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Umfrage mit der Bitte um Teilnahme - Online-Kommunikation

ZeroOne
Hi @Paula_Stehr !

Zitat von Paula_Stehr:
Außerdem werde ich dann noch etwas dazu schreiben, was genau ich herausfinden wollte.


Darauf freue ich mich schon! Die Thematik finde ich spannend!

LG
ZeroOne

10.07.2019 13:33 • x 1 #16


Paula_Stehr
Schönen guten Abend an alle Nachteulen!
Bis morgen früh habt ihr noch die Gelegenheit an der Befragung und dem Gewinnspiel teilzunehmen.
Viele Grüße und bis morgen
Paula

14.07.2019 21:19 • x 1 #17


Eis
Das finde ich gut, dass wir noch ein bisschen mehr erfahren. Danke!

14.07.2019 22:07 • x 1 #18


Paula_Stehr
Liebe Teilnehmende meiner Studie,

nochmals vielen herzlichen Dank für die Unterstützung!

Unter allen, die ihre E-Mail-Adresse angegeben hatten, habe ich nun die fünf Wunschgutscheine verlost.
Die Adressen waren durchnummeriert und ich habe per Zufallsgenerator fünf Nummern ausgelost.
Die glücklichen Gewinner*innen habe ich bereits per E-Mail benachrichtigt.

Nun möchte ich noch kurz darüber aufklären, was genau ich herausfinden wollte.
In meiner Dissertation geht es um drei zentrale Themen: soziale Unterstützung, Online-Kommunikation und Wohlbefinden.
Ich gehe davon aus, dass Medien wie Online-Foren spezifische Voraussetzungen dafür bieten, soziale Unterstützung auszutauschen. Das liegt daran, dass die Kommunikation anonym erfolgen kann, sich Menschen zeit- und ortsunabhängig vernetzen können und die Kommunikation zeitversetzt und textbasiert ist. Grundsätzlich weiß man, dass soziale Unterstützung, auch jene, die man über Online-Foren austauscht, das Wohlbefinden der Menschen steigern kann. Worauf ich mich dabei nun aber konzentriere, ist die Frage, ob es eher die Unterstützung ist, die man erhält oder die man selbst leistet, die einen positiven Einfluss auf das eigene Wohlbefinden hat. In vielen Studien wird lediglich betrachtet, ob es positive Effekte für diejenigen gibt, die Unterstützung in Online-Foren erhalten. Man weiß aber zum Beispiel aus der Ehrenamtsforschung, dass es sehr positive Folgen für die mentale und körperliche Gesundheit haben kann, wenn man derjenige ist, der anderen helfen kann. Ich möchte mit meiner Studie herausfinden, ob die Unterstützung, die man für andere in Online-Foren leistet, in ähnlicher Weise zum eigenen Wohlbefinden beitragen kann. Außerdem gucke ich mir an, ob diese Zusammenhänge für verschiedene Gruppen unterschiedlich sind, zum Beispiel für Vielnutzer und Wenignutzer des Forums.

So viel zu meinem Ziel in groben Zügen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Die Auswertung wird nun einige Zeit in Anspruch nehmen. Ich melde mich dann gerne nochmal mit den Ergebnissen.

Viele Grüße
Paula Stehr

15.07.2019 13:03 • x 5 #19


Paula_Stehr
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an meiner Studie,

ich möchte mich nochmal herzlich für die Teilnahme bedanken und gerne ein paar Zeilen zu den Ergebnissen schreiben.

Es haben insgesamt 138 Personen an der Befragung teilgenommen, davon 30 aus dem Forum Depression-Diskussion. Insgesamt 24 der Befragten waren männlich und 56 Prozent hatten Abitur. Im Durchschnitt waren die Teilnehmenden 44 Jahre alt. Etwa die Hälfte lebte in einer Partnerschaft, ein Drittel in einem Single-Haushalt.

Meine Forschungsfrage war ja, ob die empfangene und geleistete Unterstützung im Forum Einfluss auf das Wohlbefinden hat. Das Ergebnis ist, dass sowohl die empfangene als auch die geleistete Unterstützung dazu führen, dass psychologische Grundbedürfnisse im Rahmen der Forennutzung erfüllt werden. Das bedeutet, dass sich die Nutzerinnen und Nutzer durch die Unterstützung kompetent fühlen, sich in die Gemeinschaft eingebunden fühlen und auch Autonomie wahrnehmen. Autonomie heißt, dass sie das Gefühl haben, selbstbestimmt so sein zu können, wie sie wirklich sind. Besonders positive Effekte zeigen sich dabei dann, wenn Menschen in etwa so viel Unterstützung leisten, wie sie selbst bekommen.

Das Gefühl, in eine Gemeinschaft eingebunden zu sein, hat auch einen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden. Das subjektive Wohlbefinden habe ich gemessen über die allgemeine Lebenszufriedenheit, das Vorhandensein positiver Emotionen und die Abwesenheit negativer Emotionen. Der Einfluss depressiver Symptome auf das subjektive Wohlbefinden wurde dabei im Modell kontrolliert.

