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Perspektive schaffen ?

1Conrad1515

1Conrad1515

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Hallo liebe Mitglieder,
Ich bin neu hier im Forum und bin froh, mich austauschen zu können.
Ich habe letzte Woche die Diagnose Depression bekommen. Es folgte bisher bloß eine Arbeitsunfähigkeit über vorerst 14 Tage und eine ambulante Behandlung mit Antidepressiva. Zuerst habe ich Sertralin bekommen. Die erste Woche war für mich die Hölle auf Erden. Panikattacken und schwere depressive Zustände, ich habe mich wie sediert gefühlt. Habe seitdem gar keinen Antrieb mehr.
Am Montag wurde ich wegen anhaltender Nebenwirkungen noch einmal vorstellig und bekam Duloxetin. Ich fühle mich klarer im Kopf. Das war es aber auch. Noch immer keinerlei Antrieb, ich bin unruhig und ängstlich. Ich kann kaum vor die Tür gehen ohne Angstzustände zu bekommen. Ich habe keine Kraft, mich meinen Hobbys oder Sozialkontakten zu widmen.
Was sind eure Erfahrungen?
Wann gibt es durch die Antidepressiva eine Besserung?
Worauf kann ich warten?
Ich sehe momentan schwerlich eine Perspektive, ich fühle mich nur gelähmt und habe Angst, dass sich dieser Zustand nicht ändert.
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Antworten.
Vielen Dank im Voraus!

Liebe Grüße
Conrad

11.09.2022 08:53 • x 1 #1


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buddl1

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.... die Medis, sie sollen dich etwas wegbringen, von den derzeitigen Gedanken, die immer wieder ihre Kreise in deinem Kopf ziehen.
allein heilen, können sie nicht.
letztlich musst du selbst herausfinden, was dich so nach unten zieht, dich so düster denken lässt.
natürlich erscheint alles aus deiner jetzigen Perspektive sinnlos und ohne jeglichen Antrieb, dass eben ist ja der Kreis aus dem du heraustreten musst.
- es reicht eben nicht täglich seine Pflanzen zu gießen, zu sehen, dass sie nicht eingehen.
du musst erkennen das durch deine Pflege, sie nicht nur wachsen, sondern eben bei dir stehen und deine Aufmerksamkeit brauchen.
wenn ich das mal so umschreiben darf.
manchmal ist es schwer seine eigene Freude, seine Erfüllung wieder zu finden, dass man etwas geschafft oder gemacht hat,
auch wenn andere dies nicht immer zu schätzen wissen.
... sich auch seinen Ängsten stellen,
natürlich kann vieles passieren, allein wenn man das Haus verlässt,
aber es passiert eben auch nichts, wenn man die Tür nicht öffnet und in seiner kleinen Welt bleibt.
es bleiben die eigenen Gedanken, die schlicht sich weiterdrehen und guter Nährboden sind, was selbst die Medis dann nicht mehr allein unterdrücken können.
die Sonne ist da draußen, auch wenn sie nicht immer für alle gleich scheint, aber sie ist da,
nicht hinter der geschossenen Tür- dort, dort bist du nur allein...
buddl1,

11.09.2022 09:25 • x 2 #2



Hallo 1Conrad1515,

Perspektive schaffen ?

x 3#3


1Conrad1515

1Conrad1515

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Zitat von buddl1:
.... die Medis, sie sollen dich etwas wegbringen, von den derzeitigen Gedanken, die immer wieder ihre Kreise in deinem Kopf ziehen. allein heilen, ...


Hallo buddl1,

Vielen Dank für deine liebe und unterstützende Antwort.
Du hast völlig Recht mit dem, was du schreibst.
Da mich das Verfassen des Beitrags sehr emotional gemacht hat, habe ich vergessen, noch den ein oder anderen Aspekt zu erwähnen.
Es ist nicht so, dass ich mich bewegungslos zu Hause einsperre (auch wenn ich mich wie gefangen fühle). Ich gehe einkaufen, kümmere mich im meinen Hund, gehe dementsprechend spazieren, treffe mich mit Freunden und telefoniere mit lieben Menschen.
Nichtsdestotrotz verlangt es mir unglaublich viel Kraft, gerade weil ich schwere somatische Symptome habe. Ich habe das Gefühl, dass es derzeit unter den Medis schlimmer ist.
Dass ich keinerlei Besserung bemerke (ich bin wahrscheinlich auch zu ungeduldig) lässt meine Motivation und Antrieb weiter schwinden. Es verlangt also wieder mehr Kraft.
Was hat euch dabei geholfen, gegen diesen Widerstand anzukämpfen?

LG
Conrad

11.09.2022 09:45 • x 2 #3


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buddl1

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... nichts kam über Nacht,
vieles musste man hinnehmen so wie es nun mal ist
und ich musste aufhören zu warten,
zu warten, dass es besser wird oder sich besser anfühlt.
ja, auch altes gewohntes ablegen, eben, dass, was einen so zu schaffen machte und doch einen magisch anzog.
diese notwendige Kraft aufzubringen, dieses als positiv ansehen, am Ende eines Tages noch mal darüber zu schauen, was man geschafft hat, auch den Stolz für sich darin zu sehen und dem inneren Schweinehund eben jenen Finger zu zeigen.
... und wenn heute diese kleinen Schübe mal kommen,
naja, ich will nicht ewig leben und auch nicht gesund sterben, letztlich müssen wir ja doch gehen, dann schlag ich auch mal über die Strenge, körperlich wie genüsslich, keine Fehler zu haben? unvorstellbar.

