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Gestörte Selbstwahrnehmung

Uriel

Uriel

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Wer kennt das auch? Die gestörte Selbstwahrnehmung, eine Nebenwirkung der Psychosen.

Ich schreibe uns spreche oft von Alex, da ich mich selbst nicht so recht wahrnehme und auch nicht so richtig weiß, wer so in meinem Körper steckt . anders kann ich das nicht ausdrücken.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl irgendwo oben an der Decke zu schweben und ich schaue auf mich und meine Situation herab. Anfangs hat mir das Angst gemacht, aber seit einigen Jahren habe ich mich daran gewöhnt.

Viele Menschen akzeptieren das nicht und halten mich für völlig .

Kennt noch jemand diese blöde Nebenwirkung der Psychose?

12.05.2022 05:57 • x 3 #1


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bones

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nun du hast dies schon seit jahren, ist das richtig? das ist wirklich beeindruckt, dass du damit umgehen kannst.

was hast du denn gerade was die psychose betrifft, alles schon unternommen.

weil wenn du das schon seit jahren hast und nicht wirklich was dagegen unternommen ist es zum einen sehr schwer wieder sowas weg geht. zum zweiten manifestiert sich das im schlimmsten falle.

was war denn der ausschlaggebende pkt, wo du das nicht mehr als bedrohung angesehen hast?

ich würde da an deiner stelle um hilfe holen. das hast du jedenfalls verdient.

12.05.2022 18:13 • x 1 #2



Hallo Uriel,

Gestörte Selbstwahrnehmung

x 3#3


Uriel

Uriel

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@bones Ich bin regelmäßig bei meinem Psychiater. Leider ist es nicht so leicht Medikamente gegen diese Psychiosen zu finden.

Die Psychiosen habe ich seit 60 Jahren. Als Kind wurde ich nicht ernst genommen und seit 1981 bin ich beim Psychiater in Behandlung. Ich wurde mit Quetiapin voll gedröhnt, aber die wirken nicht mehr so richtig. Anfang Juni bin ich wieder bei meinem Arzt und werde mal sehen, ob der noch andere Ideen hat.

Die Psychosen sind immer eine Bedrohung, denn wenn man von Monstern, Drachen und ähnlichem verfolgt wird, stellt das für mich in dem Moment eine Bedrohung dar. Ich kann nämlich nicht unterscheiden, was real ist und was nicht. Daher gehe ich nur noch mit meinem Hund oder mit einem Begleiter auf die Straße.

Ich war unter anderem deshalb auch schon oft in der geschlossenen Psychiatrie. Von 2005 bis 2013 war ich mehr dort als in freier Wildbahn. Die Schwestern und Pfleger mussten mich oft beruhigen, weil ich irgendetwas gesehen habe, was nie da war.

Ich muss damit leben, wenn es nicht mal ein Wundermittel gibt

13.05.2022 04:31 • #3


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bones

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ok. das tut mir leid. vielleicht solltest du dir immer vor augen halten, dass es nicht real ist wenn sowas wieder vorkommt. ist natürlich immer leicht gesagt als getan, je nachdem wie intensiv die symptome sind. was vielleicht helfen kann, immer so geruchmittel bei sich zu haben, damit man im hier und jetzt ist oder gummi um den handgelenk.

nun hast du nur quetiapin gehabt so lange? weil quetiapin ist zwar ein atypisches nl aber nicht so stark antipychotisch. da kommen ältere medi der nl besser in frage.

13.05.2022 07:44 • x 1 #4


Uriel

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@bones Ich nehme noch Quilonum wegen der Bipolaren Störung. Anfang Juni habe ich einen Termin beim Arut und schaue mal, ob es was besseres als Quetiapin gibt.

Diese Erscheinungen sind für mich so real wie für andere Leute Autos oder andere Gegenstände auf der Straße. Da kann man nicht sagen: Das gibt es nicht aixh einzureden: Das gibt es nicht. Man hat einfach Angst.

Es ist noch nie jemand von einer kleinen Spinne gefressen worden, trotzdem gibt es Menschen, die davoe Angst haben. Die können sich auch nicht sagen: Mich frisst sie nicht .... Einfach Angst.

13.05.2022 21:54 • x 2 #5


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bones

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ja das glaub ich dir sogar, dass sie so real sind wie du es beschrieben hast.

weißt du, ich hatte selber mal ne zeit eine psychose behabt, zwar nicht dinge sehen sondern ne akkustische psychose. und daher versteh icv dich gut. kann mich auch hineinversetzen wie es ist.

ich will dir nur sagen, dass man für kurz zeit am anfang kurz davon abgelenkt ist. es wird natürlich nicht das heilmittel sein. das weiß ich selber. aber man lernt damit ein weg zu fknden, wie man das umgehen kann.

ich hatte wie du das 24/7 gehabt. ich weiß, wie hilflos man da in der situation ist.

nun ich würde an deiner stelle vielleicht mal beim arzt anrufen und ein termin wegen dringlichkeit und akute phase vereinbaren. denn bis juni fühlt sich wie eine ewigkeit an.

13.05.2022 23:15 • #6


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Grothszes

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Hi Uriel,

meine Diagnose ist schwere depressive Störung mit teilweise psychotischen Symptomen. Auch ich habe Derealisations-symptome. Bei mir äußert sich das so, dass ich das Gefühl habe, mich im Spiegel nicht erkennen zu können. Für Außenstehende ist das sicher kaum nachvollziehbar. Ich selbst empfinde es als Gefühl der radikalen Selbstentfremdung.

