusammen bin (mittlerweile seit 8 J.).

Für mich war das damals die erste richtige Beziehung und am Anfang war es auch sehr schön, endlich auch eine Freundin zu haben. Im Laufe der Zeit hatte sich das Bild allerdings immer mehr getrübt, da es meiner Freundin oft psychisch sehr schlecht geht und ich immer versuche sie aufzumuntern. Da sie teilweise sehr pessimistisch ist, ist das auch nicht immer so einfach und kostet mich sehr viel Kraft, da ich ja selbst eher der pessimistische Typ bin. Da ich ihr natürlich keinen Vorwurf für ihre Situation machen will, habe ich immer versucht ihr emotionalen Beistand zu geben.

Ich hatte sie dazu überreden können zusammen mit mir zu einem Psychotherapeuten zu gehen. Sie war sehr skeptisch und ablehnend, hatte es aber mir zur liebe gemacht. Leider war der Besuch ein großer Reinfall, da der Therapeut ständig über belanglosen schei. geredet hatte und nicht wirklich Fragen stellte. Das "ich habs dir doch gleich gesagt, dass die Idee schei*e ist" hatte ich auch ohne die wörtliche Aussprache von ihr verstanden.

Am Ende des Studiums ging es mir psychisch richtig schlecht. Ich hatte meine Abschlussarbeit bei einer Firma gemacht, die relativ weit von meinem ehemaligen Wohnort (und sozialem Umfeld) entfernt lag. Ich war für ca. 9 Monate sozial fast komplett isoliert und hatte außer meiner Abschlussarbeit keine weiteren Beschäftigungen. Da meine Freundin zeitgleich ihre Abschlussarbeit schrieb, konnten wir uns auch nur sehr selten sehen. Der Betreuer meiner Universität hatte mich richtig fertig gemacht, da er mir zum Ende meiner Arbeit immer weitere zusätzlichen Aufgaben aufgebrummt hatte und mich damit immer mehr unter Druck setzte. Ich hatte sehr starke Suizidgedanken und hatte versucht diese mit Alk. zu ertränken. Wie ich durch diese Hölle durchgekommen bin, frage ich mich heute noch.

Nach meiner Abschlussarbeit war ich fix und fertig. Ich bekam Ohrfiepsen /Tinitus und war auch sonst ein völliges Wrack. Während viele Absolventen nach dem Studium erstmal groß verreisen, hatte ich Geldsorgen und musste mich daher sofort um einen Job bemühen. Meine Freundin und ich sind nach dem Ende unseres Studiums zusammengezogen.

Mittlerweile sind wir beide voll im Berufsalltag. Da wir aufgrund der aktuellen Situation beide viel im Homeoffice sind, sehen wir uns quasi 24/7/365. Leider streiten wir uns sehr viel. Es sind immer die gleichen Themen, die gleichen Probleme. Nach 8 Jahren sollte man ja eigentlich langfristige Planungen/Ziele (wie z.B. Eigentum kaufen, Kinder, Heirat, …) verfolgen, allerdings kann ich mir dies bei den vielen Streitereien einfach nicht vorstellen. Ich persönlich habe schon lange keine "echten" Liebesgefühle mehr, da die vielen Streitereien dies über Jahre zerstört haben. Trotzdem ist mir meine Freundin so extrem wichtig und ich will ihr eine Trennung nicht zumuten.

Da ich selber weiß, dass ich Hilfe brauche, hatte ich vor ca. 3 Jahren eine Psychotherapie gemacht. Es war sehr anstrengend, einen (geeigneten) Therapeuten zu finden, daher war ich mega glücklich als ich nach vielen Anläufen jemand gefunden hatte. Obwohl der Therapeut mir wortwörtlich gesagt hatte, dass er nicht in meiner Haut stecken wolle, fand ich die Therapie gut. Leider wurde diese durch die Corona Pandemie "zwangsbeendet".

Ich hatte es nach ca. einem Jahr nochmal bei demselben Therapeuten versucht, allerdings war dieser mittlerweile im Ruhestand. Ich hatte dann einfach keine Lust mehr nochmal den gleichen Marathon auf der Suche nach einem Therapeuten durchzugehen und hatte mich damit abgefunden.

