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Erneutes Tief

mecca

mecca
Mitglied

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Hallo zusammen,

wie viele andere befinde auch ich mich nun leider erneut in einem Tief.
Irgendwie habe ich gedacht, dass es mich kein zweites Mal erwischt und doch ist es so gekommen.

Wir sind damals aus dem konflikthaften Umfeld weggezogen - Psychoterror vom Nachbarn, Hund hat Krebs und brauchte viel Pflege, Doppelbelastung durch Weiterbildung und Vollzeitstelle (psychosoziale Arbeit im sozialen Brennpunkt), Corona Panik --- Damals kamen die Panikattacken, die Schlaflosigkeit, das Herzstolpern und Herzrasen, Tinnitus, Schweißausbrüche, Pudding in. den Beinen etc. Ich war nur noch gereizt, aggressiv, alles war zu viel, alles war kaum noch schaffbar. Dann kam die Trauer (hund wurde eingeschläfert, die Gerichtsprozesse mit dem Psychonachbar und und und.)

Hab mich damals sehr erschrocken über meinen Zustand. Hab mich krankschreiben lassen nur noch die Weiterbildung gemacht. Dann noch Führerschein, dann Wohnung für Umzug vorbereitet und dann noch der ganze Umzug, entwurzelung etc. - Puh. dann gab es noch ein bisschen Zeit die übrig war nach der Aussteuerung im ALG 1. Das waren dann nochmal 3 Monate Ruhe in der neuen Wohnung. Dann ging das Arbeitsleben wieder los.
Der Bwerbungsprozess war schon sehr unerfreulich, da es hier draussen im Grünen gar nicht so viel Jobs gibt, wie da wo wir vorher lebten. Dann hatte ich nen Job in einer Reha. mit einer Stunde Fahrzeit.
Das war so dermaßen anstrengend, auch das ganze Klientel. Unerträglich.
Und dann bin ich auf ne Leitungsstelle in einer Behörde gekommen. Habe eine Abteilung aufgebaut und recht erfolgreich geführt. Allerdings war das so, dass das Ministerium das wollte aber die Leitung der Behörde nicht - so wurden mir also von Anfang an Steine in den Weg geworfen. Bis hin zu richtigem Psychoterror und Bossing. Abmahnungsandrohungen, Spießrutenlauf, Personalrat, unter seltsamen Vorwänden wurde ich dann fristlos gekündigt und habe mir am Arbeitsgericht die ordentliche Kündigung plus Abmahnung eingeklagt. Zurück wollte ich nicht.

In der Behörde bin ich zu lange geblieben glaube ich, der Vibe war schei., die Arbeit aber ganz schön, mein kleines Team meiner Abteilung auch sehr lieb und cool. Aber der ganze Rest drumherum. Ich dachte es wird schon irgendwann weniger, wenn sie merken ich bin ganz lieb und keine bedrohung, dann habe ich später auch gegenfeuer gegeben. Ich WOLLTE ENDLICH ANKOMMEN und einfach nur in Ruhe irgendwo meinen Job machen. Das ließ mich so lange festhalten, weil ich dachte es wird sich vielleicht noch einspielen. Hat es aber nicht, es wurde schlimmer und schlimmer, bis ich irgendwann so erschöpft war das ich nicht mehr konnte und wusste, ich muss gehen.

Es war nicht so schlimm wie beim ersten Mal, so weit wollte ich es nicht kommen lassen.
Aber ich habe gemerkt, es kostet mich das Leben, wenn ich nur noch Kraft suche privat und kein Leben und keine Lebensfreude mehr habe dann muss ich da weg. So habe ich mein Büro sukzessive ausgeräumt und alles wichtige mitgenommen. Als der Rauswurf kam, war ich zwar geschockt aber auch irgendwie froh. So habe ich wenigstens noch ne Abfindung mitgenommen. Besser als nur im Krank zu verschwinden.

Dennoch war die Zeit danach jetzt schon hart für mich.
War jetzt 3 Jahre dort. Drei Jahre, wo ich wieder hochmotiviert angefangen habe, hoffte, mein Bestes gab, viel Energie reinsteckte. Und es wurde einfach nur aus Dummheit und Destruktion zerstört. Ohne Sinn und Verstand. Das tat mir am meisten weh.

Hatte noch eine ganze Weile daran zu knabbern die letzten Monate.
Diese Ungerechtigkeit. Dieses gestörte System. Diese kaputten Menschen. Diese Lebenslügen. Auch viele andere Mitarbeiter leiden dort und lügen sich selbst in die Tasche.


Ich hab mich verloren. War im Dauerkonflikt gefangen und zack, brannte meine Flamme kontrolliert und rasch runter.
Einfach so.


Jetzt habe ich einen bescheurten Hausarzt, der die 5te Blutuntersuchung gemacht hat und anfing mich zu blamen, weil es ja immernoch nicht besser ist mit meiner Erschöpfung. Die Tinnitus App, die muss doch helfen. Und warum habe ich mir nicht längst eine Psychotherapie gesucht? Ja dann zahlen sie die halt privat. Mitwirkungspflicht.
Ein richtiger Idiot, der mir die Worte im Mund umdreht und sich für den größten hält. Überweisung zum Facharzt? Ach quatsch, brauchen sie nicht, Antidepressiva kann ich ihnen auch verschreiben.

Antidepressiva sind bei Burnout eher kontraindiziert, wie ich inzwischen weiß, weil man sich da nämlich nicht mehr so gut spürt und gerade das ist ja so wichtig. Sich wieder spüren, wieder ganz bei sich sein.

