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Fantasiereise an meinen Traumort

radysa

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Hallo zusammen,

oft träume ich, wenn mein Tag mal wieder etwas zu trostlos erscheint, mich an einen Ort, an dem mein Lebensgefährte und ich gerne mal längere Zeit verbringen wollen.

Vielleicht gefällt dem ein oder anderen ja die Idee und ihr habt auch einen solchen Ort, an den ihr euch an solchen Tagen gedanklich flüchtet.

Ich fange dann mal an.

Heute saß ich an unserer Blockhütte im Wald in Skandinavien.
Die Hütte, vollkommen mit Holz verkleidet, steht links und rechts umrundet von dichtem Wald und besitzt einen Steg, der in den umliegenden See führt.

Heute morgen bin ich aufgestanden und habe ein wenig Holz für unseren kleinen, offenen Kaminofen gesammelt. Es war etwas nieseliges Wetter und relativ trüb, also bin ich pitschnass schnell in die Hütte gerannt, an deren Tür mich mein Freund schon grinsend empfangen hat.

Ich habe mich von meinen vor Nässe triefenden Klamotten getrennt und wurde von meinem Lieben in die Arme geschlossen.

Danach haben wir das Holz im Ofen zum Entfachen gebracht, uns einen Tee gekocht und mit einer Wolldecke eingemummelt auf dem *beep* Holzboden vor dem Feuer gekuschelt.

Ich denke, so werden wir den ganzen restlichen Tag verbringen.

15.03.2021 16:32 • x 3 #1


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Greta

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Hallo @radysa ,

das, was du beschreibst, kenne ich aus der Therapie als den sicheren Ort.
Dieser Ort hilft auch, wenn Ängste aufkommen, oder bei negativen Erinnerungen.

Meiner ist die Insel Juist.
Klare Luft, leichter Wind, Meer und Strand, , der Ruf der Möwen, das Hufgeklapper der Pferde, das Signalhorn der Fähre, das Klackern der Leinen an den Fahnenmasten ... Ich habe sogar eine Datei auf dem PC, die all diese Geräusche enthält, und wenn ich mich schlecht fühle, höre ich sie mir an.

Liebe Grüße
Greta

18.03.2021 09:43 • x 3 #2



Hallo radysa,

Fantasiereise an meinen Traumort

x 3#3


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Kate

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Zitat von Greta:
Meiner ist die Insel Juist.

Ich hab sowas auch liebe @Greta allerdings keine Insel, sondern einen großen geheimen Garten.
LG Kate

18.03.2021 09:47 • x 2 #3


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Greta

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Zitat von Kate:
einen großen geheimen Garten


Das klingt schön.
Erinnert mich irgendwie an ein Märchen.

Ob vielleicht Rapunzel in ihrem Turm, Dornröschen hinter ihrer Dornenhecke und Schneewittchen im Wald bei den Zwergen alle nur einfach an ihrem ganz eigenen sicheren Ort waren? Und vielleicht gar nicht zwangserlöst werden wollten? Man erfährt ja nie, was aus ihnen geworden ist, nachdem der Prinz sie auf seinem hohen Roß davongetragen hat

Klingt jetzt ein bisschen irre, oder?
Ich lass es trotzdem stehen, weil ich diesen Gedanken gerade irgendwie spannend finde

18.03.2021 10:11 • x 2 #4


radysa

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@Greta , das klingt auch wirklich toll. Während dem Lesen konnte ich mir das richtig gut vorstellen und für einen kurzen Moment war ich auch da.
@Kate , der geheime Karten klingt auch ganz nett.
Heute ist auch wieder einer dieser Tage, an denen ich mich zur Hütte flüchte. Da die Sonne heute etwas rauszukommen scheint und es etwas milder ist, mache ich es mir auf dem Steg am See bequem, mit einer Picknick-Decke, und höre hier und da dem ein oder anderen Vogel beim Zwitschern zu und werde ein wenig Sonne tanken.

18.03.2021 11:34 • #5


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Heideblümchen

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Guten Morgen, liebe @radysa und alle anderen.

Ja, auch ich habe diesen sicheren Ort während meines Klinikaufenthaltes zum ersten Mal aufgezeigt bekommen.
Mein Raum ist hoch wie in einem sehr alten Haus. Er ist komplett in einem angenehmen dunklen Blau gestrichen und hat einen offenen Kamin, in dem ein warmes Feuer leise knistert. Davor steht ein wunderbar tiefer, hoher und kuscheliger Ohrensessel, der dunkelrot bezogen ist. Davor liegt ein kuscheliger Teppich. Sonst befindet sich nichts in dem Raum.

Da ich damals während der akuten Depri an absoluter Reizüberflutung gelitten habe, wenn ich das Haus mal verlassen musste, haben ich mir später in der Therapie den Raum exakt und bewusst so kahl, aber gemütlich vorgestellt. Nichts, was mich ablenken könnte, nichts, was stört. Diese Stille.....einfach göttlich.