Seit den letzten 3 Jahren habe ich das Gefühl, dass jeder Tag der gleiche ist und der Alltag allumfassend ist und keine Variationen zulässt. Wir leben vor uns hin und versuchen uns mit Netflix und Co. von unserem Leben abzulenken. Die Probleme bleiben bestehen bzw. werden schlimmer.

Im beruflichen Alltag komme ich zu nichts mehr. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren und sehe keine Perspektiven. Ich hatte meinen Job vor ca. 6 Monaten gewechselt, in der Hoffnung, dass ich wieder neue Anreize bekomme. Ich wurde kurz vor Ende der Probezeit gekündigt und werde bald wieder einen neuen Job anfangen. Allerdings habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, was ich will oder wohin ich mich entwickeln möchte.

Ich fühle mich immer leerer, sehe keinen Sinn mehr an einem Leben festzuhalten, welches keinen Inhalt für mich hat. Ich habe null Motivation, null Perspektive und null Gefühle mehr. Da ich keine Kraft habe, versuche ich meine Probleme immer weiter zu verdrängen.

Früher hatte ich aus Respekt gegenüber meiner Freundin Familie einen wirklichen Suizid immer ausgeschlossen, auch wenn mir wirklich alles schei*egal war. Mittlerweile wird es jeden Tag immer schlimmer und ich kann nicht mehr sagen, wie lange ich noch "feige" bleibe. Die Vorstellung, was ich meinem Umfeld antuen würde tut mir so unendlich leid. Aber warum soll ich persönlich immer länger leiden, nur um für andere als Hülle physisch anwesend zu sein?

Heute hatte ich damit begonnen bezüglich der Beschaffung diverser Medikamente zu recherchieren, die einen möglichst sanften Tod herbeiführen. Leider bin ich noch nicht schlau geworden, wie ich diese Medikamente bekomme.

Nächste Woche habe ich ein erneutes Erstgespräch mit einem Therapeuten. Sollte dies wieder so sinnlos verlaufen habe ich ehrlich gesagt keinen Bock mehr. Ich habe so oft um Hilfe gebeten, aber irgendwann reicht es mir. Irgendwie nimmt es keiner so wirklich ernst.

Abschließend noch ein paar Songs, die mein Leben ganz gut beschreiben:
• "Wieder mal ´nen Tag verschenkt" - Böhsen Onkelz
• "Same Dam n Life" – Seether
• "Fine Again" - Seether

Liebe Grüße,
Thomas

08.02.2022 18:31 • x 1 #1


aurora333
Lieber @Thomas, was Du schreibst macht mich sehr betroffen, und ich möchte Dich wissen lassen, dass ich Deine Verzweiflung verstehe. Ich denke, dass viele in diesem Forum den Ort an dem Du stehst kennen , weshalb ich leere Floskeln und Sprüche vermeiden möchte.

Deine Situation ist schwierig und eine Veränderung derselben sieht wird Arbeit kosten, und Du erkennst ja auch, dass sie mit (Psycho)Arbeit verbunden ist, zu der Dir jetzt grad die Energie fehlt. In Dir gibt es aber auch eine grosse Lebenskraft und einen Lebenswillen , was absolut keine Feigheit ist ! Auch dass Du es noch einmal mit einem Therapeuten versuchen willst beweist das.

Vielleicht wäre es auch überlegenswert, ob Du Dir vorübergehend medikamentös helfen lassen willst. Gerade bei Erschöpfungsdepressionen ( bin vorsichtig mit Diagnosen stellen, doch es wäre ja nicht verwunderlich wenn Dich eine solche plagt) kann so ein stimmungsaufhellendes Mittel die notwendige Basis zum Weitermachen bieten.


Ich sende Dir liebe Grüsse und alles Gute !