Bessert wird das, wenn meine Stimmung ok ist, was auch durch Psychotherapie erreicht werden kann, also sprich Arbeit am eigenen Selbstbild usw.

Würde dir Psychotherapie vielleicht auch helfen? So wie sich das bei dir ließt, sind da ja auch Anteile einer Angststörung mit beigemischt. Diese lassen sich über Gespräche und Übungen verringern.

VG Grothszes

14.05.2022 16:28 • #7


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Grothszes

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Zitat von bones:
da kommen ältere medi der nl besser in frage.

Hallo bones,

die sind vom Nebenwirkungsprofil her aber nicht ohne. Stattdessen erstmal Risperidon probieren. Das ist ein wirkstarkes NL der zweiten Generation.

14.05.2022 16:34 • #8


Uriel

Uriel

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@Grothszes Psychotherapien habe ich so einige in den letzten 40 Jahren genossen. Bisher konnte mir keiner helfen. Ich bin seit ungefähr 4 Wochen in der manischen Phase und die Psychosen werden erstmal schlimmer. In der depressiven Phase treten die Psychosen seltener auf.
Ängste habe ich, aber bisher konnte kein Therapeut einen Zusammenhang zwischen einer Wasser-Phobie und der Angst vor der Straße sehen. Die Angst vor der Straße wird sich erst lösen, wenn diese Psychosen vorbei sind. Denn Mein Therapeut kann natürlich nicht sehen, was ich sehe und er kann auch nicht eingreifen, wenn ich komisch reagiere.
Die mangelnde Selbstwahrnehmung ist eine relariv alte Erfahrung.

Risperidon hatte ich mal, hatte aber keinerlei Wirkung bei mir. Ich hatte das dann nach 6 Monaten abgesetzt.

14.05.2022 23:57 • #9


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Grothszes

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Ich hoffe, dass sich deine manische Phase wieder schnell legt, Uriel. Wie sieht so eine typische manische Phase bei dir aus? Machst du du dann viel? Hoffentlich folgt danach keine Depression. Das ist ja meistens so bei der manisch-depressiven Erkrankung. Gibt es zwischen beiden Phasen denn Verschnaufpausen bei dir? Also ist deine Stimmung irgendwann wieder normal schwingend? Gute Besserung.

19.05.2022 21:11 • #10


Uriel

Uriel

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In der manischen Phase bin ich ruhelos. Ich kann nicht mal 2 Minuten sitzen, sondern bin immer unterwegs. Mein Pflegedienst-Helfer, der mit mir Einkaufen geht, ist schon gut trainiert. Wenn ich sage: Manische Phase, dann lässt er nur Lebensmittel zu. Alles andere, was es so bei ALDI gibt, wird wieder zurückgestellt. Er passt gut auf mich auf und auf meine Finanzen

Eine Zwischenphase habe ich nicht. Ich gehe abends schlafen und stehe nach 2 Stunden wieder auf, dann ist oft die Depression da.
Ich führe einen Stimmungskalender und da habe ich in den letzten Jahren kein Kreuz mehr bei Ausgeglichen gehabt.

Von einem Extrem in das nächste.

Ich habe den Pflegegrad 3 und werde von einem Pflegedienst betreut. Auch habe ich einen Hausnotruf. Ich bin zuviel alleine und wenn mir was passiert, kann ich mit dem Notrufknopf (am Handgelenk) schnell einen Rettungswagen oder was auch immer holen. Beim letzten Sturz hatte ich Glück, dass die Pflegerin gerade kam. Mit dem Kapselriss habe ich noch immer zu tun.

Im Moment bin ich noch in der manischen Phase, aber die Depression steht vor der Tür. Es war Klasse, dass ich während meines Urlaubs in der manischen Phase war. Mein Krankenpfleger (der mich begleitet hat), musste nur auf die Tabletten achten. Ansonsten hat er mich gefordert und das ist bei der Ruhelosigkeit das beste Mittel um mich etwas ruhiger zu stellen.

Drei große Spaziergänge mit dem Hund, Arbeit im Garten und ich musste sogar auf das Dach den Hauses klettern. Aber mit meinem Pfleger ging das gut. Er hat mir dabei geholfen, dass ich sicher die Leiter rauf und wieder runterkam.

20.05.2022 06:01 • x 1 #11


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bones

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oft ist es so, so kenn ich es von mir selbst, dass man das nicht selber merkt, wenn man ne manische phase hat. auch ist man dann so in den wahn, dass man erst recht nicht mal zugeben möchte, dass man in einer manie ist.

das du das so gut reflexieren kannst, verwundert mich bisschen.

20.05.2022 09:48 • #12



Hallo Uriel,

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Uriel

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@bones Ich leide unter der bipolaren Störung seit 60 Jahren. Daher kenne ich mich sehr gut und kann die Phasen gut einschätzen. Natürlich gibt es auch Zeiten, wo die Einschätzung nicht funktioniert, aber im Großen und Ganzen funktioniert das sehr gut.

Ich musste lernen damit umzugehen, da ich hier in Berlin immer alleine bin und ich muss meinen Haushalt managen. Ich versuche so viel wie möglich in die Manie zu schieben, damit in der Depression nicht zu viel liegen bleibt.

20.05.2022 09:56 • #13

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