Ich habe mir außerdem noch angesehen, ob diese Zusammenhänge für verschiedene Nutzergruppen unterschiedlich sind. Dabei hat sich gezeigt, dass der Einfluss der Unterstützung auf die psychologischen Grundbedürfnisse (Kompetenz, Autonomie, Eingebundenheit) zum Teil stärker ist für diejenigen, die das Forum besonders aktiv und viel nutzen und sich auch mit dem Forum identifizieren. Der Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden ist außerdem größer bei Menschen, die eher sozial ängstlich sind und in ihrem nahen sozialen Umfeld außerhalb des Forums wenig Unterstützung erhalten.

So viel zu einer groben Zusammenfassung. Die Befragung im Forum ist eine von drei Studien, die ich im Rahmen meiner Dissertation durchgeführt habe. Im nächsten halben Jahr werde ich das alles ganz genau aufschreiben und im Februar 2020 möchte ich meine Doktorarbeit einreichen. Anschließend wird sie auch als Buch veröffentlicht.

Rückfragen gerne hier im Forum oder per E-Mail an paula.stehr@uni-erfurt.de.

Viele Grüße
Paula Stehr

23.07.2019 12:20 • x 6 #20


CeHaEn
Vielen Dank für das Update!

Die Ergebnisse leuchten ein und sind vermutlich gar nicht so überraschend, denke ich. Gerade deswegen sind derartige Studien sinnvoll. Nur, weil ich und sicherlich viele andere Teilnehmer Zusammenhänge mehr oder weniger genau vorausahnen, heißt das noch lange nicht, dass diese Ahnung den Tatsachen entspricht. Da muss jemand die Ärmel hochkrempeln.

Es ist sicherlich etwas schade, dass "nur" diese 138 Menschen teilgenommen haben. Mit 1300 oder gar 13000 hätte das Ergebnis noch deutlicher ausfallen können - oder aber deutlich anders. Das macht wissenschaftliche Arbeit erst richtig spannend!

23.07.2019 13:34 • x 3 #21


maya60
Hallo Frau Stehr, ich möchte mich CeHaEn´s Dank anschließen und finde Ihre Ergebnisse für dieses gute Selbsthilfe-Forum auch einleuchtend.
Vor allem zeigt sich darin auch für mich, dass das Pauschalvorurteil, Online-Kontakte seien eine "unechte schädliche Welt" für solche Selbsthilfe-Foren nämlich ganz und gar nicht gelten.

Liebe Grüße! maya

23.07.2019 13:51 • x 2 #22


Paula_Stehr
Zitat von CeHaEn:
Vielen Dank für das Update!

Die Ergebnisse leuchten ein und sind vermutlich gar nicht so überraschend, denke ich. Gerade deswegen sind derartige Studien sinnvoll. Nur, weil ich und sicherlich viele andere Teilnehmer Zusammenhänge mehr oder weniger genau vorausahnen, heißt das noch lange nicht, dass diese Ahnung den Tatsachen entspricht. Da muss jemand die Ärmel hochkrempeln.

Es ist sicherlich etwas schade, dass "nur" diese 138 Menschen teilgenommen haben. Mit 1300 oder gar 13000 hätte das Ergebnis noch deutlicher ausfallen können - oder aber deutlich anders. Das macht wissenschaftliche Arbeit erst richtig spannend!


Ich habe die Befragung außerdem noch in einem Elternforum durchgeführt. Dort haben 332 Personen teilgenommen. Bei einer Multigruppen-Analyse konnte ich feststellen, dass sich der Einfluss der soziale Unterstützung zwischen den beiden Themen nicht unterscheidet. Die Aussagen treffen also sowohl für ein spezifisches Gesundheitsthema als auch das allgemeine Thema Elternschaft zu

Mit dem Datensatz von insgesamt 470 habe ich einige Analysen dann nochmal durchgeführt, um Ergebnisse zu erhalten, die besser gesichert sind.

24.07.2019 09:23 • x 4 #23


Paula_Stehr
Zitat von maya60:
Hallo Frau Stehr, ich möchte mich CeHaEn´s Dank anschließen und finde Ihre Ergebnisse für dieses gute Selbsthilfe-Forum auch einleuchtend.
Vor allem zeigt sich darin auch für mich, dass das Pauschalvorurteil, Online-Kontakte seien eine "unechte schädliche Welt" für solche Selbsthilfe-Foren nämlich ganz und gar nicht gelten.

Liebe Grüße! maya


Danke für das Feedback!
Ja, tatsächlich gibt es einige Studien, die einen negativen Einfluss der Online-Kommunikation zeigen. Dort wird aber häufig nicht genau genug hingeschaut, was genau die Menschen im Internet machen und wer die Nutzerinnen und Nutzer genau sind. Denn natürlich hängt es immer davon ab, was Menschen genau tun und welche Voraussetzungen sie mitbringen, welche Auswirkungen das dann für sie hat.

24.07.2019 09:25 • x 4 #24


CeHaEn
Danke für die Einblicke in die Entstehung der Arbeit!
Das Thema ist Lichtjahre von meiner eigenen Studienrichtung entfernt, aber so mancher Blick über den Tellerrand erweist sich als sehr interessant und aufschlussreich.

24.07.2019 12:56 • x 2 #25