09.02.2022 00:57 • x 4 #2


A


Hallo chriscornell,

Should I stay or should I go?

x 3#3


Ziva
Lieber @chriscornell oder Thomas (:

Ich hatte deinen Beitrag gestern Abend bereits gelesen. Eine Antwort habe ich dir nicht dagelassen, weil ich so blöd es klingen mag, nicht die passenden Worte fand. Ich hatte Angst, dass alles was ich hätte geschrieben, dich nicht erreichen würde oder falsch bei dir ankommt. Das wollte ich nicht. Also schrieb ich nichts.

Und heute denke ich, dass das sicher falsch war. Denn wenn man sich hier öffnet, freut man sich über Resonanz zu seinem Beitrag. Mir geht es zumindest so.

Ich möchte dir gern mitteilen, dass du nicht alleine bist und ich deine Verzweiflung durchaus verstehen kann.
Nicht nur dein Beitrag hat mich sehr berührt, sondern auch dein Name hier im Forum.

Wichtige Worte schreibt @aurora333 über mir.

Gib nicht auf.

Ziva

09.02.2022 12:40 • x 3 #3


C
Vielen Dank für eure Antworten,

Zitat von aurora333:
Du erkennst ja auch, dass sie mit (Psycho)Arbeit verbunden ist

Ja, das ist mir bewusst. Die traurige Wahrheit ist aber, dass es exterm schwierig ist, den geeigneten Therapeuten zu finden: Dieser muss a) Therapieplätze erstmal anbietet, b) zu einem persönlich passen, c) Termine anbieten, die auch als Berufstätiger wahrnehmbar sind, d) in erreichbarer Nähe sein.

Außerdem habe ich immer Angst davor, wie drastisch ich meine Depressionen formulieren soll. Ich möchte nicht Zwangseingewiesen werden oder einen negativen Eintrag bei meiner (Kranken)versicherung bekommen.

Für mich ist dies das größte Dilemma. Ich habe das Gefühl, dass ich nur eine Chance auf eine Therapie habe, wenn ich akut suizidgefährdet bin oder viel Geld für Privatpatienten Preise zahle.

Zitat von aurora333:
Vielleicht wäre es auch überlegenswert, ob Du Dir vorübergehend medikamentös helfen lassen willst.

Das hatte ich mir auch schon überlegt. Ich komme mir allerdings dabei komisch vor dies als Patient zu fragen. Sollte dieser Vorschlag nicht vom Therapeuten bzw. Arzt kommen?

09.02.2022 17:34 • x 1 #4


O
Stay!

Depressionen sind sch. und manche Lebenssituationen auch. Aber daran lässt sich arbeiten.

Und, wie Du selbst schon erlebt hast, bleibt diese, gefühlt auswegslose Situation, nicht bestehen.
Auch Du kommst da wieder raus. Weil Du es schon mal geschafft hast.
Du klingst sehr reflektiert, was Dir schon mal gut weiterhelfen kann.

Wichtig ist, dass Du darüber sprichst, wie es Dir geht. Ein guter Anfang ist bestimmt dieses Forum.
Auch, wenn es etwas dauert einen geeigneten Therapeuten zu finden, schaue Dich um.
Ein stationärer Aufenthalt könnte ansonsten auch weiterhelfen.
Natürlich kannst Du Ärzte oder Therapeuten auf Medikamente ansprechen. Das ist weder komisch, noch brauchst Du Dich dafür zu schämen.
Egal was, versuche in kleinen Schritten eine Änderung herbei zu führen. Ohne Dein Leben zu beenden!

Vielen hier geht oder ging es ähnlich wie Dir.

Und noch etwas haben wir, denke ich, alle gemeinsam: Wir bringen uns nicht um!

09.02.2022 18:22 • x 5 #5


bones
Zitat:
Für mich ist dies das größte Dilemma. Ich habe das Gefühl, dass ich nur eine Chance auf eine Therapie habe, wenn ich akut suizidgefährdet bin oder viel Geld für Privatpatienten Preise zahle.


nun du sollst dein schon ehrlich beantworten.es bringt dir in keinster weise was, einem deine symptome netter auszudrücken. der therapeut muss es auch einschätzen können, ob eine therapie mit jemand sinn macht oder nicht. aber wenn dir suizidgedanken im moment plagen, kann ich dir aus erfahrung sagen, dass du da keinen platz bekommen wirst. die sollte unter ärztlicher behandlung behandelt werden,dann ist eine therapie möglich. das hat auch ein gewiss schutz für den therapeut.

