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Plötzlicher Drang auszuwandern

UnzufriedenerKr

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Hallo, ich bin neu hier. Ich habe schon ziemliche viele Diagnosen mit meinen Depressionen und komme einfach nicht mehr auf die Beine. Ich habe jahrelangen familiären Terror hinter mir und musste dabei noch um meine kids kämpfen. Das kämpfen war am schluss erfolgreich und konnte weit weg von dem Terror. Eigentlich müsste ich jetzt glücklich sein darüber. Aber ich bin immernoch irgendwie in meiner eigenen Welt, unzufrieden,lustlos und planlos. Kann im moment nicht arbeiten gehen wegen zusätzlichen Bandscheibenvorfall plus krankgeschrieben durch die Psyche seit einem jahr. Ich habe plötzlich das Gefühl das Land verlassen zu wollen einfach nur schnell weg. Egal wie es dort ist, egal ob Geld oder nicht Geld. Selbst wenn ich es könnte wüsste ich nicht wie. Aber es brennt gerade seit Tagen in mir einfach loszurennen am besten in die usa. Suche schon im Netz überall nach Möglichkeiten und wie ich an Visum komme. Naja durch corona gehts eh gerade nicht. Aber trotzdem würde ich am liebsten jetzt sofort mit einem one way Ticket abhauen .ich weiss einfach nicht wie ich mich damit beruhigen kann.

13.01.2021 01:58 • x 3 #1


Robbe

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Hallo UnzufriedenerKr,
ich kann das sehr gut nachvollziehen, dieses einfach weg, losrennen egal wohin hauptsache weit weg. Das ist besonders dann so wenn es mir schlecht geht. Ich merke ich bin mit der Situation einfach überfordert und schaffe es nicht den Anforderungen die man an mich stelllt gerecht zu werden.
Aber ich weiss, dass es nicht die Lösung ist! All die Probleme, nein eigentlich hauptsächlich mich selbst, würde ich ja mitnehmen. Es würde früher oder später genau so sein obwohl ich weg bin.
Ich habe verstanden dass ich mich meinen Problemen, Schwierigkeiten, Unzulänglichkeiten stellen muss und auch dazu stehen muss, das ist für mich der einzige Weg um da raus zu kommen. Flucht ist keine Lösung!
Liebe Grüße, Robbe

13.01.2021 07:55 • x 6 #2


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maya60

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Hallo @UnzufriedenerKr , Willkommen im Forum - und ich kann Robbe nur zustimmen! Du würdest dich und deine Probleme mitnehmen und irgendwann würden dich diese Lustlosigkeitsgefühle auch dort einholen! Oder gar nicht verschwinden.

Nicht umsonst heißt es ja, dass man mitten aus einer Depression heraus keine gravierenden Entscheidungen fällen soll, es sei denn, man hat selber und mit psychotherapeutischer Unterstützung Lebensbedingungen sicher als depressivmachend erkannt. Dann muss man die ändern. Selber! Nicht ein neues Land, nicht eine andere Person, keine reinen Stimmungsaufheller oder Kicks oder Betäubungen.
Gegen die Stimmungsabflachung, die ein Symptom der Depression ist und behandelt werden muss, starten Leute Parties, Süchte, Affären, Trennungen, jede Art von Flucht, aber sie selber nehmen sich überall mit hin. Als Selbstregulation, halb unbewusst, tragen alle diese hilflosen Selbstmedikationen nicht, machen das Leben oft sogar erst richtig kaputt und ziehen andere Nahestehenden noch in das Chaos mit hinein.

Psychotherapie, Fachärzte und ggfs. Medikamente und Zeit und Geduld helfen, die Probleme wirklich anzugehen, denn die Tristesse ist ja nicht außen, sondern innen in uns.

Liebe Grüße! maya

13.01.2021 12:53 • x 5 #3


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maya60

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Zitat @UnzufriedenerKr : Ich habe jahrelangen familiären Terror hinter mir und musste dabei noch um meine kids kämpfen. Das kämpfen war am schluss erfolgreich und konnte weit weg von dem Terror. Eigentlich müsste ich jetzt glücklich sein darüber

Hallo UnzufriedenerKr, ich hab noch ein P.S. zu meiner Antwort eben!

Du hast da wer weiß was Schlimmes erfolgreich hinter dich gebracht und hättest dir gewünscht und ja auch verdient, jetzt stolz auf deinen erfolgreichen Kampf und zufrieden zu sein und glücklich und Entspannung und Freude zu erleben!

Und stattdessen geht es dir wie so vielen vielen, wenn die Trennungskriege vorbei sind: sie fallen in ein psychisches Loch!

Weil der erlebte Kampf so schlimm war, die Psyche ausgebrannt und erschöpft ist und ja auch alte Familienträume verabschiedet wurden.
Da kommen Kopf, Herz und Körper oft nicht nach und manchmal werden sie eben auch richtig krank!