In den abendlichen Gruppensitzungen zum Abschluss eines jeden Tages wurde uns in der Klinik immer mit leiser Stimme von einer Therapeutin eine Geschichte erzählt, der wir mit geschlossenen Augen folgen sollten und wir sollten versuchen, uns an diesen jeweiligen Ort zu begeben und ein Stück des Weges mit zu gehen. Aber diese Orte waren nie meine. Ich habe mich nicht wohl dabei gefühlt, bei dem Gedanken, mich jetzt irgendwo gedanklich zu befinden, wo ich zu diesem Zeitpunkt nicht sein wollte und wo - durch die Erzählung - so vieles plastisch dargestellt wurde, dass es mich und meine Vorstellungskraft einfach ermüdet, überfordert und einfach genervt hat.

Inzwischen - und ihr mögt mich für materialistisch halten - habe ich mir angewöhnt, jeden Abend und das seit über einem Jahr vor dem Schlafengehen, eine ganz bestimmte Geschichte zu durchleben, die MICH zur Ruhe bringt. Wirklich jeden Abend!

Ich gehe durch den breiten Gang unseres Einkaufszentrums auf das Lotteriegeschäft zu und sehe die Tafel mit eine bestimmten Zahl, die den nächsten Jackpot anzeigt. Diese Zahl ist immer dieselbe. Ich träume davon, in das Geschäft zu gehen und auf einem Tippschein immer genau die gleichen 6 Zahlen zu tippen. Ich habe es noch nie geschafft, den Tippschein - geträumt - am Tresen abzugeben und mir vorzustellen, zu gewinnen und was ich von dem Gewinn alles machen könnte. Ich komme nie über den Tippschein und die Zahlen darauf hinaus. Ich schlafe immer, wirklich immer dabei ein.
Und tatsächlich ist auch diese Gewohnheit das Einzige, mit dem ich abends in Ruhe und ohne Störungen durch z.B. Musik im Kopf oder anstrengende Gedanken einschlafen kann. Da kann ich vorher noch so wach sein: dieses Ritual muss sein, um einschlafen zu können.

Ich denke, so hat hat jeder so seine Art und Weise, dem Kopf eine entspannte Aufgabe zum Runterkommen zu geben und durch die Gewohnheit ist es dann so beruhigend wie ein Glas Milch oder eine entspannte Wanne vor dem Einschlafen.

Schon komisch, unser Kopf und die Idee mit der Blockhütte ist sehr schön, @radysa ... vor allem, weil man sie realisieren könnte und es ein schönes Ziel wäre, eines Tages genau vor dieser Hütte zu sitzen, egal, ob allein oder zu zweit.

18.03.2021 12:44 • x 2 #6


radysa

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@Heideblümchen ,das kann ich mir vorstellen, dass ein Raum, in dem es keine übermäßigen Ablenkungen und nur das knisternde Feuer im Kamin gibt, sehr erdend wirken kann. Man ist für und mit sich alleine, sitzt in dem gemütlichen Sessel vor dem Kamin und darf nur für sich sein. Man kann sich in Ruhe vor dem Feuer wärmen und den Flammen beim Lodern zuschauen.

Deine Abend-und Einschlafroutine finde ich sehr interessant. Leider ist mir sowas nie gelungen, da sich ständig irgendwelche Gedanken aufdrängten, die beachtet werden wollten. Ich hatte als Kind schon Einschlafprobleme und immer Angst davor, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen. Letzteres zählt zwar jetzt nicht mehr zu meinen Ängsten, aber meine Gedankenmacherei um alles mögliche hält mich da eher gefangen.
Da zählt man ganz konzentriert Schäfchen, die über kleine Hügel hüpfen und plötzlich ändert sich die Szenerie.

Manchmal, wenn mein Partner von der Arbeit her am nächsten Morgen früh aufstehen muss, legen wir uns schon zeitig in's Bett. Da lasse ich auf dem Laptop immer leise etwas im Hintergrund laufen, das ich gerne höre.

Seitdem es meinem Lebensgefährten so schlecht geht, nehme ich abends eine Tablette Antidepressivum zum Einschlafen. Das hilft mir super und da bin ich wirklich dankbar für. Lag ich vorher alle drei Tage nachts weinend wach, gab es jetzt seit eineinhalb Monaten Dank der medikamentösen Hilfe keine einzige schlaflose Nacht. Eine Stunde nach Einnahme schlafe ich wie ein Stein (den festen Schlaf hatte ich aber vorher schon, wenn ich dann mal eingeschlafen war )

Der Ort mit der Blockhütte existiert schon eine ganze Weile, weil wir zwei, mein Partner und ich, an genau so einem Ort gerne mal eine längere Zeit verbringen würden. Ich befürchte nur, wenn ich mir den immer so schön gedanklich ausmale, wird mir keine reale Hütte recht sein, weil sie nicht der in meiner Vorstellung entspricht.

Naja, erst vor einem Monat ist er zu meinem mentalen Zufluchtsort geworden. Auch, wenn ich nur kurze Zeit darin verbringen darf, so ist es für den kurzen Moment doch ein kleines Aufatmen wert.

18.03.2021 13:49 • #7