Zitat:
Das hatte ich mir auch schon überlegt. Ich komme mir allerdings dabei komisch vor dies als Patient zu fragen. Sollte dieser Vorschlag nicht vom Therapeuten bzw. Arzt kommen?


nun das braucht es nicht. nun ein therapeut ist da nicht der erster ansprechpartner, der/die das sagen wird. dafür sind die in der regel nicht ausgebildet. natürlich gibt es ausnahmen.aber ich geh immer von einen normalen therapeuten.die können dir da wenig helfen. eher würd ich an deiner stelle an einen psychiater wenden. der /die kann dir da weiter helfen.
auch braucht es dir nicht komisch vorkommen. kein arzt kann in dir rein sehen bzw sehen,was du hast. da muss du den ersten schritt machen wegen medikation.

09.02.2022 18:33 • x 1 #6


C
Update:
Ich hatte diese Woche ein Erstgespräch mit einem Psychotherapeuten. Der Therapeut war freundlich und empathisch, allerdings empfand ich etwas komisch, dass er ständig ans Telefon ging oder den Raum verlassen hatte (es hatte an der Tür geklingelt). Ist dann schwierig sich jemanden zu öffnen, der eigentlich keine Zeit hat...

Da es vielleicht nur ein Einzelfall war, gebe ich ihm noch eine Chance. Ich habe für nächste Woche einen Folgetermin vereinbart.

Ich hatte den Therapeuten auch auf das Thema Medikation angesprochen. Er meinte allerdings, dass es ggfs. kontraproduktiv zur Therapie sein kann (Medikamente könnten einen herunterfahren).

Von meinen schlechten Gedanken komme ich nicht so wirklich weg. Mich machen vor allem Arbeit und Alltag immer mehr fertig.

18.02.2022 17:07 • x 2 #7


N
Hallo chriscornell,

war übrigens n guter Musiker.

Ich verstehe dich, mir gehts/ging es immer ähnlich aber aufgeben ist doch auch keine Option!

18.02.2022 22:41 • x 1 #8


aurora333
Lieber Chriscornell,

toll, welche Initiativen und Schritte Du ergriffen hast ! Das zeigt wie viel Power in Dir steckt!

Der erste Therapeut kommt mir nicht wie ein Glückstreffer vor...ich finde er hätte in der Zeit mit Dir voll da sein müssen, ohne ständig das Gespräch zu unterbrechen !

Und die pauschale Aussage, dass Medikamente prinzipiell kontraproduktiv zu Therapien seien ist schlichtweg falsch!

Klar gibt es Medikamente die herunterfahren. Jedoch noch lange nicht alle. Und manchmal ist es hilfreich für eine gewisse
Zeit auf eine gewisse Weise herunter zu fahren.

Wie ich aus Deinen Sätzen herauslese, bist du auch nicht besonders begeistert von diesem Therapeuten. Deshalb frage ich mich,
wie viel es Dir bringt, nochmals dahin zu gehen.

Da die Chemie/Beziehung zwischen Therapeut und Klient zentral für den Therapieerfolg ist, schlage ich Dir vor, wenn irgend möglich noch andere Therapeuten zu treffen. Immer hin hast Du diesen ja rasch gefunden, vielleicht findest Du auch bald jemanden bei dem Du Dich besser fühlst ?