sicher vergessen macht das alles nicht, aber erträglicher, dass man auch mal wieder über sich lachen kann.
... schau dir dein Hund an, ich war nie für so ein Fusselmonster und nun ist der zweite bei uns nachdem der 1. 13 Jahre uns zeigte, was es heißt, auch nehmen und geben zu können. das allein ist jede Stunde wert
buddl1,

11.09.2022 10:07 • x 2 #4


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Pilsum

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Hallo Conrad,

sei gegrüßt hier im Forum.
Die Diagnose Depression ist ein allgemeiner Überbegriff. Deshalb ist es kaum möglich vorherzusagen,
wann und wie sich Deine innere Situation wieder bessert.
Helfen könnte es Dir, wenn Du für Dich versuchst herauszufinden, was Dich so stark überlastet hat.
Weißt Du etwas darüber? Oft sind das Dinge, die sich über lange Zeit mehr und mehr angestaut haben.

Zitat von 1Conrad1515:
Dass ich keinerlei Besserung bemerke (ich bin wahrscheinlich auch zu ungeduldig) lässt meine Motivation und Antrieb weiter schwinden. Es verlangt also wieder mehr Kraft.
Was hat euch dabei geholfen, gegen diesen Widerstand anzukämpfen?

Das Du etwas ungeduldig bist, kann durchaus sein. Medikamente allein können keine alleinige Hilfe bieten.
Es gibt fast immer klare Gründe, warum man in eine depressive Phase hineinrutscht. Das gilt es zu erkennen
und wenn es möglich ist, daran ein klein wenig zu verändern.
Auf diese Weise kann sich eine depressive Phase am besten verbessern.
Die Perspektive entsteht dadurch, dass man sehen kann. Ich kann in meinem Leben und in meinen
Gedanken etwas verbessern und mich dadurch häufiger entspannen und gut fühlen.

Ob es hilfreich ist, gegen den aktuellen Zustand anzukämpfen, ist eine weitere Frage. Gegen Deinen jetzigen
Zustand anzukämpfen, kann ja auch bedeuten. Ich will wieder funktionieren, egal ob es gut für mich ist
oder nicht.

Dir wünsche ich baldige gute Besserung.

Viele Grüße

Bernhard

11.09.2022 10:15 • x 3 #5


1Conrad1515

1Conrad1515

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Zitat von Pilsum:
Hallo Conrad, sei gegrüßt hier im Forum. Die Diagnose Depression ist ein allgemeiner Überbegriff. Deshalb ist es kaum möglich ...

Hallo Bernhard!
Vielen Dank für deine Antwort.
Ich habe die Diagnose schwere depressive Episode mit somatischen Symptomen erhalten.
Mir sind die Auslöser tatsächlich bekannt - sie erstrecken sich über die letzten Monate. Angefangen dass mein Vater einen Herzinfarkt hatte, eine beendete Beziehung, dann dass meine Schwester wegen psychischer Erkrankung in die Klinik musste und ich beruflich völlig überlastet war. Im Oktober soll mein Masterstudium neben der Arbeit beginnen.
Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich all das gut verarbeitet und weggesteckt hatte...dem ist wohl nicht so.

LG
Conrad

11.09.2022 10:36 • x 1 #6


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Pilsum

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Nun, die beschriebenen Auslöser sind schon ganz schön heftig. Ist es da nicht verständlich, dass Deine
Seele mal vorübergehend Stopp sagt?
Ein Medikament kann da wohl kaum so eine Stimmung erzeugen wie. Das ist doch alles nichts!
Sei kein Weichei.
Werde Dir darüber bewusst, dass Du offensichtlich in den letzten Wochen an die Grenzen Deiner
persönlichen Belastbarkeit herangekommen bist. Das solltest Du jetzt erst einmal erkennen und auch
akzeptieren.
Und dann stellt sich die große Frage. Wie kommst Du in der nächsten Zeit wieder zur Ruhe.
Weil erst dann kommt Deine klare Sicht und auch Deine Kraft zurück.

11.09.2022 10:51 • x 2 #7


1Conrad1515

1Conrad1515

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@Pilsum
Du hast Recht, verständlich ist es allemal. Noch tue ich mich schwer damit, diesen Ist-Zustand zu akzeptieren. Gerade wenn man immer der Starke und der Fels in der Brandung war.
Ich suche noch einen Weg, wie ich richtig zu Ruhe kommen kann. Ich hatte mich in ambulante Beratung begeben, weil mir Abschalten nicht mehr möglich war, ich nur noch angespannt und ängstlich war. Nichts von dem, was sonst half, hat mehr geholfen. Nun heißt es wohl, ausprobieren bis ich das richtige finde.

11.09.2022 12:03 • x 3 #8



Hallo 1Conrad1515,

x 4#9


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Pilsum

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Zitat von 1Conrad1515:
Noch tue ich mich schwer damit, diesen Ist-Zustand zu akzeptieren. Gerade wenn man immer der Starke und der Fels in der Brandung war.

Du wirst ermutlich nun mal anfangen müssen, zu akzeptieren, dass Deine Kraft Grenzen hat.

Zitat von 1Conrad1515:
Nichts von dem, was sonst half, hat mehr geholfen.

Klar und logisch. Wenn Du nicht mehr zur Ruhe kommst, fängt es an, das vieles Wichtige durcheinander geht.
Unsere Ängste fangen an zu flattern und die Ruhe und Konzentration gehen verloren.
Versuche deshalb zu akzeptieren, dass Du jetzt viel Ruhe brauchst und dass Du auch nicht für alle und
für alles die Verantwortung übernehmen musst.

11.09.2022 13:08 • x 3 #9

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