Da gibt es dann im Nachhinein viel Selbstfürsorge und psychische Verarbeitung sich zu gönnen. Aber nicht alleine, sondern mit fachlicher Unterstützung!

Vielleicht täte dir auch sowas wie eine Kur gut?

Bist du in Behandlung wegen deiner Depression?

Liebe Grüße! maya

13.01.2021 13:20 • x 3 #4


UnzufriedenerKr

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Ich hoffe diesmal wird meine Antwort gepostet
. Habe vorhin schonmal geantwortet aber wurde nicht gepostet.
Also in Behandlung bin ich und habe eine Betreuerin. Darf aber komplett selbst handeln.
Natürlich definitiv ausgebrannt und wird wohl sehr lange dauern wieder auf die beine zu kommen. Allerdings stellt sich mir auch die Frage ist es ein Kurzschlussreaktion oder soll ich diesem verlangen nachgehen oder wie kann ich das Gefühl abmildern? Ich empfinde Euphorie und spüre plötzlich Energie wenn ich nur daran denke was ich dort machen wollte usw. Gerade wegen allen Problemen und Krankheiten bin ich aber auch unsicher mit dem ob es ne macke von mir ist.

13.01.2021 13:48 • x 3 #5


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maya60

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Euphorie und Tatkraft für Tapetenwechsel und eine Urlaubsreise kann ich gut verstehen nach langem Kämpfen. Mal den Kopf frei kriegen und was Neues.

Das wäre auch nicht eine Flucht, wenn sich das aus deiner Lebenssituation verwirklichen ließe ohne Schäden für dich und deine Kinder.

Ob es denn gleich Auswandern sein kann und das von Seiten der USA auch passt, das finde ich so mitten aus der Depression raus schon eine riesiggroße Aktion und da kommt dann eben die Fluchtfrage.

Wenn du erstmal dorthin reist, dich kundig machst, schau, ob die Euphorie nicht nur ein Kick oder Kurzschlussresktion war und ob du gesünder wirst. Wäre ein Zwischending, oder?

13.01.2021 13:59 • x 2 #6


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ZeroOne

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Willkommen @UnzufriedenerKr !

Abhauen funktioniert - so lange man schneller laufen kann, als das, was auch immer einen verfolgt.

Zitat von UnzufriedenerKr:
Aber trotzdem würde ich am liebsten jetzt sofort mit einem one way Ticket abhauen .ich weiss einfach nicht wie ich mich damit beruhigen kann.


Ich kann dich voll und ganz verstehen - mir geht es auch immer wieder (in Schüben) so. Vor meinen psychischen Problemen war das getrieben von meiner Abenteuerlust, meiner Neugier und meinem Tatendrang.

Seit dem Psycho-Drama wird das Verlangen auch nur von dem Wunsch getrieben, abzuhauen und alles hinter mir zu lassen. Allerdings bin ich auch Realist genug, um zu sehen, dass mir z.B. kein Land, welches mich interessieren würde, ein Gesundheitssystem wie Deutschland bieten könnte, welches ich aber zur Absicherung möchte.

Tatsächlich arbeite ich daher aktuell an verschiedenen Ideen, wie das in Teilen umsetzbar sein könnte. Also immer im Wechsel ein paar Monate Ausland und dann wieder ein paar Monate hier. Da ich selbstständig und digital arbeite, ist das weniger das Problem und der "ständige Wohnsitz" würde Deutschland bleiben, was vieles vereinfacht.

Ich versuche momentan, von diesem Ganz-Oder-Gar-Nicht-Denken wegzukommen. Zugegeben ist aber auch das nicht einfach. Vielleicht kommt für dich auch ein Kompromiss infrage?

Ansonsten kann dir vielleicht auch helfen, ernsthaft das Auswandern in dein Wunschland zu planen. In "jüngeren Jahren" hatte ich die Option und mich damit auseinandergesetzt. Ich hatte schnell erkannt, dass die Sprache das kleinste Problem ist, aber die rechtlichen Rahmenbedingungen - nicht nur für die Aufenthaltserlaubnis, sondern insbesondere für die damalige Tätigkeit - dort derart komplex waren, dass ich sehr schnell das Interesse daran verloren hatte.

Wäre der Wunsch (aus heutiger Perspektive) dann aber immer noch ungebrochen stark, dann würde ich persönlich versuchen, mich an den Punkt - auch mit Hilfe - heran zu arbeiten (psychisch und physisch), dass ich das auch erreichen kann. Allerdings können nicht erreichte Ziele auch sehr enttäuschend sein, was mich wieder weg von "Entweder-Oder" hin zum Graubereich bringt.

Vielleicht helfen dir diese Ansätze weiter, wenn nicht: in die Tonne damit.