Aber super, dass Du Dich dazu aufraffen konntest , Dir Hilfe zu holen

18.02.2022 23:09 • x 3 #9


C
Danke für die netten Worte.
Ja, ich wäre auch gerne stark und würde nicht aufgeben. Aber es tut sich halt dann doch nichts bzw. verbessert sich. Normalerweise versuche ich schon die kleinen Dinge positiv zu sehen, aber momentan ist halt nicht wirklich viel da.
Beruflich ist es gerade total schlecht. Ich bin fast zu 100% im Home Office und mache den ganzen Tag nichts. Jeden Abend denke ich mir, dass der nächte Tag genau so sinnlos wird, wie die letzten Tage/Wochen/Monate auch.
Und da ich so sehr unproduktiv bin, fühl ich mich jeden Tag noch schlechter. Das traurige ist, dass es nicht mal auffält, dass ich quasi nichts tue.

Meine zweite Therapiesitzung war leider auch nicht so toll. Der Therapeut hatte mir gesagt, dass er nur eine Gruppentherapie anbietet, was ich erstmal als skeptisch empfand. Ich glaube nicht, dass ich mich vor mehreren Leuten so öffnen kann, wie im Einzelgespräch. Ich habe gesagt, dass ich es mal probieren werde, viel Hoffnung ist aber nicht da.

Mal schauen was daraus wird...

21.02.2022 21:07 • #10


aurora333
Nicht alle konnten dem Home-Office etwas abgewinnen, da bist Du keine Ausnahme. Hat das einen absehbaren Schluss und Du kannst wieder wie früher unter die Leute ?

Nein, gleich kommt man schon aus rein zeitlichen Gründen in einer Gruppentherapie nicht so wie in Einzeltherapien zum Zug, doch wenn man dran ist , und etwas mehr von sich erzählen will, dann ist das auch ok. So viel ich weiss, werden solche Gruppen auch von TherapeutInnen geführt. Jede ist anders, und in der Regel steht jedem Mitglied frei wie viel zu welcher Zeit es mitteilen möchte. Ich besuchte einige therapeutische- und Selbsthilfegruppen. Von vielen habe ich profitiert. Der Vorteil von Gruppen, nicht zu unterschätzen, ist auch, dass man dadurch dass man nicht alleine ist mit einem Problem, wieder neuen Mut schöpfen kann...eben auch wieder vermehrt das Positive sehen.

Würde sagen, Probieren geht über Studieren. Gehen kannst Du jederzeit. Bin gespannt, wie das für Dich wird. Ich drücke Dir die Daumen !

21.02.2022 23:12 • x 2 #11


Jana7
Einen Therapeuten, der ständig Anrufe entgegennimmt und zur Tür rennt? Es wäre ein No-Go für mich.
Wirklich erschreckend!

Viel helfen kann nicht natürlich nicht.

Spontan kam mir der Gedanke: Hey - warum nicht einfach mal in den Urlaub fahren oder eine Weltreise machen?
Alles hinter sich lassen. Auch die Freundin...
Für Dein Umfeld dürfte es einfacher als ein Suizid sein.

Ich muss an einen jungen Schweizer denken, der sich zum Millionär machte. Er war in Südafrika im Urlaub und sah plötzlich keinen Sinn mehr darin, Geld (Finanzbereich) zu machen. Er kümmert sich jetzt um Afrika's Tiere und ist happy. Er lädt YT Videos hoch.

Es geht im Leben um Dich. Du solltest versuchen, Dein Glück zu finden. Vielleicht liegt es ganz woanders.
Aber Mut, Antrieb benötigt man dazu.

Auf Reisen trifft man so viele Menschen. Man wird inspiriert.

Psychotherapie/Medikamente
Viele schaffen es ohne Medis nicht zum Therapeuten.

Vor der Antidepressiva Einnahme - insbes. SSRI - sollte man wissen, dass man das Pech haben kann - meist nach dem Absetzen - , dauerhaft unter erektiler Dysfunktion zu leiden.
Die Statistiken dazu kenne ich nicht. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Wer traut sich, das seinem Arzt zu sagen - und eine Meldepflicht besteht sowieso nicht.
Unter PSSD findet man bei Wiki Näheres dazu.
Es gibt Antidepressiva mit kleinerem Risiko...