Habe keine Medikamente genommen.
Bin jetzt 7 Monate krank, Job los.
Langsam wird es besser. Bewege mich sanft mit Spaziergängen, habe einen Hund, Trinke jeden Tank frisch gepresste Säfte und esse einen Obstsalat mit Naturjoghurt, esse Nährstoffreich und gesund. Schlafe wieder gut und tief. Träume manchmal noch intensiv. Habe manchmal starken Nachtschweiß.
Mein Nervensystem hat mir lange Zeit schwache Beine gemacht, das geht wieder, seit September ständiger Dauerinfekt am Aufflammen der nie ganz geht - wird langsam besser. Langsam stabiler. Dennoch erschöpft. So ein Tag fühlt sich manchmal an wie Bergsteigen. kostet alles so viel Energie.

Habe mir auch ein Zimmer nur für mich eingerichtet, ein Frauenzimmer. Lesesessel, Blumen, Gardinen, Schöne Bilder, geschlossene Tür. Einfach nur ich. Dasitzen, atmen, schauen, fühlen, dösen.


Ich will aussteigen, aus dem Müssen, aus dem Rennen und Springen nach den Maßstäben der anderen. Ich will das so nicht mehr. Ich werde etwas grundlegend verändern müssen. Ich werde es tun. Ich werde mich selbstständig machen.


Ich liebe meine Arbeit, ich liebe das Leben - Was mir bisher die schlimmsten Erfahrungen eingebracht hat, war die Arbeitswelt mit all ihren Monstern voller missgunst, gehässigkeit, machtgier, Rache, mobbing, lästern, schneiden, psychoterror, gestörte unternehmenskulturen, aggressive mitarbeiter. Ein einziger Albtraum.



Ich bin wieder hier.
Aber ich bin nicht ganz unten.

x 2 #1


Caro66
Hallo mecca,
Schön, dass du dir ein Zimmer als Rückzugsort richten konntest und dieses auch so nutzt...und willkommen hier.
Vieles,was du beschreibst kommt mir sehr bekannt vor.
Das Team, die Arbeit, die ja eigentlich Spass macht und dann diese "begrenztes bzw.Unfähigkeit" von Oben, eine vernünftige "Führung" Vorgaben oder gar Anleitungen zu ermöglichen.
Das zermürbt, frustriert , vermisst einem die Freude im Job, fehlende Wertschätzung kommt dann oft noch dazu.
Hatte letztendlich auch gekündigt, auf Abfindung nichtmal geklagt, wollte nur raus aus der Mühle , dem Hamsterrad.

Du bist noch etliche Jahre jünger, ich habe es erst mit Mitte 50 so richtig vollzogen und bin heute froh darüber.
Hätte sonst noch schlimmer gesundheitlich ausgehen können.

Mit den Medis verliert man so in gewisser Hinsicht die Kontrolle, meine damit, das Empfinden wird etwas flacher und ich glaube heute , das sollte so sein.
Wer will denn schon gern Medis nehmen, wobei in der schlimmsten Phase des Burnout, nämlich am Anfang, hat mich das erst einmal geerdet/ herunter geholt.
Das Level, auf dem man interagiert ist da sehr hoch und man findet den Seitenausgang aus der Spirale sehr schlecht...mir ging es so.
So konnte man dann wenigstens mal schlafen, nichts tun, ohne ständig Hochtouren zu laufen.
Tavor(Lorazepam) hatte ich auch nur notfallmässig und meist nur 1/2 davon und sehr selten.

Wenn man den Anfang findet, sich und sein Tun selbst hinterfragen zu können, dann ist man , so wie du,auf einem schon besseren Weg.

Nimm und gib dir die Zeit, überlege in Ruhe, was vielleicht ein Job als Alternative werden könnte.
Querumsteigen kann man auch heute, so man kann und ggflls.auch lieber dann auf etwas Geld verzichtet zugunsten besserer work live Balance.

Hausarztwechsel evtl...ich kenne solch blödes Gerede auch zu gut, war schon von der Ausstrahlung her positiv offensichtlich, da glaubte kein HA wirklich, das es mir ureigentlich besch...ging.
Niederschmetternd heute noch ,wenn ich daran denke.

Ich wünsche dir, dass du alles geregelt bekommst in Ruhe, bitte...
Vielleicht magst du ja hier schreiben, wie es weiter geht.
VG Caro66

x 1 #2


Grenzgaenger
Zuerst einmal ein schmerzliches...quatsch - Herzliches Willkommen unter Gruppe Gleichgesinnten....

Zitat von mecca:
Ich liebe meine Arbeit, ich liebe das Leben - Was mir bisher die schlimmsten Erfahrungen eingebracht hat, war die Arbeitswelt mit all ihren Monstern voller missgunst, gehässigkeit, machtgier, Rache, mobbing, lästern, schneiden, psychoterror, gestörte unternehmenskulturen, aggressive mitarbeiter. Ein einziger Albtraum.

Und dieser Albtraum kommt fast überall immer mehr in Mode - leider traurig

Über die Gründe ließe sich zwar spekulieren doch ist das im Grunde genommen gar nicht wichtig,
da du dir selbst den wichtigsten Satz selber gesagt hast, und niemals vergessen solltest:

ich liebe das Leben

Und diese Tasache sollte immer an erster Stelle stehen!

Klar - jeder Mensch muß sich irgendwie finanzieren, und kommt dadurch an der Arbeit nicht vorbei... seufzen / traurig

Doch kein Job (bzw. Betriebsklima) ist es wert das man seine Gesundheit oder die Lust am Leben verliert! Herzfahne

#3

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