LG
ZeroOne

13.01.2021 14:00 • x 3 #7


UnzufriedenerKr

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Zitat von maya60:
Euphorie für Tapetenwechsel und eine Urlaubsreise kann ich gut verstehen nach langem Kämpfen. Mal den Kopf frei kriegen und was Neues.

Das wäre auch nicht eine Flucht, wenn sich das aus deiner Lebenssituation verwirklichen ließe ohne Schäden für dich und deine Kinder.

Ob es denn gleich Auswandern sein kann und das von Seiten der USA auch passt, das finde ich so mitten aus der Depression raus schon eine riesiggroße Aktion und da kommt dann eben die Fluchtfrage.

Wenn du erstmal dorthin reist, dich kundig machst, schau, ob die Euphorie nicht nur ein Kick war und ob du gesünder wirst. Wäre ein Zwischending, oder?


Ja dahin reisen steht auch auf dem Plan. Pass beantragen, reisen und Hotels aussuchen usw. . Habe auch durch meinen Beruf eine persönliche Einladung von einem deutschen bekommen der dort das selbe selbstständig macht. Vielleicht werde ich das verbinden. Egal was mein Gefühl gerade sagt will ich aufjedenfall erstmal hinreisen .

13.01.2021 14:06 • x 2 #8


UnzufriedenerKr

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Zitat von ZeroOne:
Willkommen @UnzufriedenerKr !

Abhauen funktioniert - so lange man schneller laufen kann, als das, was auch immer einen verfolgt.



Ich kann dich voll und ganz verstehen - mir geht es auch immer wieder (in Schüben) so. Vor meinen psychischen Problemen war das getrieben von meiner Abenteuerlust, meiner Neugier und meinem Tatendrang.

Seit dem Psycho-Drama wird das Verlangen auch nur von dem Wunsch getrieben, abzuhauen und alles hinter mir zu lassen. Allerdings bin ich auch Realist genug, um zu sehen, dass mir z.B. kein Land, welches mich interessieren würde, ein Gesundheitssystem wie Deutschland bieten könnte, welches ich aber zur Absicherung möchte.

Tatsächlich arbeite ich daher aktuell an verschiedenen Ideen, wie das in Teilen umsetzbar sein könnte. Also immer im Wechsel ein paar Monate Ausland und dann wieder ein paar Monate hier. Da ich selbstständig und digital arbeite, ist das weniger das Problem und der "ständige Wohnsitz" würde Deutschland bleiben, was vieles vereinfacht.

Ich versuche momentan, von diesem Ganz-Oder-Gar-Nicht-Denken wegzukommen. Zugegeben ist aber auch das nicht einfach. Vielleicht kommt für dich auch ein Kompromiss infrage?

Ansonsten kann dir vielleicht auch helfen, ernsthaft das Auswandern in dein Wunschland zu planen. In "jüngeren Jahren" hatte ich die Option und mich damit auseinandergesetzt. Ich hatte schnell erkannt, dass die Sprache das kleinste Problem ist, aber die rechtlichen Rahmenbedingungen - nicht nur für die Aufenthaltserlaubnis, sondern insbesondere für die damalige Tätigkeit - dort derart komplex waren, dass ich sehr schnell das Interesse daran verloren hatte.

Wäre der Wunsch (aus heutiger Perspektive) dann aber immer noch ungebrochen stark, dann würde ich persönlich versuchen, mich an den Punkt - auch mit Hilfe - heran zu arbeiten (psychisch und physisch), dass ich das auch erreichen kann. Allerdings können nicht erreichte Ziele auch sehr enttäuschend sein, was mich wieder weg von "Entweder-Oder" hin zum Graubereich bringt.

Vielleicht helfen dir diese Ansätze weiter, wenn nicht: in die Tonne damit.

LG
ZeroOne


Ich hoffe es ist ein Schub und hört wieder auf. Das mit dem Kompromissen besteht schon mein ganzes Leben draus . Das macht es nicht einfacher. Natürlich wäre es richtig erstmal eine Alternative zu suchen um irgendwas zu erfüllen. Ich beziehe gerade alles in Betracht. Nur dieses Verlangen macht einen wahnsinnig, zumal selbst das essen und schlafen leidet darunter weil es nicht mehr aus dem Kopf geht .

13.01.2021 14:10 • x 2 #9


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maya60

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@UnzufriedenerKr Das hört sich doch sehr gut an, was du planst an erster Reise und beruflichem Kontakt!

Da genieße doch Tatkraft und Euphorie! Viel Freude dabei!

Aber wenn es dich schon quält und du dich davon, von der Euphorie, schon wie >>besessen<< fühlst, dann kann es eben auch zusätzlich wichtig Sinn machen, da in der Psychotherapie noch genauer hinzuschauen.

13.01.2021 14:11 • x 1 #10

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