23.02.2022 15:40 • x 1 #12


Kitten
Hallo @chriscornell
Erstmal möchte ich dir mitteilen, dass dein Nickname mich gerade in die Vergangenheit eintauchen lässt. Ich mag die melancholische Musik von C.C. sehr. Sie hat mir vor Jahren sehr intensive Momente geschenkt und wichtige Phasen begleitet, auch einmal live an einem Konzert habe ich Chris erlebt. Sehr traurig, dass er - diese charismatische Persönlichkeit mit unverwechselbarer Stimme - nicht mehr unter uns ist

Auch mich hat deine Geschichte und Vergangenheit sehr berührt und betroffen gemacht. So viel Leid musstest du in deinem Leben schon erdulden bzw. erduldest es noch immer. Ich finde es schon einmal toll, dass du dich hier im Forum angemeldet hast. Hier findest du Hilfestellungen zu verschiedenen Lebensfragen.

Dass du bereits Termine mit einem Psychotheraupten ausgemacht hast, war ein grosser Schritt in die richtige Richtung! Jedoch finde ich es auch sehr befremdlich, dass er während eurem Gespräch Anrufe entgegengenommen hat oder zur Tür rannte, dies wirft eher ein zweifelhaftes Licht auf diesen Therapeuten. Das sollte nicht der Normalfall sein.

Ich kann dir als Hilfestellung nur mitgeben, dass du dich gut informierst über Depressionen und ihre Auswirkungen. z.B. mit Büchern oder eben hier im Forum.

Der Rat von Jana finde ich persönlich etwas fragwürdig und plump:
Zitat von Jana7:
Spontan kam mir der Gedanke: Hey - warum nicht einfach mal in den Urlaub fahren oder eine Weltreise machen? Alles hinter sich lassen. Auch die Freundin...

Dem Grundgedanken, dass Reisen inspireren kann und zu neuen Denkweisen verhelfen kann im besten Sinne, dem stimme ich voll zu. Doch schlussendlich ist Reisen auch sehr kostspielig und zeitintensiv. Es kann doch nicht jeder einfach auf eine Weltreise gehen oder sich eine längere Auszeit nehmen... Zudem sind wir noch immer in einer Pandemie. Die nötigen finanziellen Mittel haben längst nicht alle Menschen! Zudem ist Reisen typmässig auch nicht jedermanns Sache... Und du bist ja auch noch beruflich eingebunden.

Ich wünsche dir an dieser Stelle viel Kraft und Mut für die weiteren Schritte!
Liebe Grüsse, Kitten

24.02.2022 13:39 • x 2 #13


C
Zitat von aurora333:
Hat das einen absehbaren Schluss und Du kannst wieder wie früher unter die Leute ?

Naja, ich habe bald einen neuen Job. Dort wird es nicht mehr so viel Home Office geben, was ich erst mal positiv auffasse. Ich befürchte nur, dass ich aufgrund meiner persönlichen/psychischen Situation nicht gut bei den neuen Kollegen ankommen werde. Gerade den ersten Eindruck möchte ich keinesfalls vermasseln.
Zitat von aurora333:
dass man dadurch dass man nicht alleine ist mit einem Problem, wieder neuen Mut schöpfen kann

Das stimmt natürlich. Ich habe nur die Befürchtung, dass dieser Effekt nur die Symptome meiner Depession verbessert, aber nicht die Ursachen angeht (bspw. Erfahrungen aus der Kindheit/Jugend verarbeiten).
Zitat von aurora333:
Probieren geht über Studieren. Gehen kannst Du jederzeit.

Das sehe ich auch so

Zitat von Jana7:
Hey - warum nicht einfach mal in den Urlaub fahren oder eine Weltreise machen?

Manchmal wünsche ich mir, dass ich auf einer einsamen Insel sein kann, fernab von all den Problemen. Nicht für immer, aber für eine unbestimmte Zeit.

Zitat von Jana7:
Es geht im Leben um Dich. Du solltest versuchen, Dein Glück zu finden. Vielleicht liegt es ganz woanders.
Aber Mut, Antrieb benötigt man dazu.

Das stimmt. Aber was ist, wenn du nicht mehr deinem eigenen Bauchgefühl / Intuition vertraust? Ich dachte bspw., dass ein Jobwechsel mir helfen würde. Jetzt habe ich es dennoch bereut, obwohl ich ursprünglich davon überzeugt war.

Wenn ich meinem Herzen folgen würde, würde ich mich der Musik und/oder den Tieren widmen. Ich hatte bspw. mal eine Schlittenhundtour gemacht und konnte das erste Mal seit Langem mein Gedankenkarusell wirklich abschalten. Im hier und jetzt leben, unberührte Natur, viele Hunde/Tiere.
Musik machen würde ich auch wieder gerne, habe viele Jahre in einer Band gespielt. Aber das ist leider vorbei. Die Motivation wieder neue Leute zu finden habe ich leider nicht...

Rationell sehe ich in meinen Herzenswünschen keine langfristige/sichere Zukunft. Mir macht es Angst, dass ich im fortschreitenden Alter verarme, deshalb bin ich gezwungen in einem Beruf zu arbeiten, der mich/mein Umfeld absichert.

Zitat von Kitten:
auch einmal live an einem Konzert habe ich Chris erlebt.

Dafür beneide ich dich. Ich hätte so gerne Chris Cornell und Chester Bennington einmal live gesehen. Leider nicht mehr möglich...

Zitat von Kitten:
Ich kann dir als Hilfestellung nur mitgeben, dass du dich gut informierst über Depressionen und ihre Auswirkungen. z.B. mit Büchern oder eben hier im Forum.

Ja, das werde ich. Ich hoffe aber, dass ich dafür auch irgendwann den/die richtigen Therapeuten finde...

25.02.2022 16:57 • x 1 #14


C
Ich wollte mich mal wieder melden und meine aktuelle Situation schildern:
Leider hat sich mein Zustand nicht wirklich verbessert, trotz der Gruppentherapie. Die Gruppe an sich ist gut und es gibt interessante Gespräche, allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass ich eine (spürbare) Verbesserung erfahre. Nach der Sitzung fühle ich mich zwar etwas besser, aber dieser Effekt verfliegt wieder relativ schnell.
Im Alltag ist der Gedanke Suizid ständig präsent, ich könnte jederzeit losheulen und habe keine Energie. Mein neuer Job hat eine gefühlt hohe Arbeitslast, der ich mich nicht gewappnet fühle, obwohl mir die Themen grundsätzlich Spaß machen. Meine innere Batterie ist immer leer und ich bekomme sie nicht mehr aufgeladen...

Ich habe viel darüber nachgedacht, was mich noch davon abhält das Zeitliche zu Segnen. Im Prinzip lebe ich nur noch für Andere, meine Partnerin, Bekannte und Familie. Ich selbst sehe keine Perspektiven mehr, alles erscheint sinnlos und langweilig. Ist es egoisitsch, wenn man das nicht mehr möchte? Warum soll ich mein Leben lang mich quälen, nur für Andere?

Was mich verärgert ist, dass mein Therapeut nicht der Meinung sei, dass ich eine Kur o.ä. in Anspruch nehmen könne. Für ihn ist scheinbar alles in Butter, solange ich quasi meinen Plan nicht in die Tat umsetze. Bedeutet für mich, dass ich keine Chancen auf Besserung sehe oder noch irgend eine Motivation hätte Hilfe zu suchen.

Tja, so ist es bei mir. Viel fällt mir nicht mehr ein.

07.05.2022 23:19 • x 1 #15


O
Zitat von chriscornell:
Ich selbst sehe keine Perspektiven mehr, alles erscheint sinnlos und langweilig. Ist es egoisitsch, wenn man das nicht mehr möchte? Warum soll ich mein Leben lang mich quälen, nur für Andere?

Rufe Dir immer ins Gedächtnis, dass genau das depressive Gedanken sind. Sie vergehen, wenn die Depression geht. Dann kannst Du auch wieder sehen/ fühlen/ wissen, dass Du für Dich lebst und für keinen anderen.

Es tut mir sehr leid, dass Dein Therapeut Dich da nicht besser betreut.

Versuche Dir irgendwie einen stationären Aufenthalt mit Krankenstand zu organisieren und hole Dir weitere Hilfe.
Auch medikamentöse Unterstützung wäre eventuell angebracht.

Und ganz wichtig: Glaube die Gedanken nicht, die Dich gefühlt wissen lassen, dass alles sinnlos ist.

Ich sende Dir einen großen Schwall Hoffnung und Durchhaltungsvermögen!

Bleib am Leben!
Für Dich!

07.05.2022 23:31 • x 2 #16


aurora333
Lieber @christcornelli, ich möchte mich dem was @ohneFunktion schreibt unbedingt anschliessen. Dass Du in Deinem Leben keinen Sinn erkennen kannst, ist ein Kardinalsymptom einer Depression. Du braucht unbedingt effiziente medikamentöse Unterstützung, damit Du Dich mit einer fragenderen Basis in der Welt bewegen kannst. So als vorübergehende Krücke finde ich das jetzt wirklich angesagt. Denn dann wirst Du die Dinge wieder in einem positiveren Licht sehen und mehr von den Hilfsmöglichkeiten die du hast profitieren können.

Was Therapeuten und Psychiater angeht, so lohnt es sich manchmal die Person zu wechseln. Du benötigst nun jemanden der Dir tatkräftig unter die Arme greifen kann, um Dir wieder Hoffnung zu machen. Ich wünsche Dir ganz viel Glück und gib nicht auf !

08.05.2022 08:07 • x 3 #17


C
So, ich wollte ein kurzes Update von mir geben:
Ich nehme seit ca 2 Monaten ein Anti-Depressivum, was mir beim Einschlafen hilft. Allerdings merke ich, dass mir trotz der Gruppentherapie keine wirklich Besserung meiner Situation widerfährt. Gestern war es wieder besonders schlimm, ich hatte schlimme Gedanken. Ich glaube, dass mir nur noch ein stationärer Klinikaufenthalt helfen könnte, da mein Umfeld (Partnerschaft, Arbeit) mich zu sehr belastet.
Ich bin allerdings etwas verzeifelt, wo ich anfangen sollte bzw. über welche Kanäle ich Anträge o.ä. stellen kann. Vielleicht habt ihr ein paar Anlaufstellen, wo ich beginnen kann. Danke

19.07.2022 23:09 • x 1 #18


Anneklatsche
Moin @chriscornell,

an deiner Stelle würde ich zum Hausarzt gehen und ihm schildern, wie schlecht es dir geht.. er müsste direkt sehen, dass du wahrscheinlich in einer Klinik am besten aufgehoben bist und dich einweisen..

20.07.2022 07:01 • x 1 #19


bones
Nun ich würde einfach so in de Klinik gehen. Zur Rufbereitschaft. Sie checken dich ab und fragen dich ab. Dann entscheiden die, ob du dort bleiben sollst oder nicht.

Weil wenn du zum Hausarzt gehst und er dir ne Überweisung ausstellt bzw in de Klinik anruft, ist es meist so dass du erstmal auf de Warteliste kommst. Das heißt dass du nicht sofort in de Klinik kannst. Außer du bist ne Gefahr für dich selber und andere, dann behalten sie dich sofort.

20.07.2022 11:43 • #20


A


Hallo chriscornell,

x 4#21


Mr_Tom
Zitat von chriscornell:
Ich bin allerdings etwas verzeifelt, wo ich anfangen sollte bzw. über welche Kanäle ich Anträge o.ä. stellen kann. Vielleicht habt ihr ein paar Anlaufstellen, wo ich beginnen kann. Danke


Wenn es ganz dringend ist, kannst Du nach Krieseninterventionsstellen suchen. Früher gab es so etwas jedenfalls. Und falls du dazu keine Energie hast, würde ich dir die Telefonseelsorge empfehlen 0800 1110111

Ansonsten wenn es nicht ganz so akut ist, würde ich an Deiner Stelle mit dem Arzt reden, der Dir die Medikamente verschreibt.

20.07.2022 22:55 • #21